Zuviel Dreck für einen Vormittag

85 Helferinnen und Helfer befreiten am Samstag Wiebelskirchen bei der Putzaktion Picobello gleich säckeweise vom illegal entsorgten Müll.

"Ich hab keine Kraft mehr", ruft ein Mädchen in blauoranger Jugendwehr-Uniform. Trotzdem zieht sie sich tapfer weiter am Seil nach oben. Der Hang hat es in sich. Und wenn man ihn im Laufe so eines Picobello-Vormittags ein paar Mal erklimmen muss, mal mit einem Flachbildschirm in der Hand, mal mit einem Fensterrahmen, einer Küchenmaschine oder einem Müllsack voller Flaschen, können die Arme und Beine durchaus etwas schwerer werden.

48 Helfer hatten sich in Wiebelskirchen für die alljährliche Frühjahrsputz-Aktion angemeldet. Tatsächlich gekommen waren am Samstag 85, freute sich Ortsvorsteher Rolf Altpeter: "Wir haben Tüten und Handschuhe nachordern müssen." Erstmals dabei war das Diakonische Werk und dann gleich mit 40 Leuten. Eine der Wohngruppen rückte mit der Freiwilligen Feuerwehr an den Nahebahnschacht aus. "Wir waren vorhin schon an der B41 und haben ein paar Säcke gefüllt", rapportierte Bürgermeister Jörg Aumann vor Ort. "Aber das hier ist ganz brutal." Der Platz sei ideal zum illegalen Entsorgen: "Gut erreichbar, keine soziale Kontrolle und es liegt schon was da."

Unten im Wäldchen wird indessen noch fleißig gesammelt. Wie das ist, anderer Leute Müll aufzuheben? "Eklig", meint Chalena (11) und erzählt angewidert von vollen Windeln. Kollegin Amy dagegen findet die ganze Aktion ziemlich "cool". Überhaupt mache Müll sammeln Sinn, "da kann man was Neues draus bauen und wiederverwenden", wie etwa die vielen alten Autoreifen, weiß die Achtjährige. Jugendbetreuer Timo Zimmer treibt seine 15 Schäfchen zusammen: Geordneter Rückzug, gleich geht's zurück in die Feuerwache zum Imbiss mit warmen Würstchen und Limo. Die Teilnahme bei Picobello ist freiwillig, bestätigt Zimmer. "Wir fragen die Kinder immer, ob sie mitmachen wollen." Und siehe da: "Sie waren wieder hellauf begeistert. Das hätte ich nicht gedacht." Beim Erklimmen des Hangs freuen sich die Mädchen noch über einen süßen Kinderschuh.

Tatsächlich war es bei diesem Einsatz nicht mal ansatzweise möglich, allen Müll rauszuholen. "Das hat sich über Jahre angehäuft. Wir waren schon mal mit Anwohnern hier sammeln", erinnert sich der Ortsvorsteher. Aber für Ältere ist die Hanglage zu mühselig. Und der Betriebshof hat dafür keine Kapazitäten. Aber immerhin: "Der Anfang ist gemacht. Die nächste Tour gibt es 2018."

Geschwenkt wurde anschließend noch im Jugendtreff "Haus am See" - "das war der Anreiz und die Motivation für die Jugendlichen", verriet Erzieher Daniel Drechsler. Ein Teil der Zwölf- bis 17-Jährigen hatten das Gelände rings um den Kirmesplatz abgeklappert, auch die Hecken, wo die Kolbeschüler am Vortag lieber nicht rein geschickt wurden. "Beeindruckend, wie viel da trotzdem noch rum lag." Und erst die vielen großen Haushaltsgeräte! Alles in allem wertet Drechsler die Aktion als Erfolg. Gut möglich, dass das Diakonische Werk nächstes Mal wieder dabei ist.