Großprojekt von WZB und Lebenshilfe in der Königsbahnstraße Projekt Königsbahnstraße kommt in abgespeckter Form

Vor einem Jahr sahen die Pläne für das Großprojekt an der Königsbahnstraße in Neunkirchen noch etwas anders aus. Von den ursprünglich drei geplanten Baukörpern kommen jetzt erst einmal nur zwei. Die äußeren Umstände haben zur Umplanung gezwungen.

WZB und Lebenshilfe bauen in der Königsbahnstraße in Neunkirchen
Foto: Elke Jacobi

Drei Gebäude mit unterschiedlicher Nutzung auf dem 16 500 Quadratmeter großen Gelände in der Königsbahnstraße, das das Werkstattzentrum für behinderte Menschen der Lebenshilfe gGmbH (WZB) und das Lebenshilfewerk im Kreis Neunkirchen gGmbH (LHW) im Jahr 2019 gekauft hatten. Das war der Plan noch vor einem Jahr. Thomas Latz, Geschäftsführer beider Einrichtungen hatte das Modell des Architektenwettbewerbs-Siegers, Architekturbüro Brünjes aus Saarbrücken, damals der SZ vorgestellt: Gebäude eins mit Tagesförderstätte über zwei Stockwerke, Gebäude zwei mit integrativem Kindergarten und Gebäude drei mit Hofladen, Gastronomie und Tierartikelbedarfsmarkt mit der Lebenshilfe als Franchise-Nehmer. Alles zum Zwecke der Eingliederungshilfe. Um die Mitte diesen Jahres, so war der Plan, sollte es dann losgehen.

Die inklusive Kita soll auf jeden Fall gebaut werden

Doch erstens kommt es anders und zweitens als man denkt – das sagt schon ein altes Sprichwort. Und so haben sich Mitte 2023 die Planungen verändert. Geschuldet mehreren Unwägbarkeiten. Beispielsweise Bau eins. Hier, entlang der Königsbahnstraße, sollten zunächst zweigeschossig Tagesförderstätte Lebenshilfe und ein Arbeitsbereich des WZB untergebracht werden. Das Gebäude wird nun nur eingeschossig gebaut werden. „Gestiegene Zinsen und die Baukostensteigerung ließen in der ursprünglichen geplanten Form das Objekt in seiner Nutzung nicht mehr wirtschaftlich darstellen“, erklärt Latz. Erstellt wurde damals das Raumprogramm für eine zweigeschossige Nutzung, der neue Plan liege noch nicht vor.

Gute Nachrichten gibt es allerdings für Gebäude Nummer zwei. Hier kommt eine inklusive Kita mit drei Kita- und zwei Krippengruppen hin. Gerade am Vortag des Gesprächs mit der SZ sei der Plan vorgestellt worden. Das Ergebnis wurde bereits abgestimmt mit den jeweiligen Behörden, die in das Projekt involviert sind: dem Ministerium für Bildung und Kultur, dem Sozialministerium, der Kreisstadt und dem Landkreis mit Kreisjugendamt. Nächster entscheidender Schritt sei es nun den Auftrag zur Kostenschätzung zu erteilen. „Das ist wichtig zur Beantragung von Fördermitteln“, sagt Latz. Außerdem sei es wichtig, über den Trägereigenanteil von zehn Prozent zu verhandeln. „Den können wir nur stemmen, wenn der von der Kommune oder dem Landkreis übernommen wird, wie das in vielen Gemeinden schon üblich ist“, erklärt der Geschäftsführer. „Freie gemeinnützige Träger sind nicht in der Lage, Eigenanteile zu übernehmen.“ Sowohl für Investitionen als auch für laufende Betriebskosten brauche es finanzielle Lösungen mit der öffentlichen Hand. Allerdings sei er „sehr optimistisch“ mit Blick darauf, dass in Neunkirchen gerade eine ganze Kindergeneration in die Schule komme, ohne jemals in der Kita gewesen zu sein.

