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Zu Besuch im Atelier von Ise Kessler in Wiebelskirchen

Bei Ise Kessler im Atelier : Experimente werden zu Kunstwerken

Unsere Zeitung besucht Künstlerinnen und Künstler aus unserer Region in ihrem Schaffensraum. Heute Teil 2: Ise Kessler.

„Ich bin Mutter, Managerin, Hausfrau, Keramikerin, Oma und Malerin und noch einiges andere, was mir gerade nicht einfällt.“, sagt Ise Kessler und lacht. Beim Betreten ihres Hauses in Wiebelskirchen kommt man aber schnell zu dem Schluss, dass hier hauptsächlich eine waschechte Künstlerin wohnt. Oder besser gesagt: eine Künstlerfamilie. Das gemütlich eingerichtete Heim des Ehepaares Kessler ist nämlich eine Oase der Kunst. An jeder Wand hängen mindestens zwei Gemälde von Ise Kessler, überall stehen kunstvoll erschaffene Skulpturen aus Ytong oder Keramik von Ise oder ihrem Mann. Durch die Glasscheiben an der Rückwand des Hauses bekommt man einen Einblick in das Atelier der Künstlerin, das sich in einem Wintergarten befindet und noch mehr (teils noch nicht fertiggestellte) Werke in allen möglichen Formen beheimatet.

30 Jahre lang hat die heute 76-Jährige Töpferkurse und Malkurse für verschiedene Gruppen angeboten in ihrem eigenen Keller. Aber im vergangenen Jahr hat sie entschieden, damit Schluss zu machen. Doch der Kunst selbst wird sie sich wohl nie abwenden, vor allem in schwierigen Zeiten wie diesen. „Ich bin immer noch motiviert und kreativ. Oft wache ich ungefähr um vier Uhr morgens auf und weiß ganz genau, was ich auf die Leinwand bringen will. Seit wir hier wegen Corona eingesperrt sind, habe ich über zehn Bilder gemalt.“ Und diese Bilder sind ein echter Hingucker: Farbenfrohe Acrylmalereien, verziert mit goldenen und silbernen Linien. Diese experimentellen Bilder malt die Wiebelskircherin auf dem Boden ihres Wintergartens, den sie mit Folie auslegt, um nicht alles zu verschmutzen. Neben Acrylmalerei malt sie auch mit Kreide und stellt Skulpturen aus verschiedenen Materialien her.

Seit 50 Jahren wohnen sie und ihr Mann nun in Wiebelskirchen und haben schon viele Ausstellungen ihrer Werke in Neunkirchen und Umgebung veranstaltet. Dieses Talent wurde auch an die gemeinsame Tochter weitergegeben, die als freie Künstlerin in Baden-Baden lebt und ihre eigene Kunst verkauft. Ise Kessler malt mittlerweile nur noch für sich oder auch für ihren Enkel, dem vor allem die „Corona-Werke“ sehr gut gefallen. „Manchmal übermale ich auch eines meiner Bilder, weil es mir nicht mehr so gut gefällt oder ich einfach eine Idee habe, wie es noch schöner werden könnte. Ich lebe dabei fürs Experimentieren, male einfach drauf los und schaue, was passiert. Aber die Farbzusammenstellungen habe ich meistens vorher schon im Kopf. Ich kann beim Malen meine Gefühle zum Ausdruck bringen und das Experimentieren befreit mich.“

In der Schulzeit entdeckte ihre Kunstlehrerin ihr Talent und seitdem malte und werkelte Ise Kessler in ihrer Freizeit. Etliche Kurse, zum Beispiel in der Bosener Mühle, belegte sie im Bereich Skulpturen und Malerei und gab diese erlernten Techniken dann an ihre Kursteilnehmer weiter. Ihre Schüler waren sehr traurig über die Nachricht, dass ab sofort keine Kurse mehr bei ihr stattfinden, doch ein kleines Grüppchen versucht, sich einmal im Monat zu treffen. Für ihre Werke braucht die Künstlerin meist ungefähr eine Woche, malt aber nie nur an einem Bild, sondern an mehreren gleichzeitig. Diese angefangenen Bilder behält sie dann in ihrer Nähe um weitere Impulse zu bekommen, wie es mit ihnen weitergehen kann, erzählt sie der SZ. „Meine Kinder (so nennt sie ihre unfertigen Bilder, Anm. d. Red.) muss ich um mich rum haben. Bei mir vergeht kein Tag ohne Kunst.“

Die heimische Kunstausstellung kann sich sehen lassen. Foto: Sibille Sandmayer
Auch Skulpturen stellt die Künstlerin Ise Kessler her. Foto: Sibille Sandmayer

Auch im weitgestreckten Garten hinter dem Haus sieht man verschiedene Figuren aus Ton oder Keramik, die den Weg durch die winterliche Natur begleiten. Und auch, wenn sie keine Kurse oder Ausstellungen mehr anbietet, Ise Kessler hat viele Kunstwerke in der Ostertalstraße, die noch einen Besitzer suchen. Viele tolle Bilder in den unterschiedlichsten Stilrichtungen können in der heimischen Galerie bewundert und auch gekauft werden. „Solange ich Ideen habe und diese verrückten Bilder male, bleibe ich jung!“