Einst Bibliothek jetzt Museum Steinbach

Heimatmuseum Steinbach : Unerschöpflicher Fundus der Dorfgeschichte

Mit einem Trachtenumzug fing alles an. Vor rund 40 Jahren entstand in der ehemaligen Bibliothek der Dorfschule ein Heimatmuseum in Steinbach. Mittlerweile geht es über drei Stockwerke.

Als der Steinbacher Ortsrat mit seinem Ortsvorsteher Kurt John vor fast 40 Jahren die Idee hatte, in der ehemaligen Bibliothek der Dorfschule so etwas wie ein Heimatmuseum einzurichten, war nicht davon auszugehen, dass sich daraus einmal ein schier unerschöpflicher Fundus der Dorfgeschichte entwickeln würde. Es passt irgendwie ins Bild, dass ein großer Trachten- 
umzug anlässlich der 600-Jahr-Feier von Steinbach im Jahr 1981 den Anstoß für die Einrichtung eines Museums gab.

Viele historische Elemente, welche die Steinbacher zu ihrem Jubiläum aufgebaut hatten, waren damals die Anfangsbestände. „Wir konnten gar nicht alles aufbauen“, erinnert sich Arno Neu, der das Museum zusammen mit Gerhard Jung betreut. Noch heute werden dem Heimat- und Kulturverein (HuK) Steinbach als Betreiber des Museums regelmäßig Dinge überlassen, die irgendwo auf dem Speicher gefunden werden. „Alles, was daheim nicht mehr gebraucht wird, kommt zu uns“, sagt der 75-jährige Neu scherzhaft. Die Folge: Seit der Schließung der Steinbacher Schule 2005 sind aus der einstigen Bibliothek drei Stockwerke geworden, in denen viele Raritäten aufbewahrt werden, die der HuK im Laufe der Jahre zusammengetragen hat.

Das große Hobby von Arno Neu, dem zweiten Vorsitzenden des HuK, ist die Familienforschung. Seine Ergebnisse füllen zwischenzeitlich im Museum zwei dicke Ordner, die er, so war seine Absicht, zu einer Steinbacher Familienchronik zusammenfassen und veröffentlichen wollte. Diese Idee musste der Heimatkundler aber wieder fallen lassen, weil die Bestimmungen der Europäischen Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) eine Publikation ohne Zustimmung aller Beteiligten nicht zulässt. „Dadurch habe ich 20 Jahre umsonst gearbeitet“, bedauert der pensionierte Postbeamte. Verloren sind die Erkenntnisse seiner Familienforschung aber dennoch nicht.Die Steinbacher Kriegschronik bis 1945, die Neu zusammen mit Dieter Bettinger herausgebracht hat und die erst kürzlich erschienene Fortschreibung „Steinbach – ein Dorf im Wandel bis 1970“, die Neu zusammen mit Friedrich Decker erarbeitet hat, standen dem Datenschutz nicht entgegen. „Und wir haben noch genügend Material, um noch einige Bücher herauszubringen“, versichert Neu. Zu den Raritäten der Dokumentensammlung im Steinbacher Heimatmuseum gehören das „Protokollbuch für die Dampf-Dreschgenossenschaft“ aus dem Jahr 1903 und das „Kassenbuch des Steinbacher Viehvereins“ von 1940. „Ganz wichtig“ ist nach Ansicht der beiden Museumsleiter die Ortschronik von Steinbach von Heimatpfleger Michael Lambert ab 1956. Darin ist unter anderem für das Jahr 1957 zu lesen: „Einwohner 1301, davon fünf Franzosen und drei Italiener“. Auch alles, was über Steinbach irgendwann in der Saarbrücker Zeitung gestanden hat, ist penibel archiviert und füllt einige Ordner. Das Museum ist auch ein Vereinsarchiv und deshalb fehlt auch keine Festschrift von irgendeinem Jubiläum.Das Steinbacher Heimatmuseum beherbergt aber beileibe nicht nur Schrift- und Bilddokumente. Der Keller der früheren Schule steht voller landwirtschaftlicher Geräte und Utensilien. Die würde Arno Neu gern auf dem Pausenhof der Schule platzieren, „aber allein schaffen wir das nicht“, bedauert er.

