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Eric-Carle-Schule in Mainzweiler ist 47. saarländische Schule im Netzwerk „Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage“

„Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage“ : Mit lautem Gesang gegen Rassismus

Die Eric-Carle-Schule in Mainzweiler gehört jetzt offiziell zu den Schulen, die sich gegen Rassismus jedweder Art engagieren. Der FCS ist Pate.

Auch wenn die Eric-Carle-Schule in Mainzweiler zum Kreis Neunkirchen gehört, der FCS hat hier seine Fans. „Was macht ihr heute im Training? Nicht so viel, oder? Ist ja morgen Spiel.“ Der Junge schlendert neben Fanol Perdedaj aus der Turnhalle auf den Schulhof. Perdedaj ist an diesem Montagmorgen mit seinen Kollegen Alexandre Mendy, Manuel Zeitz und Sportdirektor Markus Mann in den Ottweiler Stadtteil gekommen. Die Förderschule Geistige Entwicklung erhält offiziell die Auszeichnung „Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage“. Als erste Förderschule im Land, wie die Lehrer betonen. Der Fußball-Viertligist aus der Hauptstadt hat dazu die Patenschaft übernommen. Dass der bärtige Mittelfeldmann noch keine gelbe Karte gesehen hat, wie von seinem Gesprächspartner vermutet, verneint der Albaner mit einem Lächeln. Gerade habe er ein Spiel verpasst wegen einer fünften Karte. Was soll’s, der Schüler ist mächtig beeindruckt.

„Schule ohne Rassismus“ besteht als Projekt schon seit Jahrzehnten. Die Bundeskoordinationsstelle in Berlin benennt in ihrem Internet-Auftritt eine belgische Schule als Starter. Das war 1988. In Deutschland machte das Dortmunder Immanuel-Kant-Gymnasium den Beginn in den 1990ern, im Saarland die Gersheimer Gemeinschaftsschule 2002. Hinter dem Label steht ein Trägerverein, viele prominente Gesichter aus Politik, Kunst und Kultur unterstützen es. Der Verein wendet sich nicht nur gegen Rassismus, sondern gegen jede Form von Diskriminierung. Er erläutert: „Kinder und Jugendliche werden aktiv, weil es sie stört, wenn Menschen zum Beispiel wegen ihrer Hautfarbe, ihrer Herkunft oder aufgrund ihrer Religion beschimpft, gemobbt oder gar körperlich bedroht werden.“ Das Courage-Netzwerk möchte einen „angemessenen Rahmen für bürgerschaftliches Engagement“ bieten. Macht eine Schule mit, soll das kein einmaliges Ereignis sein, sondern der Auftakt für viele Aktionen und eine lebendige Auseinandersetzung mit der Thematik.

Die Eric-Carle-Schule, eine Einrichtung der Lebenshilfe, ist jetzt Teil dieser Bewegung. Thomas Recktenwald und Sabine Stock haben das Anti-Rassismus-Projekt in Mainzweiler begleitet. Die Schule war Sammelstelle für Refugee-Welcome-Boxen, Geschenkboxen für junge Flüchtlinge, erzählt Stock. Das warf viele Fragen bei den Schülern auf. Und mündete nicht nur in Betroffenheit, sondern schließlich auch in dem Projekt. Zur offiziellen Übergabe des Titels in Form eines schwarz-weißen Schildes mit dem Schriftzug „Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage“ schweben in der Turnhalle der Förderschule bunte Luftballons, ein großer Stuhlkreis ist aufgebaut, in der Mitte des Raumes liegen selbstgemalte Nationalfähnchen. Unter den rund 60 Schülern sind 13 verschiedene Nationalitäten, erläutert Schulleiter Sascha Mechenbier. Es wird zusammen gesungen, die Jungs vom FCS klatschen mit. Bei der Begrüßung der Gäste aus Saarbrücken bricht ein solcher Jubel aus, dass einem Kind die Tränen kommen. FCS-Kapitän Zeitz erläutert das Engagement des Vereins. Der Club stehe nicht nur für Sport, sondern auch für soziale Verantwortung. Zeitz: „Bei uns sind alle herzlich willkommen.“

Die Luftballons lassen die Schüler etwas später auf dem Hof in den   blauen Herbsthimmel steigen. Mit Friedensgrüßen auf  Karteikarten von der Schule ohne Rassismus. Es ist die 47. im Saarland, wie Projektkoordinator Erik Harms-Immand bei der Übergabe erklärt. Auf die Männer vom FCS wartet das Training. Sie haben das Pokalspiel gegen Primstal vor der Brust. Ihre jungen Mainzweiler Fans werden den Club nach der persönlichen Begegnung nochmal mit anderen Augen sehen.