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„Der kleine Schriftverkehr“ fürs Ottweiler Schulmuseum

Blick in die Vergangenheit : Als man noch „hochachtend“ endete

„Der kleine Schriftverkehr“ fürs Ottweiler Schulmuseum: So übte man Bewerbungen, Briefe und Telegramme.

Eine Schrift mit 124 Seiten, im DIN-5-Format gefasst und mit dem Titel „Der kleine Schriftverkehr“ versehen, gelangte in den Bestand des Saarländischen Schulmuseums. Dafür ist der Familie Harth aus Ottweiler zu danken. Das Werk, das in zweiter Auflage vorliegt, hat einen Original-Broschur-Einband und enthält, wie es der Titel andeutet, Beispiele für den Schriftverkehr zu unterschiedlichen alltäglichen Anlässen. Die Beispiele illustrieren das Leben im Saarland der zwanziger Jahre des letzten Jahrhunderts. Leerseiten dienten der Übung und wurden, wie zu sehen ist, genutzt oder auch herausgetrennt. Mit dem Heft wurde vornehmlich in den zwanziger und dreißiger Jahren gearbeitet. Geübt wurde in deutscher und in lateinischer Schrift. Erstere war bis 1942 üblich, letztere ist heute weiter gebräuchlich. Verfasser der Schrift war Rektor Hahn. Für Druck und Verlag zeichneten die Gebrüder Hofer A. G., Saarbrücken, verantwortlich.

Vertieft man sich etwas in die Inhalte der Musterschreiben, wird offensichtlich, wie sich die Lebenswelten wandelten. Wollte man jemanden schnell andernorts informieren, so gab man ein Telegramm auf: „Anschluß an Schnellzug verfehlt! Komme Zug später, 9.30 MAX.“. An Whatsapp oder E-Mail und Internet war noch lange nicht zu denken, wenn auch die ersten Prototypen für den Computer in den vierziger Jahren entwickelt werden sollten, so die Mitteilung des Schulmusuems weiter.

Wollte damals ein Jugendlicher eine Ausbildung antreten, so hatte der „Knabe“ laut den Beispielen aus dem „Kleinen Schriftverkehr“ ein „Gesuch um die Lehrstelle“ an den Lehrherrn zu richten, verbunden mit der Hoffnung, dass diesem „Gesuch“ entsprochen werden kann. Einige Bezüge zum Schulalltag in der damaligen Zeit sind dokumentiert: In einem Schreiben an Hauptlehrer Arthur Herdegen berichtet der Familienvater von der Krankheit seiner Ehefrau. Er bat darum, die ältestete, schulpflichtige Tochter vom Schulunterricht zu befreien, damit diese die jüngeren Geschwister betreuen kann. An anderer Stelle geht es um ein Musterschreiben für eine Entschuldigung im Krankheitsfalle eines Kindes, wobei der Gruß am Ende mit „Hochachtend“ erfolgen sollte. Der „hochachtungsvolle Gruß“ blieb bis in die siebziger Jahre erhalten, gilt seitdem als antiquiert oder wird heute auf ironisierende Art und Weise verwendet.

Im Saarländischen Schulmuseum sind auf drei Etagen zahlreiche Quellen, Schriftgut, aber auch Gegenstände aus dem Schulalltag früherer Zeit, zu sehen – unter anderem Schiefertafeln, Schreibwerkzeug, Lederranzen, Schultüten und sogar zwei komplett ausgestatte Klassenzimmer. Eine außerordentliche Präsenzbücherei steht zur Verfügung, die von Forschenden genutzt wird. Zum Alltag im Museumsbetrieb gehören regelmäßig Leihanfragen großer Häuser in Hamburg, Berlin und München, denen oft nachgekommen werden kann. So werden Ottweiler Exponate in Ausstellungen gezeigt. In der Regel besuchen im Jahresverlauf etwa 5000 Schülerinnen und Schüler mit ihren Lehrkräften die außerschulische Bildungseinrichtung.

Getragen wird das Saarländische Schulmuseum von einer Stiftung. Stifter des Schulmuseums sind das Saarland, der Landkreis Neunkirchen, die Stadt Ottweiler und der Förderverein Saarländisches Schulmuseum Ottweiler. Es finanziert sich zu einem Drittel aus Landeszuschüssen, zwei Drittel müssen durch Eintrittsgelder und den Verkauf von Souvenirs erwirtschaftet werden – was aktuell nicht möglich ist. Insofern wird auch um Spenden gebeten. Ein Großteil der über 1000 Exponate hat Professor im Ruhestand Horst Schiffler zusammengetragen, der das Museum über Jahrzehnte leitete. Im Schulmuseum finden für die museale Arbeit generationsübergreifend 20 Personen zusammen, vorwiegend ehrenamtliche und nebenamtliche Kräfte und eine Museumspädagogin, die diese Aufgabe im Auftrag des Kultusministeriums wahrnimmt.

Die Beispiele des Schriftverkehrs illustrieren das Leben im Saarland der zwanziger Jahre des letzten Jahrhunderts. Leerseiten dienten der Übung. Das wurde in deutscher - aber auch in lateinischer Schrift. getan. Foto: Ralf Hoffmann

Besuche im Saarländischen Schulmuseum sind derzeit nicht möglich. Über die Wiedereröffnung wird beizeiten informiert. Informationen unter der Telefonnummer (06824) 4649, per E-Mail unter schulmuseum@handshake.de oder im Internet unter www.schulmuseum-ottweiler.net