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Hilfe im Alltag
Ausgleich für zerstörte Landschaft

Der Biologe Dr. Axel Didion freut sich über den Artenreichtum auf der vom Ökoflächenmanagement angelegten Flachlandmähwiese zwischen Schiffweiler und Ottweiler.
Der Biologe Dr. Axel Didion freut sich über den Artenreichtum auf der vom Ökoflächenmanagement angelegten Flachlandmähwiese zwischen Schiffweiler und Ottweiler. FOTO: Andreas Engel
Kreis Neunkirchen. Wenn Eingriffe in die Natur vorgenommen werden, muss es Ersatz für die verloren gegangene Fläche geben. Beispielsweise an der B 41. Von Solveig Lenz-Engel

Wer den ,,Trockenen Martin“ kennenlernen möchte, muss sich nicht im Kreis von Leuten umtun, die den Alkohol aufgegeben haben, sondern kann das Vorhaben mit einem wunderbaren Spaziergang im Umfeld des Windparkes Schiffweiler verbinden. Denn der ,,Trockene Martin“, eine Koch- und Dörrbirnensorte, ist einer der 60 Obstbäume, die von der Naturland Ökoflächenmanagement GmbH (ÖFM, siehe Info) auf einer rund zwölf Hektar großen Ausgleichsfläche im Umfeld der größen Räder gepflanzt wurden. Seit 20 Jahren gleicht die ÖFM als Dienstleister Schädigungen und Zerstörungen der Natur und Landschaft aus. Grund für unsere Zeitung, mit dem Biologen Axel Didion, wissenschaftlicher Mitarbeiter der Naturlandstiftung (NLS) und damit auch der ÖFM, vor Ort eines der Projekte im Landkreis kennenzulernen.


Ausgangspunkt der kleinen Wanderung, die auch für eher unsportliche Leute leicht zu bewältigen ist, ist der Parkplatz am Erdbeerland an der B 41 zwischen Schiffweiler und Ottweiler. Von dort kommt man auch zum Naturerlebnisweg Strietberg der Ortsgruppe Schiffweiler des Naturschutzbundes (Nabu), mit der das ÖFM-Team eng zusammengearbeitet hat. Nach wenigen Schritten steht der Spaziergänger vor einer bunten Blumenwiese, die Experte Didion als Flachlandmähwiese klassifiziert. Wo vor dem Windrad-Bau ein intensiv bewirtschafteter Acker war, erfreuen nun rund 30 Arten von Kräutern und Gräsern das Auge und die Tierwelt. In der Luft steht ein Turm- oder Rüttelfalke (so genannt wegen seiner rüttelnden Flügelschläge) und belauert wohl eine Maus, Feldgrillen zirpen und erzeugen das Gefühl, in eher südlichen Gefilden zu sein. Was der Laie einfach als ,,schön und harmonisch“ empfindet, ist für den Experten Didion ein Schatz für Wildbienen und andere Insekten. ,,Wenn Eingriffe in die Natur vorgenommen werden, muss es Ausgleich beziehungsweise Ersatz für die verloren gehenden Flächen geben. Hier ist die ÖFM einer der Anbieter und Experten in der Region“, so Didion, der mit dem Breitblättrigen Knabenkraut sogar eine Orchideenart in dem blühenden Gewirr ausfindig macht. Im Kreis Neunkirchen werden rund 90 Hektar Flächen auf 13 Gemarkungen von der ÖFM betreut. Doch zurück nach Schiffweiler zu den Windrädern. Dort wendet die ÖFM, für die örtliche Landwirte in Aktion treten, auch das eher unbekannte Heumulchverfahren an. Frisches Mahdgut, das von einer artenreichen, mageren Spenderfläche stammt, wird in Form einer Mulchdecke auf die Empfängerfläche aufgetragen. Nach dem Zersetzen des Mulchs keimen dann Samen und Wurzelstücke. Was auf einer großen Wiesenfläche schön zu sehen ist.

Der Mulch wurde nur streifenartig aufgebracht, auf diesen Streifen zeigen sich leuchtend die weißen Margeriten. Um einer Verbuschung der Flächen vorzubeugen, werden sie zwei Mal gemäht und das gesunde artenreiche Heu (ohne böses Jakobskreuzkraut) dient als Tierfutter. Neben des bunten Wiesen hat die ÖFM in der Nähe der Windräder insgesamt 3000 Gehölze wie Alleebäume, Hecken und 60 Obstbäume gepflanzt. Allerlei Vögel und anderes Getier finden dort Schutz. Der Naturerlebnisweg des Nabu mit seinen Informations- und interaktiven Stationen und die Flächen der ÖFM ermöglichen es, rund um die optisch eher wenig attraktiven, immer leise surrenden Energieerzeuger eine kostenlose Natur-Lehrstunde zu erleben.
Zur Struktur der Naturlandstiftung als 100prozentige Mutter der ÖFM: Vorsitzender ist der saarländische Umweltminister Reinhold Jost, Kurator Ludger Wolf, Geschäftsführer Eberhard Veith.



Die Ökoflächemanagement GmbH sorg dafür, dass die Natur trotz Windrädern und Hochspannungsmasten zu ihren Recht kommt.  .
Die Ökoflächemanagement GmbH sorg dafür, dass die Natur trotz Windrädern und Hochspannungsmasten zu ihren Recht kommt. . FOTO: Andreas Engel