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Einzelhändler in Ottweiler beteiligen sich an Aktion "Wir machen aufmerksam"

Ottweiler Einzelhändler wehren sich : Ottweiler Läden sehen sich unfair behandelt

Einzelhändler beteiligen sich an Aktion „Wir machen aufmerksam“. Rathaus und Gewerbeverein schreiben offenen Brief ans Land.

Geschlossene Läden stellen die kleinen Händler und Gewerbetreibenden zunehmend vor existenzielle Probleme. In Ottweiler wehren sich Unternehmer jetzt. Sie beteiligen sich an der bundesweiten Aktion „Wir machen auf_merksam“. Ein Hilfeschrei in Schaufenstern und sozialen Medien. Unterstützung erhalten sie vom örtlichen Gewerbeverein und aus dem Rathaus der Stadt. Einen offenen Brief haben Marion Strempel vom Händlerzusammenschluss und Bürgermeister Holger Schäfer (CDU) an den saarländischen Ministerpräsidenten Tobias Hans (CDU) und Wirtschaftsministerin Anke Rehlinger (SPD) adressiert. Sie weisen darin auf die aktuelle Ungleichbehandlung von großen Ketten, die neben Lebensmitteln auch andere Dinge des Bedarfs (Nonfood von Hosen und Hemd bis zum Kühlschrank) verkaufen dürfen, während die kleinen Läden mit Angeboten jenseits von Lebensmitteln aufgrund der Corona-Pandemie dicht sind.

In dem offenen Brief an die Landesregierung heißt es:  „Die Gesundheit aller ist uns sehr wichtig, und dass das Corona-Virus bekämpft werden muss, steht außer Frage! Doch sind die getroffenen Maßnahmen der Rechtsverordnungen, die die großen Anbieter bevorzugen, die richtigen? Und sind diese im Interesse der „kleinen“, oft innerstädtisch gelegenen und von Familien geführten Gewerbe- und Einzelhandelsbetriebe? Für diese setzen wir uns ein.“ Wie andernorts auch benachteilige die aktuelle Verordnung Ottweiler Unternehmerinnen und Unternehmer, die ihre Geschäfte schließen mussten und nun um ihre Existenz kämpften. Diese Geschäfte seien aber in der Stadt unverzichtbar, da sie Arbeits- und Ausbildungsplätze sicherten, ihre Steuern vor Ort zahlten und regionale Vereine unterstützten. Der offene Brief moniert: „Die kleinflächigen Ladengeschäfte mussten schließen, obwohl gerade dort die Kundenströme am besten organisiert und so das Infektionsgeschehen optimal reguliert werden kann.“

Ein Punkt, der Bürgermeister Schäfer sehr wichtig ist. Ihm gehe es nicht darum, die strapazierte Regierung zu kritisieren oder gegen große Ketten zu schießen, betont er im Gespräch mit der SZ. Aber Schäfer sagt: „Wir haben in Ottweiler derzeit einen Infizierten auf 250 Hektar Fläche. Im Nachbarkreis liegt der Inzidenzwert wesentlich höher als bei uns. Mit dem Schwerpunktprinzip werden die Bürger aber in die großen Märkte geschickt im Umland, wo täglich über Tausend unterwegs sind.“ Wenn zehn Kunden in Ottweiler in zehn kleine Läden gingen, ließe sich das Einhalten der Hygienevorschriften dort besser überprüfen, als wenn diese zehn wie alle anderen auch in einen großen Supermarkt strömten.

Um Infektionszahlen zu drücken, sei das aktuelle Vorgehen nicht das richtige, sondern aus Schäfers Sicht eher gefährlich. Die Versuche, den Online-Handel nicht übermächtig werden zu lassen, konterkarierten die Verantwortlichen mit den aktuellen Regelungen auch. Der Bürger verstehe das Vorgehen zudem nicht. Dabei sei es wichtig, die Menschen mit nachvollziehbaren Verordnungen bei der Stange zu halten.

 Marion Strempel, Vorsitzende des Ottweiler Gewerbevereins. Foto: Margarete Singer
Bürgermeister Holger Schäfer. Foto: Ralf Hoffmann

Gewerbevereinschefin Marion Strempel erläutert aus ihrer Sicht: „Es ist das zweite Mal, dass die Geschäfte geschlossen sind. Uns ist die Gesundheit aller sehr wichtig, aber dies ist eine totale Ungerechtigkeit.“ Alleine in der Altstadt gebe es 20 bis 30 Geschäfte, die betroffen seien. Auch andere Gewerke wie etwa Frisöre hätten massiv zu leiden. Sie habe von einigen Händlern Rückmeldung, dass es jetzt richtig eng werde. Die Verantwortlichen müssten dies sehen. Im offenen Brief heißt es: „Eine Öffnung aber wäre durchaus auch bei den kleinen Einzelhändlern in den Gemeinden und Städten möglich, denn gerade diese achten sehr auf die Hygienekonzepte, die Einhaltung der Abstände und eine korrekte Kundenfrequenz.“