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Zwischen Melancholie und Hoffnung

Neunkirchen. Ihr Markenzeichen ist ihre raue, unverwechselbare Stimme. Anne Haigis gastierte jetzt im Rahmen ihrer Deutschlandtour in der Stummschen Reithalle in Neunkirchen. Mal mit sehnsuchtvollen, mal mit politischen Songs begeisterte die 59-Jährige ihr Publikum. Das Fazit vieler Fans lautete denn auch: „Ein geiles Konzert“. Jens-Peter Meiser

Wenn Anne Haigis die Bühne betritt, sich ihre Gitarre schnappt und mit der rauen, unverwechselbaren Stimme ihre musikalische Idee zwischen melancholischem Blues und hoffnungsvollem Folkrock durch den Raum fließen lässt, dann fühlt man sich ein wenig wie hypnotisiert.

Den Durchbruch im deutschsprachigen Raum schafft die "sensible Powerlady" in den 80ern mit Hits wie "Kind der Sterne" oder "Indigo". Ihre Wurzeln liegen aber im amerikanischen Folk, Rock und Blues, zu dem sie in den 90ern zurückfindet. So sammelt Haigis mit der Zeit etliche Songperlen, wie sie sagt: "Songs, die mir einfach ans Herz gewachsen sind."

Dass sie während ihrer Deutschlandtournee auch Neunkirchen besucht, ist eine Selbstverständlichkeit. "Es gibt Läden, in die ich seit vielen Jahren immer wieder komme."

Die Stummsche Reithalle "ist so einer". Unterwegs ist Haigis im Rahmen der Tour mit einer "Mädchenband". Ina Boo begleitet die Sängerin sowohl an der Gitarre oder am Piano als auch gesanglich und bringt dabei ihren eigenen Stil mit ein.

Im Publikum sitzen zumeist Leute im mittleren Alter, denen vor allem die Deutschrockzeit in Erinnerung geblieben ist, die die Texte von damals auswendig mitsingen; die Haigis aber durch ihre späteren Titel immer wieder mitreißen kann.

Ihre Musik ist zeitlos. Sie zelebriert das Leben. Sie lebt vom Publikum, das beherzt und lautstark "Lalalalalala Life is. . .wonderful" mitsingt. Sie erklärt feinsinnig die Unterschiede und Gemeinsamkeiten der beiden Geschlechter: "Um den Frauenblues zu verstehen, muss man zuerst den Männerblues verstehen".

Sie ist aber auch sehnsüchtig, bewegt sich am Abgrund der Verzweiflung, wenn die Sängerin im Trude-Herr-Cover "Nacht aus Glas" das Mikrofon wegschiebt und "Da ist niemand, der mich hört" in die Halle schreit. Und sie ist politisch, wenn sie in Tony Careys "No Mans Land" über den Schrecken des Krieges spricht.

Mit dabei sind außerdem Songs vom immer noch aktuellen Album "Wanderlust" wie beispielsweise "Out of Rain", die nicht weniger ergreifen, nicht weniger inspirieren und den älteren in nichts nachstehen.

Anne Haigis wird in diesem Jahr 60 Jahre alt. Nichtsdestotrotz ist sie immer noch voller Liebe für genau diese Art von Musik, die sie seit mehr als 30 Jahren im Herzen trägt. Sie schafft es nach wie vor, genau den Nerv zu treffen, der die Menschen bewegt. Und legt immer noch ein "geiles Konzert" hin, sind sich die Fans abschließend einig.