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Ärger bei Ottweiler Bahnkunden
„Ottweiler hat sein Wort gehalten“

Steil hinauf bzw. hinunter geht es an der neuen Fußgängerbrücke über die Gleise am Bahnhof in Ottweiler. An der Bauweise und vor allem an den fehlenden Aufzügen entzündet sich die Kritik der Bürger.
Steil hinauf bzw. hinunter geht es an der neuen Fußgängerbrücke über die Gleise am Bahnhof in Ottweiler. An der Bauweise und vor allem an den fehlenden Aufzügen entzündet sich die Kritik der Bürger. FOTO: Andreas Engel /
Ottweiler. Kritik an Informationspolitik der Deutschen Bahn. Bahnhofsumbau von April bis Oktober 2020 geplant. Von Heike Jungmann

Mit unangenehmen Fragen und heftiger Kritik sind die Vertreter der Deutschen Bahn und des saarländischen Wirtschaftsministeriums am Mittwochabend im Schlosstheater konfrontiert worden. Eingeladen zu dieser Informationsveranstaltung über den barrierefreien Ausbau des Ottweiler Bahnhofes hatte die DB Station & Service AG. Moderiert wurde die „frühe Öffentlichkeitsbeteiligung“ von Bürgermeister Holger Schäfer (CDU), der ebenfalls nicht mit Kritik an der Vorgehensweise der Bahn hinterm Berg hielt. Denn aus der begrüßenswerten Initiative, den Bahnhof Ottweiler zu modernisieren und barrierefrei auszubauen, wurde aufgrund der zeitlichen Verzögerung des Großprojekts ein Ärgernis für viele Ottweiler Bürgerinnen und Bürger. Sie müssen auf versprochene Aufzüge an der neuen Brücke zwei Jahre warten.


Insgesamt 4,1 Millionen Euro sollen für die Modernisierung des Verkehrsknotenpunkts in die Hand genommen werden. 1,5 Millionen Euro trägt das Land, den Rest die Deutsche Bahn. Für dieses Geld soll der Bahnhof, der am Tag von 1300 Kunden genutzt wird, nach den Worten von DB-Projektleiterin Edith Quinten „in jeglicher Hinsicht barrierefrei erschlossen werden“. Also sowohl für gehbehinderte als auch sehbehinderte Menschen, etwa durch ein spezielles Leitsystem. Außerdem sollen ein 15 Meter langes Dach und Windelemente an den Seiten am Gleis gebaut werden, um den Wartekomfort zu verbessern. Als Knackpunkt erwies sich jedoch die notwendige Angleichung der beiden Gleise, die unterschiedliche Höhen aufweisen. Das Bahnsteighöhenkonzept sei zwischenzeitlich bundesweit diskutiert worden, begründete die Projektleiterin die zeitliche Verzögerung. Erst als man sich für die Ottweiler Gleise auf eine Höhe von 55 Zentimetern geeinigt habe, sei der Planungsstopp aufgehoben worden. „Schneller ging es halt nicht“, sagte Quinten. Nicht die DB Station & Service AG, sondern das Bundesverkehrsministerium sei wegen der unterschiedlichen Auffassung über die Höhe der Bahnsteige für die Verzögerung von nunmehr zwei Jahren verantwortlich. Als Zeitfenster für die Bauarbeiten gab Quinten April 2020 bis Oktober/November 2020 an. Für Reisende werde es in der Bauzeit zu Einschränkungen und Lärmbelästigungen kommen. Mit Provisorien an den Gleisen soll erreicht werden, dass die Bahnkunden zu ihren Zügen kommen. Im Übrigen soll die wenig einladende Unterführung verfüllt werden.

An dieser Planung ist offenbar nicht zu rütteln. Aber für Bürgermeister Schäfer stellt sich trotzdem die Frage, warum die versprochenen Aufzüge an der neu gebauten Brücke nicht vorgezogen werden können. „Natürlich“ fände das auch die Projektleitung gut. Allerdings, so schränkte Edith Quinten ein, sei die Priorisierung der Aufzüge ein logistisches Problem. Und ein finanzielles, wie Piedad Fernandez-Hoffmann vom saarländischen Wirtschaftsministerium sagte. „Wir verstehen den Ärger der Menschen.“ Aber ein vorgezogener Einbau der Aufzüge würde „doppelt so teuer“, und das Land müsste das Betriebsrisiko tragen. Beim planmäßigen Einbau der Aufzüge in zwei Jahren wird das Bahnhofsmanagement für deren Betrieb verantwortlich sein, sagte dessen Leiter Martin Landegl.



Der Ortsvorsteher von Ottweiler Michael Schmidt kritisierte vor allem die Informationspolitik der Deutschen Bahn. „Wenn wir gewusst hätten, dass sich alles so verzögert, hätten wir nie im Leben die Empfehlung an den Stadtrat gegeben, die Rotunde abzureißen.“ Ein Vorwurf, den die Projektleiterin nicht entkräften konnte. „Das hat uns nicht gefallen. Der Bürgermeister hat Wort gehalten, wir leider nicht“, sprach sie den Bau der Fußgängerbrücke an. Diese Brücke, die die Stadt Ottweiler für 1,3 Millionen Euro gebaut hat, verbindet Ottweiler-Zentral mit dem Stadtteil Neumünster. Sie wurde im Oktober für ein paar Tage gesperrt, um Mängel zu beseitigen. Nicht zufrieden sind etliche Bürger mit der Konstruktion des Bauwerks. Die Treppenstufen werden als sehr kurz und die Treppe an sich als sehr steil empfunden. Der Bürgermeister betonte, dass die Brücke der deutschen Norm entspreche.