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Zaubern mit Stoff, Nadel und Faden

Zaubern mit Stoff, Nadel und Faden

Etwa 1500 Besucher ließen sich die neunte Patchwork- und Quilt-Ausstellung der Arbeitsgruppe Turmzimmer in der renovierten Christuskirche nicht entgehen. Erstmals vertreten war die Patchwork-Gilde.

Jeweils 2,54 Zentimeter messen die Seiten der kleinen Sechsecke, die Johanna Zercher mit Miniaturstichen geduldig aneinander heftet. Das rege Treiben samt Geräuschkulisse aus Gesprächen und Geschirrgeklapper um sie herum ignoriert die 23-Jährige. So vertieft ist sie in ihre Patchworkarbeit. "Das wird ein Geschenk für meine Oma", verrät die Studentin aus Bruchmühlbach-Miesau. "Sie hat mir Häkeln beigebracht." Nähen brachte sich die angehende Theologin selbst bei. Zunächst fertigte sie Kostüme an. Aber dann wollte Johanna Zercher was machen, "was alle anderen" ihrer handarbeitsbegeisterten Familie "nicht können". Und das war ganz klar Quilten.

Ein dreiviertel Jahr Arbeit steckt schon in den beigefarbenen Rosetten - genäht überall, auch an der Uni. Gut möglich, dass es noch mal so lange dauert, bis Hunderte Hexagone am Ende den 1,50 mal 1,50 Meter großen Quilt bilden. Unbezahlbar wird das Stück dann sein. Genau wie jedes andere der circa 50 Werke, die zusammen mit den kunterbunten Ständen der acht Aussteller am Donnerstag die Christuskirche in ein Patchwork-Mekka verwandelten. Die Motivvielfalt war immens. Neben den klassischen, streng geometrischen Mustern reichte sie von Snowboard-Impressionen (Monika Ziehmer) über das Nilpferd im Fliegenpilzwald (Doris Haaß) bis hin zur Arche Noah (Gertrud Jost) und einem Angelstilleben (Nina Rust). Immer wieder wurden Handys und Kameras gezückt, um sich die Quilts als Foto mit nach Hause zu nehmen und vielleicht sogar nachzuarbeiten.

Zum neunten Mal hatte die von Inge Werner geleitete, nach dem monatlichen Treffpunkt hier in der Christuskirche benannte Arbeitsgruppe Turmzimmer eingeladen. Seit 1999 wird die längst in der Szene etablierte Schau im Zweijahresrhythmus ausgerichtet. "Damals waren wir die Pioniere im Saarland." Attraktiv für Besucher ist die große Auswahl an Stoffen, weiß Inge Werner. Aber nicht nur: "Die Atmosphäre hier ist immer toll", schwärmte Birgit Schüller, die mit ihren "Creative Bits" wieder aus Riegelsberg gekommen war. "Jetzt nach dem Renovieren ist es noch heller, gerade, wenn die Sonne rein scheint." Die weiteste Anreise hatte ein Stoffhändler aus Prag. Wie er erstmals dabei war auch die Patchwork-Gilde, die ihr Regionaltreffen im Kirchenschiff abhielt. Was für sie einen gelungenen Quilt ausmacht? "Die Individualität", sprich, "wenn man die Persönlichkeit der Näherin sehen kann", antwortete Regionalvertreterin Marianne Balmert, selbst eine engagierte Näherin. Etwa 300 Mitglieder zählt die Gilde in Rheinland-Pfalz und Saarland. Größter Vorteil der Mitgliedschaft ist der Bezug der umfangreichen Vereinszeitung. Zudem kann man kostenlos auf die 1800 Bücher zugreifen, die auf Wunsch von der Geschäftsstelle in Dortmund versandt werden. Nachwuchsförderung, Mitmachaktionen, Erhalt des Handwerks: All das gehört zum Aufgabenfeld der Gilde. Wer Lust hatte, konnte sich an ihrem Tisch gleich mal an einem Fisch oder einer anderen kleinen Patchworkarbeit versuchen - und hinterher sicher bestätigen, was Balmert für das Patchworken allgemein und die Gilde im Besonderen festgestellt hat: "Mir sind selten so viele patente und nette Menschen begegnet wie dort."