Wundnetz Saar setzt auf Teamgeist

Wunden sind oft auf Durchblutungsstörungen und Diabetes zurückzuführen. Ihre Heilung verläuft schleppend und kann zu Knochenschäden und Amputationen führen. Das Wundnetz Saar will helfen. Ab 2015 soll es auch sogenannte Wund-Stammtische geben.

Eine 70-Jährige ist an Diabetes erkrankt. Sie hat Durchblutungsprobleme, und ihre Füße sind von einer Nervenstörung betroffen. Ihre durch die Diabetes entstandene, stark blutende Wunde an einem Fuß spürt sie wegen der geschädigten Nerven nicht. Sie geht viel zu spät zum Arzt, die Wundversorgung bringt keine Besserung. Schnell folgt das übliche Prozedere: Antibiotika werden eingesetzt, es kommt dennoch zu einer Infektion mit multiresistenten Keimen, die Knochen sind geschädigt, der Fuß wird amputiert. Der weitere Weg der nun bereits schwerkranken und pflegebedürftigen 70-Jährigen zieht sich von Operation zu Operation - dieser Ablauf ist kein Einzelfall, sondern traurige Realität.

Das landesweite Wundnetz Saar kümmert sich um Wundpatienten - nicht nur mit der Grunderkrankung Diabetes - und will bereits präventiv wirken. "Wir möchten schon im im Anfangsstadium eingreifen und mit einfachen, sinnvollen Mitteln helfen", sagt Dr. Matthias Frank, Chefarzt der Inneren Medizin des städtischen Klinikums Neunkirchen . Er ist Mitinitiator und Vorsitzender des landesweiten Wundnetz Saar , das vor zwei Jahren gegründet wurde. "Das Netzwerk hat, wie der Name schon andeutet, die Aufgabe, verschiedene Ärzte, Pflegedienste und Apotheker miteinander zu vernetzten und so gemeinsam dem Patienten zu helfen", erläutert der Vorsitzende. Derzeit besteht es aus 180 Mitgliedern. Das Netz sollte eingeschaltet werden, wenn bei einer Wunde nach drei bis vier Wochen immer noch keine Besserung in Sicht ist. Und das ist leider viel zu oft der Fall, betont Matthias Frank. Allein im Saarland gibt es aktuell 20 000 bis 25 000 Patienten mit chronischen Wunden. "Vielen kann nicht mehr geholfen werden", erklärt Matthias Frank. Oft sind es Diabetiker , die an chronischen Wunden erkranken. Saarlandweit gibt es derzeit 100 000 Diabetiker . Und Frank rechnet mit einer enormen Zunahme in den kommenden Jahren: "Die Menschen werden immer dicker und bewegen sich zu wenig." "Allein 80 Prozent derjenigen mit Durchblutungsstörungen leiden an Diabetes ", führt der Chefarzt weiter aus.

Für eine stärkere Vernetzung zwischen Unternehmen, Ärzten, Apothekern und Pflegediensten soll es ab 2015 auch so genannte Wund-Stammtische geben. Derzeit sind sie neben Neunkirchen auch in Homburg, Saarlouis, Rehlingen-Siersburg, Saarbrücken, Püttlingen und St. Ingbert geplant. Jeweils dreimal im Jahr soll sich dort über akute Probleme unterhalten werden. "Wir versuchen damit flache Hierachien zu finden", erläutert Matthias Frank. Oft hätten Mitglieder Hemmungen, bei einem Chef- oder leitenden Arzt anzurufen, dabei soll doch ein gemeinsames Konzept geschaffen werden, so der Vorsitzende weiter.

wundnetz-saar.de