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Zwei Mann und eine Bühne

Neunkirchen. Der eine war in Amerika, tritt weltweit mit seiner Gitarre auf. Der andere hat sich im Land längst einen Namen gemacht. Ro Gebhardt und Amby Schillo haben die Musik-Szene nicht nur in Neunkirchen entscheidend geprägt. Seit 35 Jahren musizieren der heute 52-Jährige und sein mittlerweile 65-jähriger „Held“ von früher immer wieder gemeinsam. Am 18. April wird das gefeiert – musikalisch. Elke Jacobi

. Manche Redaktionsbesuche sind anders. Der der beiden Musiker Amby Schillo und Ro Gebhardt beispielsweise. Eigentlich waren sie gekommen, um über das Konzert anlässlich ihres 35-jährigen gemeinsamen Bühnenlebens zu sprechen. Dann aber wurde der Besuch irgendwie eine Reise in die Vergangenheit: Die Vergangenheit der beiden Musiker sowieso, aber auch die Vergangenheit der Stadt und ihrer (musikalischen) Jugendszene. Da werden Erinnerungen wach, die lange im Verborgenen geschlummert hatten. Und eh sich die Chronistin versieht, ist sie gemeinsam mit den Neunkircher Musikgrößen Ende der 70er im Gasthaus Zum Krug und feiert Apfelkorn-Orgien ("mein Gott ja, das musste man da trinken", erinnert sich Amby), rockt vor der Stadtfestbühne zwischen Lutherschule und Vogelstraße in den frühen Achtzigern ("da war immer so richtig was los"), feiert mit Hardy Johann im Eastside bei Jazz-Sessions . . . Geprobt haben sie damals alle in Wellesweiler in der Rombach. Die mal fast international bekannte Neunkircher Band Lancelot ebenso wie die kleinen Insider-Gruppierungen. "Da wird heute immer noch geprobt", erklärt Amby. Ansonsten aber ist von den früheren Jugend-Treffpunkten nichts mehr übrig geblieben. Deshalb sind sich alle Beteiligten beim Wühlen in der Erinnerung schnell einig: Schön war die Zeit.

Dabei war Ro, Jahrgang 1963, damals eigentlich noch ein grüner Junge. Altersmäßig. Amby Schillo, Jahrgang 1949, hatte schon ausreichend seine musikalischen Erfahrungen. Mit Sunset Super Session zum Beispiel - daran erinnert noch die Single "Monja", die zumindest in der Internet-Auktionsplattform Ebay gleich mehrfach zu haben ist. Bei seinen Auftritten mit Sunset Super Session hat der kleine Ro den großen Amby schon gesehen, dort wo man Gleichgesinnte traf beim Neunkircher Stadtfest auf besagter Bühne oberhalb der Treppenanlage. "Er war mein Held", sagt Ro heute. Und: "Er war der Grund, dass ich angefangen habe, mich für Musik zu interessieren."

Sunset Super Session, das waren neben Amby Schillo (vocals) noch Uwe Pulvermüller, Bodo W. Bode, Frank Lichtner und Herry Schmitt. "Ich konnte gar nicht glauben, das eine Band so spielen kann, wie sich eine LP anhört", weiß Ro heute noch. Er nahm Unterricht unter anderem bei Bernd Sommer. Und 1980 war es dann so weit: Der gerade mal 17-jährige Ro Gebhardt stand gemeinsam mit "Weini und Susan" und seinem Idol Amby auf der Bühne. Den allerersten gemeinsamen Auftritt hatten Ro Gebhardt und Amby Schillo auf der Jazz-Bühne des Neunkircher Stadtfestes. Der Grundstein für eine schon 35 Jahre andauernde musikalische - und mittlerweile auch freundschaftliche - Verbindung war gelegt. Der Altersunterschied? "Das hat nie eine Rolle gespielt, die Musik war das Wichtige und deren Qualität", sagt Amby. Wie Musiker so sind, wird dann ein bisschen philosophiert darüber, wie sich diese Qualität der Musiker gewandelt hat. Auch schon der Schüler - zum Positiven. Denn beide unterrichten unter anderem an der Musikschule in Neunkirchen und haben diesbezüglich ausreichend Erfahrung. Anfang der 80er gründeten sie dann die erste feste Band: Alegria. Zusammen mit Simone Morio und Bettina Welker (beide Gesang), Jörg Schmidt (Bass), Jürgen Schmidt (Keyboards), Elmar Federkeil (Schlagzeug) schufen Ro Gebhardt an der Gitarre und Amby Schillo an den Percussions was Neues. "Das war die erste Fusion-Latin-Band hier." Belohnt wurde das mit dem ersten Preis beim Rock-Jazz-Nachwuchswettbewerb, dem Saar-Rocky. Amby erinnert sich noch, wie er für das Cover der Platte einen Papageien aus dem Zoo auf eine Konga setzte. "Die Idee fand ich super", freut er sich. Es wurde ein Video gedreht in der Neunkircher Diskothek Starlight, Geld haben sie gewonnen und nach Hamburg sind sie gefahren. Später wurde aus Alegria dann die Electric Jazz-Band. Ro und Amby haben fünf Jahre lang "Tales from Amazonia" auf die Bühne gebracht. "Da haben wir viel gespielt", erinnert sich Amby, der mit dem Cajon einen neuen Sound einbrachte. Mit dabei außerdem Bass und Gitarre - und Flöte. Die Zusammenarbeit mit dem Amerikaner Budette Becks begann. Ro war viel in Amerika, trat in vielen verschiedenen Formationen auf unter anderem im Blue Note in New York, wurde zu einem weltweit auftretenden und anerkannten Gitarristen. Amby Schillo erweiterte sein musikalisches Spektrum unter anderem durch Cellospiel, trat und tritt in den unterschiedlichsten Formationen auf, war viereinhalb Jahr mit Joy Flemmings Band unterwegs und der von Nino de Angelo , wurde musikalischer Leiter des Musical-Projektes Neunkirchen . Viele Stationen haben die beiden Musiker durchlebt. Das gemeinsame Musizieren fand aber immer noch seinen Platz. Gemeinsame CDs, die gibt es allerdings nicht. "Das hat sich irgendwie nie ergeben. Hätte auch zu viel gekostet", weiß Amby. Außerdem: Die wahre Musik, die hört man sowieso nur live. Und es entspinnt sich eine Diskussion darüber, ob man denn den Geist der Musik überhaupt pressen kann. Einig sind sich die beiden: Wichtig ist, das man mit dem Publikum ins Zwiegespräch tritt, dass da was passiert. Und weil da so viel Einigkeit ist, die Wellenlänge einfach stimmt - und das nicht nur musikalisch, hat Ro Gebhardt den Schlusssatz des Tages parat: "Das mit Amby und mir, das ist noch lange nicht zu Ende."


Zum Thema:

Auf einen BlickDas Konzert anlässlich 35 gemeinsamer Bühnenjahre findet am Samstag, 18. April, 20 Uhr, in der Gebläsehalle statt. Amby Schillo und Ro Gebhardt beginnen, dann werden nach und nach musikalische Weggefährten 35 Jahre Musik wach rufen. Karten gibt es zu 18 Euro plus Gebühr bei allen Verkaufsstellen von Ticket Regional. An der Abendkasse kosten die Karten 22 Euro. rednk-kultur.de/halbzeit