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Bauern im Kreis Neunkirchen in Sorge wegen Trockenheit

Kostenpflichtiger Inhalt: Landwirte im Kreis Neunkirchen : Wegen der Trockenheit in großer Sorge

Der Vorsitzende des Kreisbauernverbands und seine Kollegen befürchten Ernteausfälle und Futtermangel.

Als Landwirt ist Georg Neufang in den vergangenen Jahren Kummer mit dem Wetter gewohnt, doch angesichts der anhaltenden Trockenheit bekommt er es nach eigenen Worten „langsam mit der Angst zu tun.“ Wenn es nicht in den nächsten acht bis 14 Tagen anhaltend regne, befürchten Neufang und seine Kollegen im Saarland erhebliche Ernteeinbußen und ein Mangel an Futter fürs Vieh.

Notwendig wäre ein warmer, länger andauernder Regen. Prasselnder Gewitterregen würde stattdessen auf dem knochentrockenen Boden einfach ablaufen. Der scharfe Ostwind hat die Trockenheit noch verstärkt. Hinzu kommt, dass es durch die Nachtfröste morgens noch extrem kalt war. „Dadurch mussten wir die Pflanzenschutzmaßnahmen ins späte Frühjahr verlegen“, erklärt der Vorsitzende des Kreisbauernverbands. Vor allem der Raps, der bereits lange Stängel ausgetrieben hatte, sei durch den Frost aufgeplatzt und biete dadurch eine Eintrittspforte für Pilze, berichtet Neufang. „Da mussten wir mit Fungiziden reagieren.“

Eigentlich sollte man meinen, dass der ausgiebige Niederschlag über die Wintermonate dem landwirtschaftlich genutzten Boden gut getan hat. Der war aber wiederum für Roggen und Weizen zu viel des Guten. Durch den Dauerregen gebe es nun extreme Pflanzenlücken. Bauer Neufang, der mit dem Wingertsweiherhof bei Ottweiler einen Familienbetrieb bewirtschaftet, sorgt sich auch um das Futter für seine 350 Rinder, darunter 120 Milchkühe. Der Vorrat sei fast aufgebraucht und eigentlich sei geplant, in der nächsten Woche die erste Silage aus dem jungen Gras zu erzeugen. Allerdings sei der Grasbestand sehr niedrig, weil es morgens so kalt sei. Und wenn das bisschen Gras jetzt gemäht wird und der Regen bleibt wieder aus, trocknet der Boden weiter aus. Nicht zu mähen ist auch keine Lösung, erklärt Neufang, da das Gras ohne Wasser verkümmert. Ähnlich sieht es beim Mais aus, der eigentlich nächste Woche gesetzt werden sollte. Zum Keimen wird‘s reichen, aber danach wird er wahrscheinlich vertrocknen, wenn kein Regen kommt. Extrem schwierig ist es mittlerweile auch, den Acker zu bearbeiten, weil der sandige Lehmboden steinhart geworden ist.

Zu den Sorgen wegen der Trockenheit kommen die wegen der Corona-Pandemie. So weit es geht die Kontaktbeschränkungen einzuhalten und gesund zu bleiben, ist in dem Familienbetrieb natürlich oberstes Gebot.

Wirtschaftlich bedeutet die bereits seit sechs Wochen geschlossene Gastronomie ein wegbrechender Absatzmarkt für Rindfleisch. Lag der Kilopreis vor ein paar Monaten noch bei 3,80 bis 3,90 Euro pro Kilogramm Rindfleisch (Handelsklasse R), so sei er bereits innerhalb kürzester Zeit auf 3,45 Euro gefallen. „Ich dachte, die Leute würden jetzt mehr selbst kochen und ihr Einkaufsverhalten entsprechend ändern“, sagt Georg Neufang. Sein Eindruck jedoch: Viele greifen zu Fertiggerichten, weil sie es nicht mehr gewohnt sind, mit frischen Zutaten selbst zu kochen. Relativ stabil seien derzeit die Milchpreise. „Hoffentlich bleibt das auch so.“