Die Ergebnisse der Kommunalwahlen 2019 in der Stadt Ottweiler

Kommunalwahlen Ottweiler : CDU büßt absolute Mehrheit im Rat ein

Gewinner der Kommunalwahlen sind auf Ebene des Ottweiler Stadtrates AfD und Grüne. Die AfD bekommt bei ihrem ersten Auftritt acht Prozent der Stimmen.

Wer Ottweilers CDU-Bürgermeister Holger Schäfer am Wahlabend erlebt hat, der könnte sich durchaus den Mentaltrainer dieses Mannes wünschen für besondere Lebenssituationen - so Schäfer denn einen haben sollte. 71,3 Prozent Zustimmung, das hat bei den sechs Urwahlen im Kreis kein anderer geschafft. Und dieses Ergebnis quittierte der Amtsinhaber mit einem geradezu britisch zurückhaltenden Lächeln. Froh war Schäfer, eine Stichwahl vermieden zu haben. Und nach kurzem Zögern erklärte er zu den 71,3 Prozent: „Ja, darauf darf man stolz sein.“ Seine Partei ist mit den 41,5 Prozent im Stadtrat (15 Sitze) als klar stärkste Fraktion sehr zufrieden. Fraktionschef Christian Batz: „Gegen uns wird im Rat nichts gehen. Wir haben einen gewissen Gestaltungsauftrag.“ Ottweiler ist keine klassische christdemokratische Hochburg, sondern war lange in SPD-Hand. 2009 hatte die Partei gerade mal 25,9 Prozent der Stimmen geholt. 2014 waren es dann überraschende 46,6 Prozent. Batz betont, in absoluten Zahlen habe seine Partei sogar noch Stimmen hinzugewonnen im Vergleich zu 2014. Aber auch die anderen Parteien haben viele Wähler mobilisiert, so dass das prozentuale Ergebnis niedriger ausfällt. Mit über 40 Prozent habe seine Partei ein sehr gutes Ergebnis eingefahren. Dem neuen Stadtrat würden viele neue Gesichter angehören. Mithin müsse man schauen, mit wem eine Zusammenarbeit denkbar sei. Batz: „Eine feste Koalition halte ich auf kommunaler Ebene für übertrieben.“

Wolfgang Brück, Fraktionschef der SPD im Ottweiler Stadtrat, sagt am Tag nach der Wahl: „Es ändert sich ja nicht so viel. Die CDU hat es ein bisschen schwerer im Stadtrat, die SPD hat es ein bisschen schwerer im Stadtrat.“ Die SPD hat 32,2 Prozent geholt (zuletzt 33,9), das bedeutet elf Sitze im Stadtrat. Dass die CDU keine eigene Mehrheit mehr habe in dem Gremium, komme für ihn nicht überraschend, sagt Brück: „Der Trend geht von den großen zu den kleinen Parteien.“ Je nach Thema müssten sich jetzt Mehrheiten finden. Der Bürgermeister habe es trotz seines guten Ergebnisses jetzt nicht gerade leichter. Brück sagt aber auch: „Der größte Teil der Entscheidungen wird im Ottweiler Stadtrat einvernehmlich getroffen.“

Aus dem Stand drittstärkste Kraft ist die AfD geworden mit acht Prozent. Aber auch die Grünen haben sich deutlich verbessert von 4,7 auf 7,4 Prozent. Beide Parteien haben damit zwei Vertreter im Rat. FWG (2,9) und WuSB (2,1) mussten Verluste hinnehmen. Die Unabhängigen aus Steinbach sind nicht mehr im Stadtrat vertreten, die FWG behält einen Vertreter. Für Hennig Burger, Grüne, ist das Wahlergebnis etwas schwächer als erhofft: „Wir wollten drei Mandate.“ Man müsse differenzieren. In der Stadt selbst habe seine Partei sehr gut abgeschnitten, in den Stadtteilen deutlich schlechter. Die Grünen haben sich bundesweit sehr verjüngt, sagt er auf der Erfolgswelle, auf der die Partei schwimmt. In seinem Fall sei es so, dass die Grünen Ottweiler ihn als 70-Jährigen im Stadtrat behalten wollten.

Auf Listenplatz eins der AfD steht Ingrid Behr. Die 73 Jahre alte Rentnerin lebte mit ihrer Familie lange in Afrika. Sie sehe die Partei nicht weit rechts und wisse, wie es im Stadtrat zugehe, da sie viele Jahre im Rathaus gearbeitet habe. Unter anderem war sie sechs Jahre Frauenbeauftragte. Im Rat will sie sich besonders für Senioren einsetzen.

Gleich die ersten Ergebnisse zauberten Holger Schäfer ein Lächeln ins Gesicht. Foto: Jörg Jacobi

Zur Ebene der Ortsräte: Im Ortsrat Ottweiler hat die CDU 44,5 Prozent geholt, die SPD 25,1, Linke 7,7, AfD 8,4, Grüne 9,4, FWG 4,9. Im Ortsrat Mainzweiler gehen 65,3 Prozent an die SPD, 34,7 an die CDU. Im Ortsrat Steinbach hat die SPD 49,4, die CDU 28,3 und die WuSB 22,3 Prozent. Fürth: SPD 59,7, CDU 40,3 Prozent. Lautenbach: CDU 53,1, SPD 46,9 Prozent.