Die Frau für die ganz langen Strecken

Die Frau für die ganz langen Strecken

Sie läuft zwölf oder 24 Stunden am Stück. Oder 100 Kilometer. Die 55-jährige Lisa Butz ist eine der erfolgreichsten saarländischen Läuferinnen über die ganz langen Distanzen. Dabei war sie bis vor acht Jahren sportlich kaum aktiv.

´Für Lisa Butz war 2015 das erfolgreichste Jahr ihrer Karriere. Die 55-Jährige ist Ultra-Marathonläuferin und erst seit acht Jahren auf den Rennstrecken der Nation unterwegs. "Bis Ende 2007 war ich fast gar nicht sportlich aktiv. Dann habe ich aber gesehen, wie viel Spaß meine Tochter beim Sport hatte - und das wollte ich dann auch", erzählt Butz, die für den TV Ottweiler an den Start geht. Ihr erster Lauf ging noch über fünf Kilometer, die nächsten zwei waren schon Halbmarathons. "Ich hatte das Gefühl: Das ist genau das, was ich immer machen wollte. Damit hätte ich schon dreißig Jahre früher anfangen können", sagt Butz. Nachdem sie bei ihrem ersten Marathon direkt Zweite wurde, wollte sie immer mehr. "Zehn-Kilometer-Läufe haben mich nie so richtig angemacht", erzählt Butz und ergänzt: "Lange Strecken waren von Anfang an genau das Richtige für mich."

Ihr Können darin brachte sie in diesem Jahr zur Perfektion. Im Februar wurde Butz in knapp fünf Stunden Altersklassen-Zweite bei den deutschen Meisterschaften über 50 Kilometer. "Und da hat es mich richtig gepackt", erzählt sie. Trotz anfänglicher Bedenken traute sie sich zwei Monate später zu den deutschen Meisterschaften über 100 Kilometer. Hier lief sie ihren ersten "Hunderter" - und wurde in elf Stunden schon wieder Zweite. "Ich habe mir vorher gedacht: Das schaffst du nie. Aber als ich ins Ziel kam, war ich vollkommen überwältigt und auch ein bisschen stolz", sagt Butz, die bis zu sechs Mal pro Woche trainiert.

Doch das sollte noch längst nicht alles sein. Im August brach sie beim Lions-Lauf in Lebach mit 96 Kilometern den seit 1996 bestehenden deutschen Zwölf-Stunden-Bahnlauf-Rekord in ihrer Altersklasse W50. "Das war für mich völlig überraschend, so was macht man nur ein Mal im Leben." Im September gewann sie den St. Ingberter 24-Stunden-Soli-Lauf in ihrer Altersklasse mit 152,4 Kilometern - das war deutsche Jahresbestleistung.
Landschaftsläufe begeistern

Trotz der vielen Erfolge kommt Lisa Butz beim Gedanken an den 104 Kilometer langen Mega-Trail an der römischen Weinstraße im August am meisten ins Schwärmen: "Das war dieses Jahr mein Höhepunkt. Man läuft an der Mosel Weinberge hoch und runter. Die Landschaft ist so toll, dass man alle Strapazen vergisst. Gewinnen ist super. Aber viel wichtiger ist mir der Spaß, den ich bei so einem Landschaftslauf habe", erklärt die 55-Jährige, die im April Marathon-Saarlandmeisterin wurde. Auch zukünftig will sie diesen Spaß haben: "Im nächsten Jahr peile ich die deutsche 24-Stunden-Meisterschaft an, und ich will mehr Landschaftsläufe machen. Das ist für mich eine Art der Entspannung, und man hat etwas davon. Da genießt man das Laufen am meisten."

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