Zimmer im Miniaturformat

Das Schlafzimmer ist chic in Rot tapeziert, das Bett fein säuberlich zurecht gemacht, nebenan in der Küche nimmt die nicht ganz lebensgroße Dame des Hauses Platz. Überaus gemütlich mutet sie an, die Zweizimmerwohnung im Miniaturformat von Elfie Bettinger

Das Schlafzimmer ist chic in Rot tapeziert, das Bett fein säuberlich zurecht gemacht, nebenan in der Küche nimmt die nicht ganz lebensgroße Dame des Hauses Platz. Überaus gemütlich mutet sie an, die Zweizimmerwohnung im Miniaturformat von Elfie Bettinger.Bereits aus dem Jahr 1946 stammt die detailverliebt konstruierte Puppenstube der Ottweilerin - niemand im Landkreis Neunkirchen besitzt nach unseren Informationen eine ältere. Noch bestens erinnert sich Elfie Bettinger an das Weihnachtsfest vor beinahe 65 Jahren, als ihr Mutter und Großmutter das Puppenhaus als Geschenk überreichten. "Ein Bekannter von uns war Hobbyschreiner. Er hat es ganz alleine gebastelt", blickt die gebürtige Ottweilerin zurück. Dabei wurde an jedes Einrichtungsdetail der aus Schlafzimmer und Bauernküche bestehenden Stube gedacht - von einer Kommode mit Schminkspiegel, über ein Nachttischchen, bis hin zu stilechten Vorhängen. Bewohnt wird die Miniatur-Residenz von einer kleinen Puppe mit blau-weißem Strickkleid, die allerdings erst einige Jahre später in die Stube einzog. "In der Nachkriegszeit herrschte auch bei uns Armut. Meistens bekam ich zu Weihnachten gehäkelte Kleider für meine Puppen geschenkt. Da war so eine Stube schon etwas Besonderes", entsinnt sich Elfie Bettinger.

Und obwohl die Einrichtung des Puppenhauses heute an der ein oder anderen Stelle leichte Abnutzungserscheinungen zeigt, behandelte sie das außergewöhnliche Weihnachtsgeschenk stets mit größter Sorgfalt. So kam es, dass auch viele Jahre später ihre eigene Tochter Andrea noch Freude an dem sorgfältig gefertigten Puppenhaus hatte.

Dem Zeitgeist folgend veränderte sich da auch die Einrichtung der Zweizimmerwohnung, wenn auch nur in dezentem Maße: So darf sich die Hausdame heute vom Unterhaltungsprogramm eines Miniatur-Fernsehgerätes, das auf der Kommode seinen Platz gefunden hat, berieseln lassen. "Irgendwann haben wir für unsere Tochter noch Puppengeschirr dazu gekauft", erzählt die Ottweilerin.

Als eines der wenigen verbliebenen Andenken an die Kindheit von Elfie Bettinger, hat das historisch anmutende Puppenhaus heute einen Ehrenplatz im Partykeller der Familie erhalten. "Ich besaß auch einmal eine ganz feine Puppe, die damals 3000 Franken kostete. Allerdings ging sie verloren", erinnert sie sich. Umso mehr liegt ihr am Herzen, das wertvolle Andenken noch lange in seinem jetzigen Zustand zu erhalten, damit vielleicht irgendwann einmal wieder ein junger Mensch seine Freude daran haben kann. eib

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