Eine Wanderung auf dem Mühlenpfad im Ostertal bei Fürth

Wandern auf dem Mühlenpfad in Fürth : Wenn der Regen die Blätter sauber wäscht

Unterwegs auf dem Mühlenpfad an einem nieseligen Sonntagnachmittag. Nur die Hundebesitzer müssen raus. Aber auch alle anderen erleben eine frische Natur.

Goldener Oktober ist halt auch nicht immer. Der Sonntag ist eher zum Vergessen, hundert Prozent wolkenverhangen, Nieselregen mit kleinen Verschnaufpausen zwischendrin. Die zentrale Frage lautet: Vom Bett aufs Sofa oder doch noch ein paar Schritte weiter? Ein innerer Kampf zwischen Bewegungslust und Wetterfrust. Dabei ist ja auch klar: Bei Sonnenschein kann jeder vor die Tür. Und der Wald hat seine eigenen Regeln. Um die Mittagszeit nimmt die extrem hohe Luftfeuchtigkeit etwas ab. Also raus und auf nach Fürth zum Mühlenpfad. Der startet an Wern’s Mühle. Von den historischen Mahlwerken, die der Weg auf knapp acht Kilometern thematisch fasst, ist abgesehen von diesem schönen Bauwerk am Start- und Schlusspunkt fast nichts zu sehen. Die Eichelthaler Mühle ist vom Pfad aus zu erahnen, aber nicht zu besuchen. Die Hanauer Mühle existiert auch nicht mehr, ein Gebäude direkt an der Landstraße weist noch auf sie hin. Zimmersch Mühle, Gerb- und Lohmühle, Brille und Ammans‘s Mühle sind nur noch Erinnerungstafeln am Wegesrand.

Die Premium-Runde führt zunächst zur Oster und an ihr entlang. Unter dem Dach der Bäume scheint das Nieseln etwas nachzulassen. Was tatsächlich vom Himmel kommt oder nur von Blatt zu Blatt Richtung Boden tröpfelt, ist nicht mehr zweifelsfrei auszumachen. Es klingt, als erzähle der Regen Geschichten. Zugleich ist das Wasser wie ein Großreinemachen. Die Blätter glänzen frisch und grün. Die Laune hebt sich an der frischen Luft. Zwischen alten Buchen- und Eichenriesen und jungen Stämmen werden die Schritte größer. So schlecht ist der Sonntag gar nicht.

Der Weg entlang der Oster, mal ein paar Meter höher, mal näher am Wasser, leidet unter dem Autolärm von der Landstraße zwischen Hangard und Fürth. Wald klingt ohne Autos einfach besser. Der Bach rauscht, zwischen Steinen liegen abgebrochene Äste, manchmal ganze Stämme. Ein wunderbares grünes Chaos. Der Sonntag hier draußen entfaltet sich nicht für jeden so schön. Hinter dem grünen Vorhang rauscht ein Auto vorbei, dessen Fahrer offenbar zu einem plötzlichen Bremsmanöver gezwungen wird. Klingt nach einem Blechschaden.

Mit dem Steinbacher Bach, der vom vielen Wasser ganz ordentlich rauscht, geht es hinunter auf die Landstraße und auf der anderen Seite wieder in den Wald Richtung Münchwies. Ins Schönbachtal hinein – Mühlen- und Brunnenpfad nutzen dieses Wegstück gemeinsam – wird es richtig malerisch. Der Regen macht mal eine kleine Pause. Der Wegweiser führt den Wanderer hinunter direkt zum Wasser. Die folgenden Kilometer sind definitiv die schönsten des Mühlenpfades.

Am Schönbach (auf Karten auch Lautenbach benannt) die erste Begegnung mit einem Menschen. Gut, Thomas Herz hat einen vernünftigen Grund, durch den Wald zu stapfen. Der Hangarder ist mit zwei Hunden unterwegs. Und die haben auch kein Problem damit, mal mit den Pfoten das flache Wasser zu prüfen. „Bei dem Wetter ist es schon schwer, jemanden zu treffen“, sagt der Mann mit einem vagen Lächeln im Gesicht. Und setzt schon fast entschuldigend hinterher: „Wer Hunde hat, muss halt raus.“ Tja, sein Gegenüber hat keinen Hund dabei und fragt sich in diesem Moment, ob ihm das ein wenig die Berechtigung raubt, sich an diesem nassen Sonntagnachmittag überhaupt hier draußen rumzutreiben. Die Route führt kurz vom Bach weg hinauf auf den breiten Waldweg. Wie um den Gedanken zu untermauern, kommen dort die nächsten Hundebesitzer raschen Schrittes vorbei. Sie bleiben denn auch für die nächsten Kilometer die einzigen Zwei- und Vierbeiner, die sich blicken lassen. Der Pfad führt auf schmäleren und breiteren Passagen über den Schönbach hinauf in den Jungenwald. Der Regen wird heftiger und entfacht ein Konzert aus Rhythmus und Ton.

Ein Knacken im Unterholz. Wildschweine? Zwei Männer tauchen auf. Ohne Hunde! Wir haben ein paar Meter des Wegs zusammen, kommen an einer Info-Tafel vorbei, die den Steinweg unter unseren Füßen als beachtliche 450 Jahre alt ausweist. Der Kartograph und Mathematiker Tilemann Stella hatte seinerzeit das Gebiet im Auftrag des Herzogs Wolfgang von Pfalz-Zweibrücken auf Papier gebannt und jene alte Straße eingezeichnet, die einst Fürth mit Kirkel und Zweibrücken verband. Die beiden Saarbrücker, gut eingepackt in Anbetracht des nassen Tages, zieht es aber schnell wieder von diesem historischen Weg weg. Bis nach Fürth ist es gar nicht mehr weit. Der Wald wird lichter. Der Regen bleibt. Es geht ein kurzes Stück Sträßchen hoch und am Rand einer Wiese hinab zu Werns Mühle.

Hundebesitzer sind bei jedem Wetter draußen. So auch Thomas Herz mit seinen Vierbeinern. Foto: Michael Beer
Regennass und glänzend geht es auf schmalem Pfad bergab. Foto: Michael Beer
Ein Wanderer hat kleine Steinpyramiden gebaut. Foto: Michael Beer
Die Eichelthaler Mühle ist vom Mühlenpfad aus nur in der Ferne hinter einer großen Wiese zu sehen. Foto: Michael Beer
Viel Moos auf Stein und Holz im Wald oberhalb der Oster. Foto: Michael Beer

Die Wanderung unter doch erschwerten Bedingungen will zumindest mit einem warmen Getränk und einem Stück Kuchen belohnt sein. Die Lungenflügel sind voll frischer Luft. Der Körper fühlt sich gut an. Der Wald um Fürth im Allgemeinen, so viel steht fest, ist auch ohne Sonnenschein und Goldenen Oktober eine Wanderung wert. Der Mühlenpfad im Speziellen hat aber auch Schwächen. Auf den Metern durchs Schönbachtal indes seinen wirklich starken Auftritt.

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