Wer das Museum durch den Eingang auf der Gebäuderückseite betritt, der stößt zunächst auf ein altes, aber noch funktionsfähiges Klavier und eine Sitzgruppe, auf der man gleich zu Beginn eine musikalische Pause einlegen kann. Eine Treppe höher stehen zwei weitere Heimorgeln und eine „dicke Trommel von 1910“, wie sie beschriftet ist. Hier haben auch die Museumsküche und die Milchküche mit vielen einstigen unverzichtbaren Haushaltsgegenständen ihren Platz. Im Schlafzimmer daneben fehlt selbst der Nachttopf nicht und in der Schusterwerkstatt werden manche Besucher der jüngeren Generation staunen, mit welchem Schuhwerk ihre Groß- und Urgroßeltern unterwegs waren. Auch die Uniform vom „Schütz mit der Schell“, der bis 1958 im Dorf die amtlichen Bekanntmachungen verkündete, fehlt nicht. Neben Ausstellungstafeln zu verschiedenen Themenbereichen wie beispielsweise „Freizeit und Brauchtum“, „Auf dem Feld“ oder „Auf dem Weg zur Arbeit“ stößt der Besucher im oberen Bereich des Museums auch auf den überdimensionalen Stammbaum der Sippe Neufang, die sich an der Wand über mehrere Meter erstreckt. „Der Name Neufang im gesamten Saarland hat seinen Ursprung in Steinbach“, erklärt Arno Neu und das erfüllt den passionierten Familienforscher mit ganz besonderem Stolz.

Für die beiden Mitarbeiter des HuK ist es seit mehr als drei Jahrzehnten eine Herzensangelegenheit, die Steinbacher Vergangenheit für die Nachwelt zu erhalten. Aber beide machen sich auch Gedanken um die Zukunft des Heimatmuseums. „Wir können das nicht ewig machen“, sagt der fast 73-jährige HuK-Vorsitzende Gerhard Jung. Deshalb wünscht er sich, dass irgendwann auch die jüngere Generation ein wenig Verantwortung für das Museum übernimmt. „Geschieht das nicht, geht hier alles den Bach hinunter“, befürchte der ehrenamtliche Vereinsmitarbeiter, „und das wäre für Steinbach sehr schade“.

Besuche im Steinbacher Heimatmuseum sind jederzeit nach Absprache mit Arno Neu, Tel. (0 68 58) 12 11 oder Gerhard Jung, Tel. (0 68 58) 60 06 07, möglich.

Alle Serienteile gibt es im Internet auf der Webseite der Saarbrücker Zeitung. Dafür folgende Webseite aufrufen:

In der Schuhmacherwerkstatt des Museums kann man echte „Genachelte“ bestaunen und noch vieles mehr rund ums Schuhmacherhandwerk. Foto: Jörg Jacobi
Gerhard Jung vor einer alten Ortsansicht von Steinbach. Viele Dokumente gibt es im Museum zur Geschichte des Ortes. Foto: Jörg Jacobi
Hier geht’s rein. Früher hatte das Museum einen Raum in der ehemaligen Grundschule. Mittlerweile geht es über drei Stockwerke. Foto: Jörg Jacobi
Die Milchküche mit Butter- fässern. Foto: Jörg Jacobi
Uniformen vom Schellenmann und Ulanen. Foto: Jörg Jacobi
Ein Schrank aus der Gudd Stubb des Museums. Foto: Jörg Jacobi
Rasierspiegel in der Küche. Foto: Jörg Jacobi
Ein Telefon gab es früher im Ort. Foto: Jörg Jacobi

www.saarbruecker-zeitung.de/
museen-im-saarland

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