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Eine Stadt mit vielen Geschichten

Eine Stadt mit vielen Geschichten

Ottweiler. Mit orginalgetreuem Leinengewand, mit Horn, Hellebarde und dem altbekannten Nachtwächterlied "Hört ihr Leut' und lasst Euch sagen, unsere Uhr hat neun geschlagen", stimmte Leo Simon als Nachtwächter die Teilnehmer des Rundgangs, die sich um 21 Uhr am Turm der evangelischen Kirche in Ottweiler treffen, gleich auf den Rundgang durch die historische Altstadt ein

Ottweiler. Mit orginalgetreuem Leinengewand, mit Horn, Hellebarde und dem altbekannten Nachtwächterlied "Hört ihr Leut' und lasst Euch sagen, unsere Uhr hat neun geschlagen", stimmte Leo Simon als Nachtwächter die Teilnehmer des Rundgangs, die sich um 21 Uhr am Turm der evangelischen Kirche in Ottweiler treffen, gleich auf den Rundgang durch die historische Altstadt ein. Von der Krypta im Turm führt der Spaziergang über Rathausplatz und Schlosshof durch malerische Gassen zur Tensch und zum Zwinger. Neben allerlei Wissenswertem zur Historie der ehemaligen Residenzstadt wie etwa dem Bau des Klosters, der Verleihung der Stadtrechte 1550 oder dem Leben der Grafen von Nassau-Saarbrücken, lockert der frühere Religionslehrer den Rundgang mit vielen Anekdoten aus dem Leben der Bürger auf. So wurden abends die Stadttore geschlossen. Wer nicht rechtzeitig wieder in Ottweiler war, musste die Nacht vor den Toren der Stadt verbringen. "Daher kommt der Begriff Torschlusspanik", erläutert der 72-Jährige. Ihm mache es großen Spaß, den Menschen die Geschichte der Stadt näher zu bringen. Dank Simon wissen die Teilnehmer jetzt auch, woher die Tensch ihren Namen hat. Tensch bedeutet nichts anderes als Übergang über ein Sumpfgebiet. Pünktlich um 22 Uhr stimmt Simon erneut das Nachtwächterlied an, um den Besuchern musikalisch zu verkünden, was die Stunde geschlagen hat. "Früher hatte der Türmer die Aufgabe, die Stadt zu bewachen, irgendwann ging aus diesem Beruf dann der des Nachtwächters hervor", so der Theologe. Mit seinem Horn warnte der Nachtwächter die Bürger der Stadt, etwa vor Überfällen oder Feuer. Wer will, kann zum Abschluss des Rundgangs noch den Turm der evangelischen Kirche besteigen. Vorbei am Verlies, in dem der Turmwächter früher die Gefangenen mit Brot und Wasser versorgte, vorbei an den Falken, die sich im Turm der evangelischen Kirche Ottweiler niedergelassen haben, führen die 138 Stufen hinauf bis zur Turmspitze. Leo Simon öffnet die Dachluken und gibt kurz vor 23 Uhr den Blick frei auf den sternenklaren Himmel über Ottweiler. Der Schein der Straßenlaternen fällt auf die historischen Häuser des Marktplatzes und lässt die Erinnerung an vergangene Zeiten lebendig werden. "Ganz toll" finden Cornelia und Karl Aimer aus Freising die Führung mit dem Nachtwächter. Das Ehepaar, das seinen Urlaub in einer Ferienwohnung in Ottweiler verbringt, war durch einen Hinweis seiner Vermieterin auf den Nachtwächterrundgang aufmerksam geworden. "Wir sind froh, dass wir mit gegangen sind, es war einmal etwas ganz anderes", so das Fazit des Ehepaars. Annette Dehmelt aus Hüttigweiler wollte ihrem Besuch aus der Nähe von Esslingen Ottweiler einmal auf eine andere Art zeigen. Genossen hat auch Astrid Hering aus Hirzweiler den Rundgang. Ihre Nachbarinnen Barbara Finck und Anne Hand haben der 67-Jährigen zum Geburtstag "einige schöne Stunden in Ottweiler inklusive Nachtwächterrundgang geschenkt".

Auf einen BlickTreffpunkt zum Nachtwächterrundgang ist jeden Freitag von Anfang April bis Ende Oktober um 21 Uhr am alten Wehrturm bei der evangelischen Kirche Ottweiler. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Erwachsene zahlen drei Euro pro Person, Kinder in Begleitung Erwachsener sind frei. Als Nachtwächter sind Leo Simon und Willi Wälder unterwegs. Infos: Tourist-Information Ottweiler, Telefon (06824) 35 11. cs