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Neunkircher begegnen dem Insektensterben
Viele Ideen gegen das Insektensterben

Neunkirchen. Arbeitsgemeinschaft der Bürgerinitiative Neunkirchen Stadtmitte sammelt Vorschläge, was in der Stadt gemacht werden kann. Von Michael Beer

Wie groß das Insektensterben derzeit tatsächlich ist, scheint mehr ein politisches denn ein wissenschaftliches Thema. Wer etwa bei der Naturschutzorganisation BUND nach Informationen sucht, liest dabei auch, wie unterschiedliche Interessensgruppen ähnlich wie seinerzeit beim Klimawandel das Phänomen kleinreden. Die Frage etwa nach der Schädlichkeit des Pflanzenschutzmittels Glyphosat berührt ja nun mal handfeste wirtschaftliche Interessen. Eine Arbeitsgruppe der Bürgerinitiative Neunkirchen Stadtmitte, kurz Bins, hält sich mit solchem Gezerre gar nicht erst auf. Sie macht sich für eine insektenfreundliche Stadt Neunkirchen stark. Am Montagabend trafen sich zehn wackere Mitstreiter, um die ersten Schritte zu besprechen. Ohne lange Vorreden moderierte Helmut Lembach die kleine Runde im Kommunikationszentrum in der Kleiststraße.


Alle zwei Jahre ruft die Initiative den Wettbewerb Neunkircher Wohlfühloasen aus. Sie hat unter anderem am Oberen Markt Beete bepflanzt und die Blumenkästen an der Bliespromenade initiiert. Eine lebenswerte Stadt ist ihr ein zentrales Anliegen. Unterstützung erhält die Bins von der Sparkasse Neunkirchen und dem Stadtteilbüro. Im Zusammenhang mit dem Wettbewerb städtischer Oasen kamen die Aktivisten auch auf das Thema Insekten. Und als bei der jüngsten Preisverleihung der Wohlfühloasen die Mädchengruppe Powergirls im Rahmenprogramm einen Bienentanz aufführte, war die Sache klar für die Initiative.

Was lässt sich in Neunkirchen für Insekten tun? Fünf Ideen hat die Runde im Komm diskutiert. Blühende Wiesen lassen sich an verschiedenen Orten einrichten. Ob am alten Friedhof auf der Scheib, im Hüttenpark, hinter dem Ellenfeld-Stadion, in Bereichen des Wagwiesentals oder an der Ringstraße, Ecke Parallelstraße, es gab einige Vorschläge, die mit den Eigentümern, insbesondere der Stadt, besprochen werden sollen. Elisabeth Schmitt sprach auch von  Bäumen und Sträuchern wie dem Tausendblütenbaum, die die Initiative pflanzen könnte, weil Blumenwiesen nicht über das ganze Jahr als Nahrungsquelle dienen. Darüber hinaus besprach die Runde den Vorschlag, auf Festen Tütchen mit Samenmischungen zu verteilen, um möglichst viele Menschen in der Stadt zum Mitmachen zu bewegen.



Ein weiterer Gedanke: Wildbienen-Hotels bauen. Wie in ehrenamtlichen Runden üblich, war der Altersschnitt im Komm insgesamt 50 plus. Allerdings saß auch ein Schüler mit blauer TuS-Wiebelskirchen-Jacke im Raum. Mit vielen Ideen: Im Rahmen des Viertelfestes könnten die Insektenfreunde den Selbstbau von Bienenhotels anbieten. Das Material dazu, ergänzte Friedemann Thinnes, ließe sich ohne großen Aufwand zusammentragen.

Neben dem Ausbau von Blumenwiesen, dem Verteilen von Samen und Wildbienenhotels sprach die Runde auch über urbane Honigbienenhaltung und das Phänomen Lichtverschmutzung. Die vielen Lichtquellen in den Städten stellen für verschiedene Tiere eine Belastung dar. Die moderne LED-Technik ist dabei ein Schritt in die richtige Richtung, weil sie Insekten nicht in dem Maße anzieht wie die alten Leuchtstoffe. Wie wäre es, die Lichtstärke zu reduzieren, wo wenig Leute unterwegs sind, fragte Ellen Cornely. Dass Honigbienen und andere Insekten nicht überall auf offene Arme stoßen, zeigte der Abend auch. Einen Teil des Nachbarschaftsgartens in der Röntgenstraße zur Insektenwiese umzugestalten, traf etwa bei Franz-Josef Koob auf Widerstand. Es gebe auch Leute, die allergisch auf Stiche reagierten.

Insekten bestäuben Pflanzen, sie beseitigen Aas, sie dienen als Nahrung für Vögel, deren Rückgang in unseren Breiten auch beklagt wird. Für unser Ökosystem sind sie extrem wichtig. Jenseits großer Konzerne, die Geld mit dem Vertrieb zweifelhafter Produkte verdienen, sind auch moderne Gärten, die vorwiegend aus Steinformationen bestehen, ein Insektenkiller. Möglichkeiten, neue Lebensräume zu schaffen, gibt es durchaus. Die Arbeitsgruppe der Bürgerinitiative Neunkirchen Stadtmitte will ihren Beitrag leisten. Das hat sie am Montag im Komm schon mal gezeigt.

Das nächste Treffen der Arbeitsgruppe ist am Montag, 10. Dezember, 17 Uhr, im Kommunikationszentrum in der Kleiststraße. Weitere Mitstreiter sind willkommen.