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„Zeichen setzen für Menschlichkeit“

„Zeichen setzen für Menschlichkeit“

In der Feierstunde am Donnerstag im Neunkircher Landratsamt betonten Sozialstaatssekretär Stephan Kolling und Landrat Sören Meng auch die Notwendigkeit entlastender Angebote für die pflegenden Angehörigen.

Rund 20 000 pflegebedürftige Menschen werden im Saarland zu Hause betreut. Rund 36 000 Angehörige sind in der Pflege zu Hause engagiert. Jetzt sind landesweit wieder 41 Frauen und Männer mit der Pflegemedaille des Saarlandes ausgezeichnet worden (siehe "Stichwort"). Am Donnerstag gab es eine gemeinsame Feierstunde für den Landkreis Neunkirchen und den Saarpfalz-Kreis im Landratsamt Neunkirchen.

Lob und Dankesworte richteten Sozialstaatssekretär Stephan Kolling sowie der Neunkircher Landrat Sören Meng und der Saarpfalz-Kreis-Beigeordnete Hans-Jürgen Domberg an die Ausgezeichneten - fünf Frauen und drei Männer aus dem Kreis Neunkirchen und drei Frauen und ein Mann aus dem Saarpfalz-Kreis. "Sie setzen ein Zeichen für vorbildliche Menschlichkeit", sagte Meng. "Sie geben Verlässlichkeit und Vertrauen", so Domberg. Beide betonten die Notwendigkeit, entlastende Angebote für pflegende Angehörige zu schaffen und auszubauen. Auch Kolling ging auf die Rahmenbedingungen ein, erinnerte etwa an die Pflegestützpunkte, die Reform der Pflegestufe, den Ausbau der Tagespflege. Alle für die Pflegemedaille Vorgeschlagenen hätten "ein wichtiges Signal" gesetzt, so Kolling weiter. Sie stellten familiäre Pflege sicher und ermöglichten pflegebedürftigen Menschen den Verbleib in der vertrauten Umgebung. Dieses Pflege-Engagement verdiene auch gesellschaftliche Anerkennung für die "stillen Helden ".

Die Geehrten (nach Angaben des Ministeriums):

Maria Basler (79) aus Münchwies pflegte ihren Mann Walter und betreute ihre Nachbarn. Seit 2005 pflegt sie nun auch ihre Schwägerin Thekla.

Monika Boeckmann (47) aus Spiesen-Elversberg pflegt seit 1996 ihren mehrfach schwerstbehinderten Sohn Marcel. Dieser leidet an Lissencephalie, einer Gehirnfehlbildung.

Ralf Conrad (51) aus Neunkirchen pflegte mit seiner Mutter Gertrud seinen Vater Eduard. 2010 starb der Vater und die Mutter erkrankte an Demenz . Sie benötigt nun selbst Pflege durch ihren Sohn.

Helga Evert (67) aus Neunkirchen pflegte von 1996 bis 2003 ihren Vater, von 2003 bis 2015 ihre Mutter, die eine Betreuung rund um die Uhr benötigte.

Rosemarie und Stefan Gauditz (47 und 53) aus Spiesen-Elversberg betreuen seit 1996 gemeinsam ihren behinderten Sohn Jonas. Dieser wurde bereits in der 26. Schwangerschaftswoche geboren und ist seitdem wegen einer frühkindlichen Hirnschädigung schwer behindert.

Oskar Walfried Kuhn (85) aus Heiligenwald pflegt seine Ehefrau Christa. Nach zwei Schlaganfällen ist sie bereits seit fünf Jahren auf die Hilfe ihres Mannes angewiesen. Bereits von 1987 bis 1989 pflegte Kuhn seine Schwiegereltern.

Manuela Tunkel-Staudt (46) aus Kohlhof pflegt ihrer Tochter, die 1999 im Alter von sieben Jahren auf dem Gehweg angefahren wurde und seitdem schwerstbehindert ist. Trotz fünf weiterer Kinder ist Manuela Tunkel-Staudt stets für ihre Tochter da.

Helga Neuschwander (64) aus Kirkel wird für die jahrelange Pflege gleich mehrerer Menschen geehrt. Seit 1985 wurde sie immer wieder mit der Pflege von Angehörigen betraut.

Erika Oster (78) aus St. Ingbert pflegt seit 1987 ihren Mann Alois, der seit einem nicht verschuldeten Autounfall querschnittgelähmt ist.

Mariette Schwarz (66) aus Rohrbach pflegte ihre Mutter, die beinamputiert war und zunehmend unter Sehschwäche und Demenz litt, bis zu deren Tod im Jahr 2010. In der Zeit von 2012 bis 2014 kümmerte sie sich um Vater und Ehemann, die beide im gleichen Jahr an Krebs erkrankten und den Kampf verloren.

Horst Eckerle (86) aus Bexbach pflegt seine Ehefrau Gisela (85), die 2002 erblindet ist. Seit 2006 sitzt seine Frau zudem im Rollstuhl und ist inzwischen auch an Demenz erkrankt.

Meinung:
Von "stillen Helden "

Von SZ-Reakteurin Claudia Emmerich

Diese kleine Geschichte am Rande der Feierstunde sagt viel über die "stillen Helden ". Ein Ortsrat - denn auch dieses Gremium ist vorschlagsberechtigt - hat gleich mehrere Namen im Kopf für Pflegemedaille-Kandidaten. Die Ortsratsmitglieder nehmen Kontakt auf. Doch niemand will auf die Vorschlagsliste. Begründung: Der Pflegeeinsatz sei doch selbstverständlich. Solche Reaktionen erfährt nicht nur dieser Ortsrat. Selbstverständlich? Das Herz, aber auch Pflichtgefühl oder schlicht Nächstenliebe motivieren, sich der fordernden Aufgabe Pflege zu stellen. Und selbstverständlich gehören auch Krisen dazu. Im Miteinander zwischen Pflegenden und Pflegebedürftigen, im Aushalten der Einschränkungen, die beide Seiten treffen. Wer mit der Pflegemedaille ausgezeichnet wird, darf diese verdiente öffentliche Anerkennung für alle "stillen Helden " annehmen.

Zum Thema:

StichwortMit der Pflegemedaille zeichnet das Land Personen aus, die ihren Wohnsitz im Saarland haben und die einen pflegebedürftigen, kranken oder behinderten Menschen im häuslichen Bereich unentgeltlich über einen Zeitraum von mindestens fünf Jahren gepflegt und betreut haben. red