Barrierefreier Umbau des Bahnhofs Ottweilerkommt 2020 – mit faulen Kompromissen

Dauerthema Bahnhof Ottweiler : Barrierefreier Umbau des Bahnhofs 2020

Hochemotionale Sitzung des Bau-, Umwelt- und Sanierungsausschusses zum Dauerthema. Deutsche Bahn erneut in der Kritik.

„Maßlos enttäuscht“, ist Bürgermeister Holger Schäfer von der Deutschen Bahn. Und nicht nur er. Reihum ließen die Mitglieder des Bau-, Umwelt- und Sanierungsausschusses im Rathaus ihrem Frust mehr oder weniger freien Lauf. „Das ist arrogante Erpressung“, brachte es Klaus Gerhardt auf den Punkt. Was war passiert?

Bei der Sitzung galt es, eine Entscheidung pro oder contra Genehmigungsplanung zum barrierefreien Umbau der Bahnsteige am Bahnhof Ottweiler zu fällen. Vorgestellt wurde der aktuelle Stand von DB-Projektleiterin Edith Quinten und ihrem Kollegen Bernd Moritz. Lange diskutiert und lange überfällig, soll die Fußgängerbrücke 2020 mittels zweier Aufzüge für alle Bürger nutzbar gemacht werden. Um mobil eingeschränkten Fahrgästen einen trockenen Übergang vom Fahrstuhl zu ermöglichen, wird der Mittelbahnsteig jetzt doch auf 15 Metern überdacht. „Das wollten wir erst nicht“, wies Quinten mehrfach auf dieses Zugeständnis der Bahn AG hin. Für das Problem der unterschiedlichen Höhen fand sich ein Kompromiss: Hälftig wird er auf 76 Zentimeter angehoben, hälftig bleibt er bei 55 Zentimetern, ausgeglichen durch eine „leichte Schräge“.

Überraschend kam für die Zuhörer, dass der Aufzug auf Stadtseite ein Stück versetzt und über ein zusätzliches Podest mit der Brücke verbunden werden muss. Der Grund: just an der Stelle verlaufende Kabelstränge. Ein Unding für Schäfer, der sich fragt, warum man ein gemeinsames Ingenieurbüro hat, wenn doch nichts abgestimmt wird. Noch ungehaltener reagierte der Bürgermeister auf die Ankündigung, dass die Personenunterführung nicht gleich verfüllt wird, sondern vorerst nur geschlossen. Bis die Maßnahme, die nicht mehr als ein Wochenende in Anspruch nimmt, anläuft – „in späteren Jahren“, so Moritz – bleibt einer der beiden Aufgänge für Kontrollzwecke begehbar. Dieser Treppe prognostiziert Schäfer jetzt schon, die „Kloake von Ottweiler“ zu werden.

Der Grund für die ärgerliche Splittung liegt im Baurecht: Würde man beide Maßnahmen zusammen beantragen, summierten sich Erschütterungen, Lärm und Staubbelastung in einer Größenordnung, die ein Planfeststellungsverfahren erzwingen würden. Über diesem könnten drei bis vier Jahre ins Land gehen. Gleiches gilt für den Sachverhalt, der Verwaltung und Ausschussmitglieder am meisten aufregt: Laut Quinten wird der städtische Parkplatz neben dem Bahnhofsgebäude komplett zur „Baueinrichtungsfläche“ umfunktioniert, um Gerätschaften und Material zu lagern – praktisch für die beauftragten Baufirmen dank der unmittelbaren Nähe zur Baustelle, eine Zumutung für die täglich 80 bis 100 dort parkenden Bahnkunden.

Die Stadt hatte der Bahn diesbezüglich vorgeschlagen, mit der SGGT über eine Nutzung deren Lagerfläche zwischen Gleis und hinterer Bahnhofstraße zu verhandeln. Geht nicht, so die Antwort, es sei denn, man wolle, dass sich das Verfahren in die Länge zieht. Dass die Bahn ohne Nachzufragen einfach über eine städtische Fläche verfügt, brachte Schäfer vollends auf die Palme. Mangels Alternativen stimmte der Ausschuss letztlich einstimmig für die Genehmigungsplanung. Wobei man voraussetzt, dass eine Lösung für die wegfallenden Parkplätze zusammen mit der Bahn gefunden wird. Wie Moritz informierte, sei es üblich, dass die Baufirmen das Anmieten von Ersatzparkflächen finanzieren. Konsens besteht darüber, dass der jetzige einwandfreie Zustand des städtischen Parkplatzes im Anschluss an die Baumaßnahme durch die Unternehmen wiederhergestellt wird. Schäfers Schlusswort war auch ein versöhnliches: „Insgesamt bin ich froh, dass es los geht.“