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Zwerge, Nasenlöcher und (k)ein Wunder

Zwerge, Nasenlöcher und (k)ein Wunder

Trotz des wenig weihnachtlichen Wetters kamen rund 80 Besucher zur Zoo-Führung an Heilig Abend. Zum Schluss wurden auch die Tiere beschenkt.

"Aber hier, wie überhaupt, kommt es anders, als man glaubt." Wilhelm Busch hätte seine helle Freude gehabt am verdutzten Gesicht von Zoodirektor Norbert Fritsch, als dieser am Vormittag des Heiligabends knapp 80 Besucher an der Zoo-Kasse antraf. "Ich hatte mich auf einen individuellen Rundgang eingestellt bei dem Wetter", meinte er sichtlich überrascht und lobte: "Sie sind alle sehr hartgesotten." Mehr als 30 Personen auf einmal zu führen, macht eigentlich keinen Sinn. Aber Fritsch nahm es sportlich und lenkte den Tross als erstes zum Gehege der Ouessantschafe. Dass dort von innen Bretter umlaufend an die Absperrung genagelt worden sind, liegt an Simba. Der kleine, mit respektablen Hörnern ausgestattete Bock, der nicht umsonst den Namen eines Löwen trägt, hat Fritsch mal vor laufender Kamera in die Nieren k.o. geboxt. Der nahm es nicht übel. Schließlich ist der bretonische Zwerg ein effektiver "Beschützer" der kleinen Lämmer, die am Anfang winzig seien, "die würden auf einen Doppelweck passen" - keine Chance für den Fuchs, der einst die hier lebenden Flamingos dezimiert hatte.

Im Pagodentempel der asiatischen Elefanten lud Obertierpfleger Dirk Backes hinter die Mauer ein - auf Tuchfühlung mit Kirsty. Wer sich traute, konnte ihr halbe Bananen und Äpfel "ins Nasenloch stecken" und sie streicheln. "Der hat voll das harte Fell", meinte der neunjährige Jonas erstaunt. Tatsächlich fühlt sich die vier Zentimeter dicke, faltige "Außenhülle" der fast 50-Jährigen Elefantenkuh wie verholzte Kokosnuss an. Etwa 100 Kilo Obst, Gemüse und Heu müssen pro Tag und Rüssel bereitgestellt werden. Das kostet ganz schön? Von wegen: "Das sind Peanuts, verglichen mit den Kosten für Heizung, Personal, Strom und Wasser", stellte Backes klar.

Weiter ging es: "Da liegt so ein Klumpen Schneeleoparden", sagte Fritsch und deutete auf einen Totholzstamm nahe des Zauns. Bei genauerem Hinsehen entpuppte sich der Klumpen als Mama Luisa, die mit ihren Kindern "Schöner Morgen" (Anusha) und "Schneeberg" (Askar) kuschelte. Papa Sagar hielt einen Meter Sicherheitsabstand: "Ihm fehlt schon ein Stück Ohr, wie ein verheirateter Mann halt so aussieht", witzelte der Zoodirektor. "Sie hat nix, wie geschminkt." Dank Nabu und Live-Webcam konnte man die Zwillingsgeburt im Mai weltweit im Internet verfolgen: "Ich habe Blut und Wasser geschwitzt, dass nichts schief geht." Nebenan bei den Rothunden zeugten knöcherne Reste einer halben Rinderhälfte vom Appetit des Rudels, das gerade einen Krähenschwarm verjagte.

Es folgten Stippvisiten bei den Thüringer Waldziegen und den Sikahirschen. Große Heiterkeit erregten sich gemütlich im Sitzen paarende Lamas. Bei den Kaninchen warb Fritsch um ehrenamtliche Aufsichtspersonen, ohne die man das Streichelgehege nicht reaktivieren könne. Zum Schluss wurde beschert: Orang Utan-Tierpflegerin Ramona Ankner hatte mit ihrer Tochter Chiara ein Bäumchen mit Nudeln, Cocktailtomaten und Trauben geschmückt und Geschenke (Spieldecken und Obst) verpackt. Kaum waren die Gittertüren offen, passierte das Weihnachtswunder: Die vierjährige Surya steuerte zielsicher auf das mit ihrem Namen beschriftete Paket zu und riss es auseinander. Die Neunkircher Menschenaffen können lesen! "Nö", sagte Ramona Ankner, "das war Zufall."

Öffnungszeiten bis Februar: 9 bis 17 Uhr, Kassenschluss eine Stunde vorher.