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Auf dem Tenschplatz
Der Maler- und Künstlertreff verliert sein Herz

Lisa Butz begeisterte mit ihren bunten, originellen Keramikarbeiten.
Lisa Butz begeisterte mit ihren bunten, originellen Keramikarbeiten. FOTO: Anja Kernig
Ottweiler. Die 30. Auflage des Maler- und Künstlertreff könnte zugleich die letzte gewesen sein. Organisatorin Monika Welter geht in Rente. Von Anja Kernig

Mittags war die Lage durchaus kritisch. Fing es doch leicht zu tröpfeln an – tödlich für eine Open-Air-Galerie mit Bildern wie denen von Ilse Haseloff, die im Laufe des Nachmittags unter den Blicken der Passanten eine Heidelandschaft mit Kreidestiften auf dem Papier entstehen ließ. Doch zum Glück besann sich das Wetter eines besseren und verschonte den Jubiläums-Markt mit jenem handfesten Regenschauer, der sich nicht weit entfernt entlud.


So wurde es eine rundum gelungene 30. Auflage des Maler- und Künstlertreffs auf und am Tenschplatz. Dank üppig blühender Robinien war das bunte Treiben passender Weise in zarten Duft gehüllt. Zu den 22 der größtenteils seit Jahren treuen Ausstellern gehörte auch Keramikerin Lisa Butz. Bei ihrem sechsten Einsatz präsentierte die Ottweilerin unter anderem Vogelfiguren und Blumentöpfe.

„Für mich ist die Arbeit mit Ton ein total wohltuender Ausgleich zur Büroarbeit“, erklärte die Angestellte. Die Preise, die nicht viel mehr als ihre Materialkosten abdecken, habe sie extra so niedrig kalkuliert: „Das Geldverdienen steht hier nicht im Vordergrund.“ Eher schon der Austausch mit den Besuchern und das Treffen von Bekannten – bei entspannt lässiger Live-Musik, die die Big Band der städtischen Musikschule unter Leitung von Karl-Gerd Schäfer auf hohem Niveau zu der gelungenen Veranstaltung beitrug.

Am Stand von Lisa Butz waren Tochter Milena Biesel und deren australischer Freund Dylon Shuttleworth fleißig am Zeichnen. „Es ist das erste Mal, dass ich eigene Sachen dabei habe. Sonst war ich immer zum helfen dabei“, erklärte die Anglistik- und Japanologie-Studentin. Viel Lob erhielt sie für ihre zarten Akt-Studien, die vor kurzem in einen sechswöchigen Vorbereitungskurs entstanden sind. Denn eigentlich möchte Milena Bildende Kunst studieren. Letztes Jahr hatte es mit der Zulassung noch nicht geklappt, aber die 21-Jährige Ottweilerin bleibt dran.

Ebenfalls ein Mutter-Tochter-Ding ist das kreative Hobby von Angelika Simon. „Unsere Tochter studiert in Mainz.“ Nach einem dreifachen Bruch des Sprunggelenks zog sie noch mal zu Hause ein. Um die leicht genervte Kranke etwas abzulenken, meldete Angelika Simon sie beide zu einem Schmuck-Kurs an. Seitdem fädelt sie mit Leidenschaft Ketten, Colliers und Armbänder, wobei der Name „quergedacht – selbst gemacht“ Programm ist.



Wen man auch fragte, alle waren begeistert vom Flair des Treffs, so auch Claudia Jäckle: „Es gibt rundum so schöne enge Gässchen, es ist richtig toll hier“, schwärmte die Pop-Art-Malerin.

Wenn es ganz schlecht läuft, wird es für die in Winterbach  bei St. Wendel lebende Freizeitkünstlerin, die gern mit Schwämmen und fächerartig gespreizten Pinseln arbeitet, das erste und letzte Mal auf dem Tenschplatz gewesen sein. Denn Organisatorin Monika Welter geht nächstes Jahr in Rente. Wie es dann personell weiter läuft, sei noch offen. „Ich weiß nicht, ob man den Maler-und Künstlertreff mit dem Rosenmarkt zusammenlegt“, nannte Monika Welter eine der möglichen Optionen. Dann allerdings müssten alle Beteiligten Standgebühr zahlen, was die Attraktivität mindern würde. Sie selbst hat diesen Treff immer mit viel Herzblut betreut. Am meisten vermissen wird sie wohl „die familiäre Atmosphäre“.