Der Rote Platz wartet schon

Vor rund 23 Jahren lernte der Liederkranz Fürth den Männerchor der Moskauer Physikingenieure kennen. Vor allem dank Gerhard Jochum entwickelte sich daraus eine besondere Verbindung.

Nur noch 16 Monate. Immer vorausgesetzt, die Gesundheit spielt mit, könnte Gerhard Jochum dann ein Déjà-vu der besonderen Art erleben: Nach 21 Jahren zurück auf dem Roten Platz im Herzen der russischen Hauptstadt stehen und zusammen mit "seinem" Chor vor dem Kreml und der prächtigen Basilius-Kathedrale für ein Erinnerungsfoto posieren. Vielleicht geht der dann 81-Jährige auch durch das Auferstehungstor, durch das früher künftige Zaren den Platz betraten, bevor sie gekrönt wurden. Für Gerhard Jochum wäre diese Reise auch eine Art Krönung - die Krönung seiner Bemühungen um eine ungewöhnliche Freundschaft, die den Liederkranz Fürth und den Männerchor der Moskauer Physikingenieure verbindet.

Ihren Ursprung hatte diese "feste, freundschaftliche, fast schon sensationelle Verbindung", wie sie Vorsitzender Dietmar Biehl anlässlich des 100-jährigen Liederkranz-Bestehens 2013 nannte, in einem Konzertabend im Jahr 1992. Dieser stand unter dem Motto "Musik verbindet Kontinente", konnte doch der Fürther Chor neben der Liedertafel Kelowna aus Kanada auch den Männerchor des Physikalischen Institutes Moskau, kurz Mephi-Chor, begrüßen. Während man die Kanadier schnell aus den Augen verlor, entwickelte sich zu den Moskauern eine besondere Beziehung. Schon zwei Jahre später waren sie erneut im Saarland, 1996 machte sich dann eine 51-köpfige Delegation aus Ottweiler auf den Weg ins 2478 Kilometer entfernte Moskau und nach St. Petersburg, darunter 28 Sänger des Liederkranzes Fürth . Es folgten weitere Besuche auf beiden Seiten, zuletzt zum 100. Chorgeburtstag in Fürth .

Beim Aufenthalt der russischen Sänger im Oktober 2002 wurde Gerhard Jochum zum Ehrenmitglied des Mephi-Chores ernannt. Ist doch die Chorfreundschaft vor allem sein Verdienst: "Er kümmerte sich um die vielen Kleinigkeiten und um den bürokratischen Hürdenlauf, den es damals zu überwinden galt", erinnert sich Ex-Ortsvorsteher Heinrich Schmidt. "Er ermöglichte die notwendigen Kontakte zur deutschen Botschaft in Moskau, erledigte Visaanfragen und ist bis heute Ansprechpartner sowohl für die Fürther oder Moskauer Seite."

Als Jochum im August seinen 80. Geburtstag feierte, kam natürlich auch Post aus Moskau. Neben Wünschen für "Gesundheit, Mut und Kreativität" enthielt das Anschreiben von Dirigentin Nadesha Maljawina und Präsidenten Michail Dmitrijew auch eine herzliche Einladung zum 60-jährigen Mephi-Bestehen. Aus diesem Anlass findet am 22. April 2017 auf der Bühne des Moskauer Konservatoriums ein Konzert statt. "Mit großem Vergnügen laden wir Sie, Ihre Angehörigen und Mitglieder Ihres Chores ein, dieses Ereignis zu feiern." So langsam geht es jetzt ans Organisieren. Denn "die Zeit läuft schnell", wie es die Gastgeber in ihrem Brief auf den Punkt brachten.