Zuwanderer bremsen den „Schwund“

Zuwanderer bremsen den „Schwund“

Die Einwohnerzahl der Stadt Neunkirchen wird in 15 Jahren voraussichtlich um die 40 000 pendeln. Im Rathaus geht man davon aus, dass auch ein derzeit positiver Trend den Bevölkerungsrückgang langfristig nicht stoppen kann.

Der "Schrumpfprozess" der Neunkircher Bevölkerung hat sich seit dem Jahr 2011 abgeschwächt und im vergangenen Jahr sogar umgekehrt. Das ergibt die neueste Aufstellung der Einwohnerentwicklung, die Jörg Leininger vom Stadtplanungsamt gestern dem Stadtrat vorgestellt hat. Eine "Arbeitsgruppe Demographie " im Rathaus befasst sich seit mehreren Jahren mit den sich verändernden Bevölkerungszahlen und deren Konsequenzen. "Unser Stadtentwicklungskonzept geht davon aus, dass wir einen milden Rückgang der Einwohnerzahl organisieren", merkte Oberbürgermeister Jürgen Fried hierzu an.

Zum Jahreswechsel 2014/2015 hatte Neunkirchen nach Berechnung der Stadt 46 843 Einwohner, damit knapp 3700 weniger als vor zehn Jahren. Die aus nach dem Mikrozensus 2011 des Landes errechneten Zahlen siedeln Neunkirchens Einwohnerstand um rund 1000 Bürger tiefer an.

Im Schnitt hat Neunkirchen seit 2004 jährlich etwa 400 Einwohner verloren - mit ansteigender Tendenz bis 2010. Ab 2011 hat sich der Verlusttrend verlangsamt und 2014 wurden es sogar erstaunliche 222 Menschen mehr in Neunkirchen (siehe Grafik). Allerdings, so wird bei der Stadtverwaltung analysiert, ist dies auf einen Sondereffekt zurückzuführen: Mit Beginn des Jahres 2014 wurde in Deutschland die von der EU garantierte Arbeitnehmerfreizügigkeit auf Rumänien und Bulgarien ausgedehnt. Die Folge: Binnen eines Jahres hat sich die Zahl der zugewanderten Rumänen um 364 Prozent (auf 334) und die der Bulgaren gar um 730 Prozent (auf 357) erhöht.

Ohnehin wäre der Einwohnerschwund in Neunkirchen wesentlich rapider, wenn es keine Zuwanderung gäbe - die Zahl der Geburten kann diejenige der Todesfälle schon lange nicht mehr ausgleichen. So kamen im vergangenen Jahr 434 Neu-Neunkircher auf die Welt, dagegen starben 625. Indessen zogen 3947 Frauen, Männer und Kinder aus der Stadt weg, aber 4360 ließen sich als Neubürger nieder. Summa summarum ergibt sich so das erwähnte Plus von 222 Einwohnern.

Weil aber die Zuwanderungsströme nicht berechenbar sind, hält die Stadt es für "nicht zielführend", von neuen Grundlagen für die demographische Entwicklung auszugehen. Das Stadtentwicklungskonzept geht davon aus, dass ausgehend von 2010 die Einwohnerzahl bis 2020 um etwa zehn Prozent, bis 2030 um 15 bis 19 Prozent zurückgeht. Externe Berechnungen liegen teilweise etwas darüber. SPD-Fraktionschef Willi Schwender fand Widerhall mit seiner Anregung, städtischerseits einen "Masterplan Demographie " auszuarbeiten. "Die demographische Entwicklung ist von großer Bedeutung für die Entscheidungen des Stadtrates", betonte er.