„Die Frauen haben so viel Power“

„Die Frauen haben so viel Power“

Nächstes Jahr im Herbst fliegt die Steinbacher Hebamme Daniela Nedogoda-Simon wieder nach Südindien. Dort betreut sie ein geburtshilfliches Projekt, das mit deutscher Hilfe aufgebaut worden ist.

In einem Land, in dem alle vier Minuten eine Frau infolge von Schwangerschaft und Geburt stirbt, muss die Hilfe einer deutschen Hebamme wie ein Geschenk Gottes sein. Und so wird Daniela Nedogoda-Simon auch jedes Mal empfangen bei ihren Besuchen in Anaiyeri, einem 2000-Seelen-Dorf im Südosten Indiens. Mit großer Herzlichkeit, Wärme, Freude und Dankbarkeit für die Unterstützung, die die 42-jährige Hebamme aus Steinbach seit Jahren leistet.

Wie sie dazu kam? "Wie die Jungfrau zum Kinde", umschreibt es die Mutter zweier Kinder mit einem Lächeln. Während ihrer Ausbildung zur Hebamme, die die gelernte Krankenschwester an einem Koblenzer Krankenhaus absolvierte, habe sich ein Oberarzt für ein Entwicklungsprojekt in Indien engagieren wollen. Dr. Wolfgang Donné fragte sie Anfang 2012, ob sie bereit sei, ein Geburtshaus im südindischen Bundesstaat Tamil Nadu mit aufzubauen. "Ein schwieriges, langwieriges Projekt", erinnert sich Daniela. Mit Hilfe des Vereins Pirappu - Geburtshilfe in Indien, konnte schließlich das Geburtshaus in der sehr ländlichen Gegend nicht nur eröffnet, sondern auch zum Laufen gebracht werden.

Daniela Nedogoda-Simon war eine der Hebammen in dem Team, die durch ihre Besuche in den Dörfern die Schwangeren informierten und davon überzeugten, dass sie in dem von Europäern aufgebauten Geburtshaus die bestmögliche Versorgung für sich und ihre Neugeborenen finden werden. Dabei wurde die Deutsche vor ungeahnte Probleme gestellt. So haben die Inderinnen etwa ein großes Schamgefühl. Voruntersuchungen gestalten sich deshalb sehr schwierig. Ein spezieller Geburtssimulator, der auch mit einer befüllbaren Brust ausgestattet ist, erleichtere die Kommunikation erheblich, sagt die Hebamme und führt der SZ beim Besuch in ihrem Haus in Steinbach den rucksackähnlichen Simulator vor. Dabei erzählt sie von ihren Erlebnissen in Indien, und man spürt, dass sie das Projekt mit ganzem Herzen und großer Leidenschaft unterstützt. Wie übrigens auch ihr Ehemann Sascha Simon, der sie mehrmals begleitete. Sogar der zweijährige Sohn Jonathan hat bereits das rund 7750 Kilometer entfernte Dorf Anaiyeri in Südindien besucht und die schier überwältigende Gastfreundschaft erfahren dürfen. Trotz der großen Armut, es gäbe weder Kanalisation noch Strom in dem Dorf, sei die Lebensfreude spürbar. "Die Frauen haben so viel Power, so eine große Solidarität untereinander", schwärmt Daniela. "Gib uns etwas an die Hand, wir machen was draus", so sei ihre Einstellung. Ihr Auftrag sei es deshalb, die indischen Hebammen auszubilden. Ärzte gibt es keine. "Unser Wunsch ist es, dass die Frauen unter menschenwürdigen Umständen ihre Kinder gebären können", betont die Hebamme, die seit zehn Jahren in Steinbach ihr Zuhause hat. Ihr Credo ist, "Frauen in ihrer natürlichen Kompetenz zu stärken".

Zuspruch und Unterstützung leistet sie deshalb auch seit über einem Jahr für syrische Flüchtlingsfrauen, die im Saarland ein Kind erwarten oder bereits zur Welt gebracht haben. Dieses prägende Erlebnis Geburt solle ein schönes Erlebnis sein für die Frau. So wie die Geburt des ersten Kindes, dem sie in Anaiyeri zur Welt geholfen hat. Es heißt übrigens Daniela und ist ihr Patenkind.

Geburtshilfe-in-indien.de

Das Maternity Health Center (Geburtshaus) in Anaiyeri.
Der Verein Cord vermittelt Bildungspatenschaften für Kinder.

Cord-org.de

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