Alte Apotheke ist eine Außenstelle des Stadtmuseums Ottweiler

Museumsserie : Eintauchen in alte Geheimnisse der Heilkunst

Am 24. Mai 1997 hat die Museumsapotheke als Außenstelle des Stadtmuseums Ottweiler eröffnet. Das Inventar ist aus dem Jahr 1911.

Es ist toll, dass wir der Apotheke einen musealen Charakter verliehen haben. Aber ich bin mir auch der Verantwortung bewusst, all das zu erhalten, und frage mich, was einmal sein wird, wenn wir nicht mehr sind“, sagt Dorothea Hamma, Apothekerin aus Ottweiler. Ihr Blick schweift über die Regale. Sie öffnet alte Gefäße und Schubladen, ist überrascht, was an Schätzen in der Apotheke liegt. Eröffnet wurde die Alte Apotheke als Außenstelle des Stadtmuseums Ottweiler am 24. Mai 1997. Sie selbst, erzählt sie, hat kaum Erinnerungen an die alten Verkaufsräume. Die Apotheke ihres Großvaters ist im Jahr 1957 in den Anbau verlegt worden – die alte Jugendstileinrichtung verschwand –, ein Reformhaus hielt Einzug.

Doch zum Glück haben die Hammas das alte Mobiliar und die vielen Gefäße und Utensilien aufbewahrt. Geschaffen haben sie damit gemeinsam mit dem Museumsverein ein kleines, aber feines Museum, das in erster Linie wegen seiner Einmaligkeit besticht. Vor allem Apotheker, aber auch Menschen, die sich für Heilkunde interessieren, können dort eintauchen in eine ganz außergewöhnliche Ausstellung.

Die dunklen, schweren Jugendstilmöbel mit den Intarsien aus Perlmutt und Ebenholz, dazu die vielen Flaschen und Dosen aus Holz, Ton und Glas, alte Waagen und Mörser und selbst der Topf, in dem die Blutegel aufbewahrt wurden, – sie alle vermitteln ein beeindruckendes Gesamtbild einer längst vergangenen Zeit. Die Museumsapotheke in Ottweiler aus dem Jahr 1911 gehört zum Stadtmuseum Ottweiler, hat sich ganz der Geschichte des Apothekenwesens verschrieben. Über das Thema referiert Klaus Burr, Schriftführer des Stadtgeschichtlichen Museums Ottweiler. Aber nicht nur, weil er sehr geschichtsinteressiert ist, sondern, wie er verrät, weil seine Mutter viele Jahre in der Adler Apotheke gearbeitet hat und er eine enge Verbundenheit empfindet. Das Interesse am Apothekenwesen eint Dorothea Hamma und Klaus Burr. Bei einem Besuch haben beide unendlich viel zu erzählen.

Burr nimmt die Besucher dabei mit auf eine Reise in die Vergangenheit. Denn das Apothekenwesen in Ottweiler ist viel älter als die Alte Apotheke Ecke B 41/Saarbrücker Straße. Bereits zu Zeiten des Klosters Neumünster gab es vermutlich einen Klostergarten, der die Bewohner mit Heilkräutern versorgte. Im Jahr 1601 wurde durch Graf Philipp III. von Nassau-Saarbrücken eine Medizinalordnung erstellt, die erstmals die Apotheker schützte, weitere rechtliche Grundlagen stammen aus dem 18. Jahrhundert. Die Lehre zum Apotheker, erläutert Burr, glich der eines Handwerksmeisters, allerdings waren Lateinkenntnisse erforderlich. Die erste private Apotheke eröffnete in Ottweiler im Jahr 1718, Inhaber war Johann Philipp Heinrich Chevalier. Er verkaufte die Apotheke an den Apotheker Wölffling. Dieser erhielt schließlich im Jahr 1721 das Privileg zum Führen einer Apotheke. Somit kann die erste privilegierte Apotheke der Saargegend in Ottweiler dokumentiert werden.

Nach und nach siedelten sich weitere Apotheken in Ottweiler an, durch einen Tausch schließlich wurde im Jahr 1911 aus dem ehemaligen Schulhaus die Adler Apotheke an der Bliesbrücke. Johann Fritz Neuhaus aus Essen baute das Gebäude im Jugendstil aus und schaffte so ein Schmuckstück in Ottweiler. Die Apotheke ging im Jahr 1929 an den jüdischen Geschäftsmann Paul Leopold Heimann über. Dieser verkaufte das Anwesen im Jahr 1933 an den aus Metz stammenden Franz Hamma, den Großvater von Dorothea Hamma.

Seither ist die Adler Apotheke Eigentum der Familie. Dorothea Hamma könnte sich keinen anderen Beruf vorstellen. Schon als Kind, erinnert sie sich, hat sie mit Etikettenkleben angefangen, sich hier durch großen Perfektionismus ausgezeichnet. Während sie in der Jugendstileinrichtung in die Vergangenheit eintaucht, geht es in ihrer benachbarten Apotheke hochmodern zu. „Früher waren vor allem die Handwerkskünste bei den Apothekern gewünscht, heute haben wir viele Hilfsmittel zur Verfügung. Aber auch das ist gut so“, sagt sie. Sehr gern nimmt sie das alte Brett, auf dem früher Pillen gedreht wurden, für ein Foto zur Hand. Sie selbst musste im Rahmen ihres Studiums noch Pillen selbst anfertigen. Neben der Medizin, erzählt Dorothea Hamma, gab es in der Apotheke früher schon Tee und Kräuter. Zur Adler Apotheke gehörte ein Arzneipflanzengarten. Der Stein mit der lateinischen Inschrift „contra vim morbis non est herbula in hortis“ (gegen der Todes Macht ist kein Kraut gewachsen), der das Tor schmückte, ist heute am Eingang ihrer Apotheke zu bestaunen.

Ebenfalls mehr als einen Blick wert ist das schillernde, wandfüllende Mosaik im Eingangsbereich. Es zeigt die Schutzpatrone St. Cosmas und St. Damian. Beide haben im vierten Jahrhundert den Märtyrertod erlitten. Auf alle Fälle sollten Besucher Zeit mitbringen, wenn sie die Alte Apotheke in Ottweiler besuchen – zu entdecken gibt es viel.

Alle Serienteile finden sich im Internet:

Der Stein lag ehemals auf dem Tor zum Kräutergarten der alten Apotheke (Foto links). So sah es früher von außen aus (Foto rechts). Foto: Merkel Carolin/Carolin Merkel
Dorothea Hamma zeigt ein altes Mikroskop aus der Apotheke, die einst ihr Großvater betrieb. Foto: Merkel Carolin/Carolin Merkel
Schon von außen ein kleines Schmuckstück ist die Museumsapotheke in Ottweiler mit ihrer jahrhundertealten Geschichte. Foto: Merkel Carolin/Carolin Merkel
Pharmazie-Nostalgie – alte Medikamentenverpackungen können im Ottweiler Museum auch noch besichtigt werden. Foto: Merkel Carolin/Carolin Merkel
In jeder Ecke gibt es etwas zu entdecken. Foto: Merkel Carolin/Carolin Merkel
So wurden die Blutegel aufbewahrt. Foto: Merkel Carolin/Carolin Merkel
Die Einrichtung der Apotheke stammt aus dem Jahr 1911. Foto: Merkel Carolin/Carolin Merkel

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