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NVG setzt Videokameras ein: Zum Schutz der Fahrer und der Gäste

NVG setzt Videokameras ein : Zum Schutz der Fahrer und der Gäste

Auf immer mehr Angriffe auf Busfahrer und Fälle von Vandalismus reagiert die NVG mit Videokameras, die ab heute in Betrieb sind.

Das Szenario ist nicht weit hergeholt: Der Bus hält, ein Fahrgast steigt hinzu, pöbelt andere Fahrgäste an, wird handgreiflich, schlägt in seiner Wut auf den Fahrer ein, der schlichten will, und verlässt Augenblicke später wieder den Bus. Um auf solche Vorfälle präventiv einzuwirken, beziehungsweise die Möglichkeit zu haben, den Täter im Nachhinein zu ermitteln, sind ab heute in allen 56 Omnibussen der Neunkircher Verkehrsgesellschaft (NVG) Kameras zur Videoüberwachung in Betrieb. In den Solofahrzeugen zeichnen drei Kameras das Geschehen im Bus und beim Einstieg auf, bei den Gelenkbussen sind es sechs.

Nach 24 Stunden werden die Aufzeichnungen im Regelfall wieder gelöscht. Im Fall eines Übergriffs haben die Busfahrer die Möglichkeit, einen Knopf zu drücken, um das Geschehen für die Dauer von fünf Minuten vor dem Drücken des Knopfs bis 30 Minuten danach zu speichern. So, wie es das Datenschutzgesetz vorschreibt.

Notwendig sei die Videoüberwachung vor allem wegen der Zunahme von Gewalt und Beleidigungen im Öffentlichen Personennahverkehr, erklärte NVG-Geschäftsführer Pascal Koch gestern bei einer Pressekonferenz. Diese Zunahme sei leider deutschlandweit festzustellen, sagte Koch und präsentierte Statistiken, die NVG betreffend. Demnach gab es im Jahr 2014 in den Bussen sechs Übergriffe auf Personal oder Fahrgäste, im vergangenen Jahr wurden 16 Übergriffe bei der NVG aktenkundig. In sieben Fällen musste wegen der Schwere der Vorfälle die Polizei eingeschaltet werden, allerdings gab es auch Fälle, bei denen Täter unerkannt flüchten konnten. 2016 gab es zwölf Übergriffe. In zwei Fällen hätten die Angriffe sogar zur Frühverrentung der Fahrer geführt, betonte Koch. „Es ist teilweise eine erschreckende Härte zu verzeichnen. In einem Fall wurde ein Fahrer durch eine Scheibe getreten“, sagt Koch.

230 000 Euro hat das Unternehmen in die Videoüberwachung investiert, von der man sich auch einen Rückgang der Vandalismusschäden erhofft. „Wenn ein neuer Bus im Wert von 250 000 Euro hier vom Hof fährt, kommt er drei Haltestellen weit, bis die gesamte Rückbank aufgeschlitzt ist“, so Koch.

Der Aufsichtsratsvorsitzende, Oberbürgermeister Jürgen Fried, ist sich sicher, dass das subjektive Sicherheitsgefühl von Personal und Fahrgäste durch die Kameraüberwachung gestärkt und sich die Zahl der Übergriffe deutlich verringern wird. „Nicht nur Beleidigungen und tätliche Angriffe auf die Busfahrer beziehungsweise die Fahrgäste werden zurückgehen, auch weniger Vandalismusschäden sind zu erwarten. Denn schließlich müssen sich die Täter bewusst sein, dass sie beobachtet werden können und gegebenenfalls auch identifiziert und zur Rechenschaft gezogen werden können“, ist  Fried sicher. Gestärkt wird seine Meinung durch Beobachtungen anderer Verkehrsbetriebe, die bereits Videoüberwachung einsetzen. So etwa in Saarbrücken. „Dort konnte ein Fahrgast nach Sichtung des Videomaterials verurteilt werden. Er wollte mit Essen in den Bus steigen, was ihm vom Fahrer untersagt wurde. Daraufhin hat der Mann versucht, den Fahrer mit einem Messer zu attackieren“, berichtete Pascal Koch. 

Es sei schade, dass solche Maßnahmen mittlerweile notwendig geworden seien, aber im Sinne der öffentlichen Sicherheit könnten sie wichtige Instrumente sein und vieles verhindern, sind sich der NVG-Geschäftsführer und der Oberbürgermeister einig.