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Zum Tod des Neunkircher Fotografen Willi Hiegel

Nachruf auf Willi Hiegel : Einen letzten Cappuccino auf Willi Hiegel

Ein paar persönliche Erinnerungen an den kürzlich verstorbenen SZ-Fotografen. Die Beerdigung findet im engsten Kreis statt.

An meine erste Begegnung mit Willi Hiegel kann ich mich nicht erinnern. Wer kann das schon? Schließlich war er irgendwie immer schon da. Und er war auch immer und überall. Bei Vereinsfeiern schaute er vorbei, bei der Fastnacht, auf dem Stadtfest, bei Schulveranstaltungen und Staatsbesuchen, irgendwann kreuzte er auf und irgendwer sagte dann: „De Hiegel is do.“ Und wenn „de Hiegel“ do war, dann war auch die „Saarbrigga Zeidung“ do. Klar. Denn Willi Hiegel war über mehr als vier Jahrzehnte eines der bekanntesten Gesichter der Saarbrücker Zeitung, hat mehrere tausend Fotos gemacht.

In meiner Jugend war er für mich ein älterer Herr, den jeder kannte und der auch jeden kannte. Und wenn er sich nicht ganz sicher war, ob er jemanden kannte, dann sagte er: „Awwa ihr Mudda kenn ich doch. Die war doch frieher uff da Hitt. Un ihr Oba kenn ich aah.“ Und schon kannte er wieder einen mehr.

Aber wie sich das anhört: älterer Herr. Da war er noch keine 50. Mit der unverkennbaren Frisur, diesen schulterlangen grauen Haaren, mag er auf uns Jugendliche mit 45 gewirkt haben wie 70, aber dafür hat er mit 70 immer noch gewirkt wie 45. Und mit 80 nicht viel älter. Das lag  zum einen daran, dass er mit Jeansjacke und Converse-Chucks auf jede Form von „Alt-Herren-Mode“ pfiff. Zum anderen lag es aber auch an seiner Art. Sicher, er war streitbar, hat auch gerne mal einen draufgesetzt, aber es machte Spaß, sich mit ihm zu unterhalten. In meinem Fall war dies häufig auf Terminen so, wo man an der Seite stand, sich austauschte und sproochte. Und wenn man etwas von sich gab, was er anders sah – und das passierte nicht selten –, dann winkte er ab und sagte: „Das ist doch Quatsch.“ Mit seiner Meinung hinter dem Berg halten, das passte nicht zu Willi Hiegel. In den letzten Jahren machte er sich auch gerne auf Facebook Luft, wenn er sich über etwas ärgerte. Seine kleinen Sticheleien in Richtung Rathausspitze wurden von Jörg Aumann stets kommentiert. Für Außenstehende mit großem Unterhaltungswert.

Ich erinnere mich daran, wie ich mal mit ihm in einem Café am Stummplatz saß – er war ja Dauergast in den Cafés der Innenstadt – und man ihm einen Cappuccino servierte. Er, der Italien-Kenner und -Liebhaber, schaute sich den Cappuccino an, rührte mit strengem Blick darin und fragte den Kellner, was das denn sein solle. Ein Cappuccino sei das mit Gewissheit nicht. Es folgte eine Belehrung darüber, bei wieviel Grad man bei einem Cappuccino was machen muss, und als der Kellner ihm anbot, einen neuen zu bringen, sagte er: „Lassen Sie  nur. Ich trinke den schon. Aber Sie müssen mal nach ihrer Maschine schauen.“ Dann beugte er sich zu mir rüber, lachte und meinte, in Italien würde man an jeder Tankstelle einen besseren Cappuccino bekommen. „Unn die hann dort kä so deire Maschine.“

Jetzt ist Willi Hiegel gestorben. Wenige Wochen nach seinem 80. Geburtstag, nach kurzer Krankheit. Die Neunkircher werden ihn vermissen. Seine Frau Helga, seine Kinder und Enkel werden um ihn trauern. Die Beerdigung findet im engsten Kreis statt.

Auch für die schönen Dinge des Lebens hatte Hiegel stets den richtigen Blick. Hier ein Sonnenblumenfeld auf dem Eschweiler Hof. Foto: Willi Hiegel
So kannte man Willi Hiegel über Jahrzehnte. Foto: Willi Hiegel

Mit Willi Hiegel verliert die Stadt Neunkirchen ein echtes Original. Ein kleiner Trost: Mit seinem guten Freund Gerd Meiser, der vor einem Jahr gestorben ist, wird er jetzt sicher auf die Stadt blicken und Cappuccino trinken. Und das mit stets kritischem Blick.