Die Wasseramsel kann einziehen

Am Gemeinschaftsprojekt Wasseramsel, bei dem es um Nistkästen für den kleinen, am Wasser brütenden Vogel geht, waren die Justizvollzugsanstalt (JVA) Ottweiler, die Stadtverwaltung und zehn „Grünschnäbel“ der evangelischen Kindergruppe beteiligt.

. Sie wiegt gerade mal 75 Gramm, ist 18 Zentimeter klein und vertilgt mit Vorliebe Köcherfliegen, Flohkrebse, Spinnen und sonstige Insekten. Die Rede ist von Cinculus cinculus, der Wasseramsel. An der Blies in Ottweiler wurde diese Woche eine nagelneue Wohnung für den eher unscheinbaren Vogel bezugsfertig, zwei weitere folgen in Kürze. Soweit, so unspektakulär? Jein. Handelt es sich doch um ein nicht alltägliches Gemeinschaftsprojekt. Ideengeber war Sascha Bick. Der in der JVA Ottweiler tätige Ergo- und Arbeitstherapeut hatte schon früher Insektenhotels mit Kindergartenkindern gebaut und auch schon mal ein Storchennest. Nutznießer des jüngsten Projektes sollte ein Vogel werden, dem peu à peu die Nistmöglichkeiten abhanden kommen: "Wasseramseln bauen ihre Nester bevorzugt in Nischen unter Brücken ", sprich Stellen, wo Steine abgebrochen oder Fugen zu finden sind, erklärt Brick. "Leider gibt es immer weniger alte Brücken , die aus einzelnen Steinen gebaut sind." Moderne Brückenbauwerke bestehen aus Stahl und Beton und werden "am Stück" und damit fugenlos errichtet. Keine Chance für Wasseramsel & Co., ein Nest zu bauen.

Mit seiner Idee ging Bick bei den Strafgefangenen der JVA hausieren. Ein 16-jähriger Jugendlicher fand Gefallen daran und baute unter Anleitung des Therapeuten drei der massiv-hölzernen Brutkästen. Seine Motivation sei sehr groß gewesen, da es "eine sinnvolle Tätigkeit" gewesen sei, äußerte der inzwischen wieder in Freiheit lebende junge Mann in einer Befragung. "Zudem konnte ich zuvor erlernte handwerkliche Fähigkeiten anwenden." Auch wenn er sich zuvor "nie mit Tieren und Umweltschutz beschäftigt" habe, könne er sich gut vorstellen, noch einmal in solch einem Kontext ehrenamtlich tätig zu werden.

Nach dem Fertigen der Kästen kam die Kindergruppe der evangelischen Kirchengemeinde Ottweiler ins Spiel. Jeden Donnerstag trifft sich die Gruppe "Grünschnäbel", geleitet von Katja Scherer, in der Teestube, um gemeinsam zu spielen, zu basteln, Themen zu bearbeiten wie "Jungs und Mädchen" oder "Wohin mit meiner Angst/ Wut" und die Jahresfeste zu feiern. Mit Begeisterung lasierten die zehn Mädchen und Jungen zwischen sechs und acht Jahren die Kästen und lernten nebenbei noch etwas über die Wasseramsel. Am Donnerstag war es dann so weit: Der erste Kasten sollte angebracht werden. Mit Gummistiefeln und Picknick ausgestattet, begleite die Gruppe Sascha Bick unter die Bliesbrücke Ziegelhütte. Im Flussbett stehend, klebte der Therapeut den Kasten mittig über der Blies auf der Unterseite der Brücke an - wobei alle Beteiligten etwas Geduld mitbringen mussten, benötigte der Kleber doch eine halbe Stunde zum Aushärten.