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Neunkircher Kolumne zur Liebe in Zeiten von Corona

Kolumne Neunkircher Woche : Liebe in Zeiten von Corona

Am Donnerstag ging noch der bange Blick nach oben: Kommt sie oder kommt sie nicht? Storch AV 723 wartete schon seit Tagen in der Ottweiler Bliesaue auf die Ankunft einer Storchendame. Und mit ihm Gerd Wehlack, Hobbyfotograf und Storchenfreund aus Schiffweiler.

Am Freitag dann die beglückende Nachricht von einem Spaziergänger, der tatsächlich einen zweiten Storch – höchstwahrscheinlich die Storchendame mit der Ringnummer AJ 851 – am Horst in der Bliesaue gesichtet hat. „Das gebbt mir jetzt käh Ruh meh“, sagte sich Gerd Wehlack und fuhr schnurstracks mit seiner Kamera durch den Regen nach Ottweiler, um per Zoom einen Blick auf das beringte Storchenbein zu werfen. Vielleicht, so hoffte er insgeheim, könnte er das flirtende Paar sogar beim Turteln fotografieren. Ganz diskret und mit gehörigem Abstand, versteht sich.

Liebe in Zeiten von Corona – für Storchenpaare kein Problem. Sie schnäbeln lautstark klappernd, ohne sich um irgendwelche lästigen Viren zu kümmern. Sie kuscheln im heimeligen Horst miteinander, allen Abstandsregeln zum Trotz. Sie ignorieren sogar die Quarantäneverordnung, auch wenn die Partnerin justament aus einem Hochrisikogebiet angereist ist. Das Restaurant vor der Haustür hat 24 Stunden geöffnet, Leckereien á la française (ich sage nur Froschschenkel) inklusive.

Und wenn dann der Klapperstorch seinem Ruf alle Ehre gemacht hat und das Nest voller Küken ist, beginnt eigentlich schon das Homeschooling. Mama und Papa Storch pfeifen auf einen guten Internetempfang und machen mit ihrem Nachwuchs ganz analog ein Paar Flugstunden. Ziel: ein ganz doller Urlaub irgendwo am Meer. Storch müsste man sein.