Bezaubernd schräg und harmonisch

Bezaubernd schräg und harmonisch

Erstmals hat die Stadt Ottweiler bei der 15. Auflage von Spielstark den Theaterpreis vergeben. Der Preis ging an die Theaterperipherie aus Frankfurt am Main, die ihr Stück „Liebe“ zur Eröffnung des Theaterfestivals präsentiert hatten.

Sopran und Kontrabass, die höchste menschliche Stimmlage und das tiefste Streichinstrument - klingt das zusammen nicht schräg? Ein wenig, allerdings bezaubernd schräg und irgendwie trotzdem harmonisch.

Das bewiesen am Samstagabend Lisa Ströckens und Stephan Goldbach (beide selbst bezaubernd schräg und zusammen harmonisch) im Ottweiler Schlosstheater mit ihrem Programm "Lulu und die Heerscharen der Verfluchten". Nicht Schauspiel, sondern Musik gab es also zum Abschluss des Theaterfestivals Spielstark, allerdings mit stark theatralischen Zügen: Die Stücke und Texte, die das Duo präsentierte, wurden von Ströckens ausdrucksstark inszeniert.

In diesem Rahmen verlieh die Stadt Ottweiler (zusammen mit dem Saarbrücker Theater Überzwerg Veranstalter von Spielstark) auch ihren ersten Theaterpreis, mit dem sie Künstler des Festivals unterstützen und guten Ensembles einen Anreiz zur Teilnahme bieten will. Die Produktionen der Mitveranstalter wurden dabei nicht gewertet.

Wie der erste Beigeordnete Hans Peter Jochum, der Bürgermeister Holger Schäfer vertrat, erklärte, war die Jury mit theatererfahrenen Lehrern, Schülern und einem Stammbesucher besetzt - eine Delegation der Truppe erschien dann auch selbst auf der Bühne. Ihr Favorit: das Stück "Liebe ", das die Theaterperipherie aus Frankfurt/Main zur Eröffnung präsentiert hatte. "Alles, was Liebe ausmacht, ist da: Emotionen, Illusionen, Geschenke, Musik, Gespräche", so die Begründung. Dabei könne die Handlung trotz aller Überzeichnung und Ironie immer auf das reale Leben bezogen werden. Marcel Andrée nahm den Preis im Namen der Theaterperiphere entgegen: "Wir sind alle extrem geflasht."

Da Spielstark in diesem Jahr 15 Jahre alt wurde, blickte man zudem kurz zurück, ehrte die langjährigen Organisatorinnen Maria Pelzer und Monika Welter, sowie Bürgermeister a.D. Hans-Heinrich Rödle , der das Festival zusammen mit dem künstlerischen Leiter von Überzwerg, Bob Ziegenbalg, ins Leben gerufen hat. "Ich sagte damals, kümmer du dich ums Programm, ich kümmere mich ums Geld", erinnerte sich Rödle. Der Abschluss der 15. Ausgabe hielt noch ein paar köstliche Höhepunkte bereit, so die musikalische Verarbeitung eines Textes von Julia Engelmann, den Ströckens nach eigener Aussage zunächst gar nicht mochte: "Sie hat ihn in einer derart selbstbemitleidenden Haltung verfasst ... Wir mussten etwas Neues daraus machen, das ich das verkrafte." Mit sanft brummenden Tönen und einer warmen, wandelbaren Stimme ging es außerdem vom Barock bis in die Moderne, von Purcell und Bach bis zu Björk und Rage Against the Machine, sodass sich schließlich Stephan Goldbachs anfängliches Versprechen als so schlicht wie treffend erwies: "Wir machen verschiedene Musik."

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