Die größte Herausforderung sei es dann, die nötigen Fachkräfte für den Betrieb der Kita zu finden. Möglicherweise müsse man damit rechnen, einen gewissen Zeitraum nicht in voller Stärke arbeiten zu können. „Ich glaube, dass dieses Angebot einer Kita für dieses Klientel, nämlich Kinder mit Behinderung, unbedingt erforderlich ist“, sagt Latz und erinnert auch an die Kita der Lebenshilfe in Mainzweiler. Bis Ende des Jahres, so hofft Latz, sollte die Planung abgeschlossen sein und in das Baugenehmigungsverfahren gehen können. Je nachdem, wie schnell das alles geht, wäre er froh, so der Geschäftsführer, wenn die Baugenehmigung Mitte 2024 durch wäre und dann zum Ende des kommenden Jahres mit dem Bau begonnen werden könnte. „Aber das ist sehr optimistisch“.

Gebäude Nummer drei liegt erst mal auf Eis

Und dann war da ja noch Gebäude Nummer drei. Zur Erinnerung: Tierbedarf, Hofladen, Gastronomie sollten hier einen Platz finden. Ein weiterer Absatzweg für den Wendelinushof sollte entstehen, hier vor allem für die St. Wendeler Landfleisch. Das alles wird allerdings vorerst Zukunftsmusik bleiben. Der Fachkräftemangel hat auch den Wendelinushof erreicht, hier fehlen Metzger und Ausbeiner. „Es wäre nicht möglich, die Mehrmenge für einen Hofladen in Neunkirchen zu erzeugen“, nennt Latz das erste Argument. Argument Nummer zwei: Die Kaufentwicklung im Hofladen St. Wendel ist mit Energiekrise und Inflation stark gefallen. „Insofern ist da Skepsis, dass ein solches Angebot zum jetzigen Zeitpunkt profitabel betrieben werden könnte. Wir werden dieses Projekt deshalb ganz nach hinten schieben.“ Verbunden mit gestiegenen Baupreisen und gestiegenen Zinsen, müsse man erst abwarten, ob sich die möglichen Umsatzerlöse noch einmal verbessern. „Es ist nicht so, dass das grundsätzlich gestorben ist.“

Am möglichen Betrieb von Tierartikeln als Franchisenehmer will man dennoch festhalten. Da suche man zurzeit geeignete Mietobjekte im Landkreis. Hier sollen auf jeden Fall Menschen mit Behinderung einen Arbeitsplatz finden. Und falls sich die Situation noch einmal verbessere, könne man dann umziehen oder man werde eben zwei Läden betreiben, je nachdem.

Statt klassischem Massivbau nun Holzbauweise

Die neue Herangehensweise hat man dem saarländischen Ministerium für Arbeit und Soziales mitgeteilt. „Dort weiß man um den Aufschub des Teilprojektes.“ Die Kostenschätzung von damals – die Rede war von einem Jahr von einem Projekt weit über zehn Millionen Euro – sei überholt, aufgrund der Baupreissteigerung sei mit deutlich gestiegenen Kosten zu rechnen. Da der Genehmigungszeitraum der Unteren Bauaufsicht schon eine Zeit zurückliege, hätten sich, so Latz, zudem viele Details geändert. Das betreffe beispielsweise die Zufahrt Königsbahnstraße oder den Brandschutz für Sonderbauten. Zu diesen neuen Rahmenbedingungen kommen dann noch neue Heiztechniken und energetische Gebäudestandards. „Wir haben uns intensiv mit den Architekten unterhalten über die Frage, wie das umzusetzen wäre“, sagt Latz. Nun denkt man statt eines klassischen Massivbaus an Holzbauweise. Schließlich müsse man zu allem anderen auch noch den Blick auf den Klimawandel haben: Nicht nur heizen im Winter, sondern auch kühlen im Sommer. Gemeinsam mit vielen Fachplanern für die einzelnen Bereich sei das Architekturbüro zurzeit dabei, die neuen Pläne zu bearbeiten. Freuen darf sich der Betreiber des auf dem Gelände stehenden Spielcasinos: Das bleibt auf jeden Fall noch bis Ende des Jahres erhalten.

Meistgelesen
Neueste Artikel
Zum Thema
Aus dem Ressort