Ein Umzug in die Zukunft

Die katholische und die evangelische Kirchengemeinde Ottweiler nutzen jetzt das katholische Pfarrheim in der Herrengartenstraße gemeinsam. Am Freitag erhielt der Vertrag Unterschriften und kirchliche Siegel.

Am heutigen Dienstag ist Umzugstag. Da bringen sie Inventar wie Möbel aber auch Chor-Noten und ein Kreuz aus dem evangelischen Gemeindehaus Ottweiler ins Pfarrheim der katholischen Kirchengemeinde Maria Geburt Ottweiler . Auch ein Flügel folgt auf diesem Wege noch nach. Der am Freitag unterschriebene Vertrag zwischen den beiden Kirchengemeinden über eine gemeinsame Nutzung des Pfarrheims in der Herrengartenstraße bekommt damit Leben eingehaucht (siehe "Hintergrund"). Solch eine ökumenische Nutzungsvereinbarung ist - wie bereits vermeldet - zum ersten Mal im Bistum Trier erarbeitet worden, wie die Unterzeichner feststellen.

"Das war auch juristisch Neuland fürs Bistum", sagt Manfred Woll vom Verwaltungsrat beim Gespräch mit unserer Zeitung zusammen mit Rudolf Peiffer (Verwaltungsrat), Pater Otto Kuttka, Pfarrer Martin Beckschulte und Mark Harlos (Presbyterium). "Wir haben im Internet recherchiert, im Raum Münster einen entsprechenden Rahmenvertrag zwischen einer katholischen und evangelischen Kirchengemeinde gefunden und ihn für uns bearbeitet." Die Nutzungsvereinbarung für Ottweiler wurde in Trier geprüft und gebilligt. Am 8. Juli gab es auf einer Pfarrversammlung auch ein einstimmiges Ottweiler Votum für den ökumenischen Weg. Im Spätsommer stimmte ebenfalls das Presbyterium zu.

Ökumene ist in Ottweiler schon seit Jahren gelebte Partnerschaft. Dennoch ist der gemeinsame Weg beim Pfarrheim unter äußerem Druck beschritten worden. Beide Kirchengemeinden haben Probleme, ihren Immobilienbestand dauerhaft zu sichern. Trier fordert ein Immobilienkonzept, stellt Kirchen, Pfarrhäuser und Pfarrheime auf den Prüfstand. In Ottweiler will man das Pfarrheim erhalten. Die evangelische Kirchengemeinde wiederum kann ihre Kirchen und Gemeindehäuser nicht mehr alle unterhalten. Die Gemeinde schrumpft. Der Haushalt ist defizitär. Eine Gebäudestrukturanalyse (Kirchenkreis) zeigt immense Kosten für anstehende Gebäudesanierungen auf. Im Mai fasste das Presbyterium den Beschluss, vier von fünf Kirchen und die zwei Gemeindehäuser aufzugeben (die SZ berichtete). "Kompromissbereit" müssten beide Seiten sein, heißt es vor Ort. "Alles muss erstmal durch den Kopf", sagt Pfarrer Beckschulte. Nach und nach werde sich das Miteinander im Pfarrheim einspielen. Man kommt sich ja auch nahe. Montags etwa, wenn sich zunächst die Gymnastikgruppe (katholisch) im großen Saal trifft und direkt im Anschluss der Frauenchor (evangelisch).

Das Gemeindehaus in Ottweiler schließt diesen Monat. Und seine Zukunft? "Wir haben das Gemeindehaus der Stadt Ottweiler als mögliche Flüchtlingsunterkunft angeboten", sagt Pfarrer Beckschulte. Allerdings habe es eben kostenintensiven Sanierungsbedarf.

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Auf einen BlickDie evangelische Kirchengemeinde Ottweiler bilden Ottweiler , Steinbach, Hirzweiler-Welschbach, Mainzweiler und Stennweiler. Die Gemeinde zählt knapp 5700 Mitglieder.Die katholische Kirchengemeinde Ottweiler besteht aus der Gemeinde Ottweiler Maria Geburt mit Steinbach und der Filialkirche Mainzweiler St. Wendalinus. Die Gemeinde zählt knapp 5000 Mitglieder. cle

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HintergrundVor einem Jahr haben beide Kirchengemeinden Gespräche für eine gemeinsame Nutzung des katholischen Pfarrheims aufgenommen. Kernpunkte der Nutzungsvereinbarung: Der Vertrag hat eine Laufzeit von fünf Jahren. Er betrifft den großen Saal (200 Quadratmeter), das Rote Zimmer und das Grüne Zimmer (je 50 Quadratmeter). Ein paritätisch besetzter Koordinierungsausschuss stimmt die Belegung der Räume ab. Das Hausrecht übt weiter die katholische Kirchengemeinde aus. Die evangelische Kirchengemeinde zahlt für die Nutzung Miete. cle