Zuhause im Paragrafen-Dschungel

Neunkirchen. Ein "beklemmendes Gefühl" oder gar ein "schlechtes Gewissen" will sich so gar nicht einstellen, wenn man das Chefzimmer des Neunkircher Amtsgerichtes aufsucht: Helle, freundliche Umgebung, ein aufgeräumter Dialogpartner hinterm Schreibtisch - keine Spur von Gerichtsbunker-Mentalität, falls es so etwas noch geben sollte

 "Justiz ist kein kaltes Recht!", sagt Johannes Schmidt-Drewniok. Das Bild im Hintergrund, ein farbenfroher Blickfang im Chefbüro, hat seine Frau Silke gemalt. Foto: Willi Hiegel

"Justiz ist kein kaltes Recht!", sagt Johannes Schmidt-Drewniok. Das Bild im Hintergrund, ein farbenfroher Blickfang im Chefbüro, hat seine Frau Silke gemalt. Foto: Willi Hiegel

Neunkirchen. Ein "beklemmendes Gefühl" oder gar ein "schlechtes Gewissen" will sich so gar nicht einstellen, wenn man das Chefzimmer des Neunkircher Amtsgerichtes aufsucht: Helle, freundliche Umgebung, ein aufgeräumter Dialogpartner hinterm Schreibtisch - keine Spur von Gerichtsbunker-Mentalität, falls es so etwas noch geben sollte. Im Gerichtsgebäude in der Knappschaftsstraße hat Amtsgerichtsdirektor Johannes Schmidt-Drewniok das Sagen. Er leitet hier eines von zehn Amtsgerichten im Saarland, drei davon - neben Neunkirchen Saarbrücken und Saarlouis - sind Schöffengerichte.Die erwartete Flut von Paragrafenwerken im Chefbüro hält sich in Grenzen. Auch und gerade in der Rechtsprechung hat der Computer einen gehörigen Stellenwert. "Wir arbeiten viel mit elektronischer Literatur", sagt Schmidt-Drewniok. Gerade auch, weil die schnelllebige Zeit an den Grundlagen der Juristerei nicht vorbei geht: "Die Halbwertzeit ist beängstigend", stellt der Direktor mit einem Schmunzeln fest.

2007 hat Schmidt-Drewniok das Chefbüro in Neunkirchen bezogen. Raum für Privatsphäre gibt es auch im Paragrafendschungel: Neben Familienfotos deuten zwei großformatige Ölgemälde auf das Kunsttalent seiner Ehefrau Silke hin. Mit ihr und drei Kindern kam der junge Jurist 1995 aus dem Studienort Hannover ins Saarland, wo die Familie von fünf auf sechs Köpfe anwuchs. In Saarbrücken hatte es geklappt mit dem "Traumjob" Staatsanwalt.

Nach einer Zwischenstation im Saarbrücker Justizministerium reizte ihn dann die Direktorenstelle in Neunkirchen. Für niedersächsische Entfernungsverhältnisse nur einen Katzensprung von seinem Wohnort Saarbrücken entfernt. Nach 17 Jahren im Land denkt er nach eigener Aussage nicht ernsthaft daran, saarländischen Boden wieder zu verlassen. Der norddeutsche Protestant engagiert sich ehrenamtlich als Presbyter und macht in der kargen Freizeit "ein bisschen Sport": Laufen und Karate - der wehrhafte Jurist ist im Besitz des schwarzen Gürtels!

Die Verbindung von Richter- und Behördenarbeit am Amtsgericht findet Schmidt-Drewniok höchst interessant: "Das ist kein Beruf, der von Routine lebt. Man muss sich täglich auf neue Menschen einstellen!" Ganz wichtig ist ihm neben der korrekten Arbeit auf gesetzlicher Grundlage der menschliche Faktor in der Rechtsprechung. "Ihr müsst dem Gesetz gemäße, aber auch menschliche Entscheidungen in zumutbarer Zeit treffen", gibt er beispielsweise seinen Referendaren mit auf den Weg. "Justiz ist kein kaltes Recht!", darauf legt er Wert.

Als "sehr kluge Einrichtung" betrachtet es Schmidt-Drewniok, dass er als Behördenleiter auch weiterhin im Richteramt gefordert ist. Etwa "halbe-halbe" nehmen die Verwaltungsarbeit als Gerichtsdirektor und die richterliche Tätigkeit seine Arbeitszeit in Anspruch. Derzeit hat er den Geschäftsbereich "Betreuungssachen". Das heißt als Betreuungsrichter erledigt er für die anvertraute Klientel Dinge als Bevollmächtigter, die diese nicht mehr allein regeln können.

47 Mitarbeiter, vom Rechtspfleger bis zum Gerichtsvollzieher, in fünf Abteilungen gehören zur Mannschaft des Teamarbeiters Schmidt-Drewniok. Auch die Schiedsleute in den Gemeinden beaufsichtigt er. Im Kreise seiner neun Neunkircher Richterkollegen ist er "Primus inter Pares", mit Blick auf die richterliche Unabhängigkeit aber kein Disziplinarvorgesetzter.

Die Ausgangslage, um in Neunkirchen verlässlich den Rechtsfrieden zu sichern, hält der erste Mann im Amtsgericht für gut. Bauliche Voraussetzungen und Ausstattung seines Hauses seien gut, ebenso die Gesprächsebene mit den "Mitspielern" Polizei, Stadt und Krankenhäusern. Eine Sorge treibt Johannes Schmidt-Drewniok angesichts der von der neuen Landesregierung angekündigten Stelleneinsparungen im öffentlichen Dienst derzeit noch um: "Ich hoffe, dass es die Haushaltslage erlaubt, dass wir auch künftig unsere gute Qualität halten können." "Das ist kein Beruf, der von Routine lebt. Man muss sich täglich auf neue Menschen einstellen!"

Johannes Schmidt-Drewniok

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