ARD dreht für Komödie in der Reihe "Endlich Freitag" in Ottweiler

Dreharbeiten für „Villa Eva“ : ARD-Komödie spielt in Ottweiler Gassen

„Endlich Freitag im Ersten“: Ein Film für die Reihe ist mit mehreren Drehtagen derzeit in der Altstadt und im Kreis unterwegs.

Gut 30 Leute quetschen sich in das enge und kurze Ottweiler Gässchen nahe dem Schlosstheater. Der Mitsubishi-Pickup tuckert. Die Kamera wenige Meter hinter ihm ist startklar. Letzte Regie-Anweisungen für die beiden jungen Männer in dunklen Anzügen, die Bösewichter der Geschichte. Niemand darf mehr in das Sträßchen hinein. Dafür sorgen Herren in Warnwesten. Dann geht der Dreh los. Der Fahrer gibt auf den wenigen Metern ordentlich Gas, aus einer Einfahrt springt der eine Anzugträger hervor, starrt kurz dem Auto hinterher, dann in die Kamera. Sein Kollege kommt dazu. Ihre Gesichter sagen es: Sie haben ihr Ziel verpasst und stürzen davon. Dann das Ganze nochmal von vorne. Diesmal ist der Mitsubishi etwas langsamer. Die beiden Jungs professionell mit gleicher Mimik und Gestik. Beim dritten Anlauf für die Szene kommen die Zwölf-Uhr-Glocken dazwischen. Kurze Zwangspause. Wieder braust der Wagen davon, die Bösewichter haben ihren Einsatz.

Die beiden jungen Männer spielen Iraner, die einer Gräfin auf den Fersen sind, flüstert Andrea Etspüler, Unterhaltungschefin beim Saarländischen Rundfunk, während die Anzugmänner ihren Auftritt nochmal hinlegen, diesmal aus der Perspektive des davonfahrenden Pickups. Die SR-Redakteurin ist stolz auf das Projekt: Erstmals sei es gelungen, das Saarland zum Drehort für eine Komödie in der ARD zu machen. In der Reihe „Endlich Freitag im Ersten“. Leichte Kost zur besten Sendezeit. „Villa Eva“ lautet der Arbeitstitel des Fernsehfilms mit Eleonore Weisgerber und Reiner Schöne in den Hauptrollen. Zu sehen ist er voraussichtlich im Herbst 2019. Die „ProSaar Medienproduktion“ dreht im Auftrag des SR und der ARD-Tochter „Degeto Film“.

Und das Drehen ist um diese Jahreszeit nicht mehr richtig gemütlich. Es ist etwas kalt an diesem Dienstagmittag in der Ottweiler Altstadt. Immerhin hat sich der Regen vom Morgen verzogen. Der Filmtross bewegt sich nach den Aufnahmen auf den Parkplatz hinterm Schlosstheater. Dort stehen graue Lastwagen mit Berliner und Münchner Kennzeichen wie eine Wagenburg zusammen. Zeit zum Mittagessen. Schauspieler und Team sitzen unter Pavillons. Regisseur Michael Riebl hat auf einer Bank am Rand Platz genommen, die Füße in einer Pfütze. Pures Vergnügen kann das nicht sein. Kurz was essen, dann steht er zum Interview bereit. Von einem super Team und einer tollen Gegend spricht der Österreicher. Wie es sich gehört bei Filmproduktionen. In Saarbrücken habe er eine schöne Wohnung für die Zeit der Dreharbeiten bekommen. Bis 6. Dezember soll die „Villa Eva“ im Kasten sein. 21 Drehtage sind es insgesamt. „Leider nur 21“, sagt der Regisseur. Das Team kämpfe um jede Minute Tageslicht. Gutes Wetter ist also fast schon Pflicht. Ottweiler ist mit vier Drehtagen und zwei weiteren auf Wald und Feld des Stadtgebietes ein wichtiger Part des Unternehmens. Die Villa, um die es in der Geschichte geht, steht allerdings im Raum Homburg. Ottweiler, Homburg, Wörschweiler - der Kreis Neunkirchen und der Saarpfalz-Kreis bieten den Hintergrund für die 90-Minuten-Komödie.

„Villa Eva“: Die Geschichte dreht sich rund um ein herrschaftliches Haus, das Gräfin Eva Marie-Luise von Aspach-Ney (Eleonore Weisgerber) von ihrem Vater geerbt hat. Mit ihr lebt dort eine bunte Kombo, angefangen beim Hausmädchen über Ehemann, Köchin, Journalist, Arzt, Anwalt bis hin zu Gästen. Dummerweise ist die Gräfin klamm und muss sich mit einem verflossenen Liebhaber (Reiner Schöne) auseinandersetzen. Zwei Liebesgeschichten und eine existentielle Bedrohung kündigt der SR an.

Direkt vom Mittagstisch weg stehen auch die beiden Protagonisten Weisgerber und Schöne fürs Pressegespräch zur Verfügung. Eleonore Weisgerber hat sich für ihre 71 Jahre ein unverschämt junges Gesicht bewahrt. Die raue Stimme ist dazu ein spannender Kontrast. Sie erzählt auf Journalistennachfrage - auch das, wie es sich zu solchen Anlässen gehört - erst ein wenig über die Rolle, ehe es ums Regionale geht. Die gebürtige Wiesbadenerin kann auf eine spannende Filmbiografie verweisen. Unter anderem drehte sie mit der französischen Regisseur-Ikone Claude Chabrol. Das Saarland kenne sie: „Ich war ein paar Mal in Saarbrücken beim Max-Ophüls-Festival.“ Man könne hier - nahe an Frankreich - gut essen. Und die Saarländer hätten ihrem Eindruck nach Spaß, hier zu leben. Auch Reiner Schöne, 76, äußert sich freundlich. Ebenfalls in Berlin beheimatet und ebenfalls mit einer beeindruckenden Film-Vita im Rücken (er drehte unter anderem mit Clint Eastwood „Im Auftrag des Drachen“), erzählt er von dem Bart, den er sich für die grantige Rolle hat wachsen lassen. Seine zwölfjährige Tochter finde den im Gegensatz zu Frau und zweitem Kind hässlich. Einiges Geplauder, dann geht es für die beiden weiter im Programm. Das Tageslicht ist rar - und soll Ottweiler ja schön in Szene setzen in der ARD-Komödie „Villa Eva“.

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