| 20:28 Uhr

Premiere ein Erfolg
Solidarisch gegen Gewalt an Frauen

 Mit Leidenschaft tanzten Groß und Klein beim Flashmob im Saarpark- Center Neunkirchen.
Mit Leidenschaft tanzten Groß und Klein beim Flashmob im Saarpark- Center Neunkirchen. FOTO: Jörg Jacobi
Neunkirchen . „One Billion Rising“ Flashmob: 80 Mädchen, Frauen und ein paar Männer tanzten in Neunkirchen. Von Anja Kernig

Arme zackig nach oben und bogenförmig senken, mit den Finger schnipsen, einen kleinen Kreis gehen, Step links, Step rechts und so weiter und so fort. Gut, wer schon ein bisschen geübt hatte für den Flashmob „One Billion Rising“. Wobei letztlich weder Perfektion noch Synchronität zählten, sondern allein dabei zu sein und Spaß zu haben. Etwa 80 Mädchen, Frauen und sogar einige Männer waren der Einladung der Gleichstellungsbeauftragten des Landkreises Neunkirchen und der Kreisstadt Neunkirchen, Heike Neurohr-Kleer und Annette Pirrong, sowie dem Frauenhaus Neunkirchen gefolgt. In ihren roten Shirts tanzten sie zusammen im Saarpark-Center eine halbe Stunde gegen Gewalt an Frauen und Mädchen – die erste Aktion dieser Art in Neunkirchen und gleich ein super Erfolg, strahlte Annette Pirrong. „Mit so vielen Teilnehmern hatten wir nicht gerechnet. Wir sind sehr zufrieden.“ Am Valentinstag wurde bei zig tausenden Veranstaltungen in 190 Ländern getanzt. „Die Solidarität und gemeinsame Kraft hat man richtig gespürt.“


Mit der Tanzwerkstatt Susanne Sprung war Seline Kolling dabei: „Ich hatte vorher gar nicht so viel von dieser Aktion mitbekommen.“ Für die 16-jährige Schülerin sei es keine Frage gewesen, mitzumachen: um „ein Zeichen zu setzen“. „One Billion Rising“ (Eine Milliarde erhebt sich) ist eine weltweite Kampagne, die für ein Ende der Gewalt gegen Frauen und Mädchen und für Gleichstellung wirbt. Sie wurde im September 2012 von der New Yorker Künstlerin und Feministin Eve Ensler ins Leben gerufen. Die eine „Milliarde“ deutet auf eine UN-Statistik hin, nach der eine von drei Frauen in ihrem Leben entweder vergewaltigt oder Opfer einer schweren Körperverletzung wird. Der Gema freie Song „Break the Chain“ (Zerbrich die Ketten) von Tena Clark wurde von verschiedenen Sängerinnen und in mehreren Sprachen aufgenommen und gilt als gemeinsame Hymne der Kampagne. Eine der ältesten Teilnehmerinnen in Neunkirchen dürfte Ruth Schmidt gewesen sein. Die 78-Jährige war zusammen mit vier weiteren Mitgliedern der Sakralen Tanzgruppe Wustweiler ins Center gepilgert. Zweimal habe man die Choreographie im Vorfeld geübt. Aufmerksam geworden waren sie durch die Zeitung, erzählen ihre Begleiterinnen Gerad Groß und Alexa Hecker. „Dann wurde die Gruppe aktiviert.“ Nein, groß Überwindung habe es überhaupt nicht gekostet, hier vor wildfremden Menschen die Hüften zu schwingen, schütteln die Damen unisonso die Köpfe. „In so einer großen Gruppe fällt man ja nicht auf.“ Noch schöner wäre es gewesen, draußen auf dem Stummplatz im Sonnenschein zu tanzen - vielleicht ein Tipp fürs nächste Jahr. Zumal es drinnen schon tüchtig eng geworden war. „Nächstes Mal machen wir wieder mit“, kündigte Ruth Schmidt an. „Sonst“, so Alexa Hecker, „ wird es nie besser.“ Die Organisatorinnen dürfte das freuen. Wobei für Heike Neurohr-Kleer und Annette Pirrong nach der gelungenen Premiere ohnehin schon feststeht: „Ab jetzt tanzen wir jedes Jahr am 14. Februar gemeinsam.“