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Wo Wildkräuter beschützt wachsen

 An der Haseler Mühle wird zurzeit der Samen des Löwenzahn geerntet. Am Saugrohr Martin Alt, auf dem Traktort Patrick Wahl. Foto: Hiegel
An der Haseler Mühle wird zurzeit der Samen des Löwenzahn geerntet. Am Saugrohr Martin Alt, auf dem Traktort Patrick Wahl. Foto: Hiegel FOTO: Hiegel
Wellesweiler. Der landwirtschaftliche Integrationsbetrieb zwischen Neunkirchen und Bexbach produziert regionales Saatgut und zieht aktuell 90 Arten auf gut vier Hektar. Das Bundesnaturschutzgesetz sorgt für einen Wachstumsmarkt. Claudia Emmerich

120 Tonnen Saatgut für heimische Wildkräuter und Gräser aus "gesicherter Herkunft" (siehe "Hintergrund") werden derzeit bundesweit im Jahr erzeugt. Für 2020 wird ein Bedarf von 2000 Tonnen erwartet. Das klingt nach Wachstumsmarkt.

Die Zahlen hat Jürgen Michel beim Termin mit unserer Zeitung parat. Michel leitet den landwirtschaftlichen Integrationsbetrieb Haseler Mühle bei Wellesweiler . Hier wird als Kerngeschäft regionales Saatgut produziert. Daneben gibt es eine Imkerei und einen Pferdehof. Zwölf Mitarbeiter sind aktuell auf dem Hof beschäftigt. Als Integrationsbetrieb arbeiten hier auch Menschen mit Behinderungen.

Rund 1,2 Millionen Euro stecken laut Michel als Investitionsvolumen in dem Betrieb, der als Projekt der Neuen Arbeit Saar (NAS) 2013 startete und im Folgejahr zur Tochtergesellschaft der NAS wurde. Fördermittel kommen vom Land und der Aktion Mensch. Die erntefähige bearbeitete Fläche liegt derzeit bei gut vier Hektar. Etwa 90 Arten werden gezogen. Deren branchenüblichen lateinische Namen übersetzt Fachmann Michel gleich ins Deutsche, damit der Laie sich etwas darunter vorstellen könne. Das reicht von Bocksbart über Ferkelkraut bis Vogel-Wicke. Zuerst wird das heimische Saatgut gesammelt, dann im Gewächshaus vermehrt, im Freien eingepflanzt, geerntet und zuletzt gereinigt und verpackt.

Die Haseler Mühle hat einen Abnehmervertrag mit der Firma Rieger-Hofmann, die mit Wildkräutern und Gräsern handelt. Mit dem Unternehmen stimmt Michel den Anbauplan ab, Rieger-Hofmann übernimmt die Vermarktung.

Mit dem Bocksbart, auch dem Rauen Löwenzahn oder dem Wiesen-Pippau startet in diesen Tagen die Ernte 2015 auf der Haseler Mühle. "So ganz genau weiß man nicht, was zuerst und wann kommt, das hängt auch vom Wetter ab", sagt Jürgen Michel, von Hause aus Landschaftsplaner mit Schwerpunkt Vegetationskunde. Am Tag des SZ-Besuchs regnet es, der Fotograf kommt zum Nachholtermin bei Sonnenschein. Das Nass von oben freut den Betriebsleiter und seinen Mitarbeiter Michael Esser, ausgebildeter Landwirt. Im April und Mai, so die beiden, sei zu wenig vom Himmel gefallen.

Die Erntezeit wird wohl Ende September mit dem Wolfs trapp abgeschlossen. "Wir versuchen so viel wie möglich rauszuholen", sagt Michel. Mit Maschinen und Handarbeit. "Vom Himmel fällt nichts", lächelt Michel. "Nur der Regen."

Die Haseler Mühle jedenfalls will mit dem Markt wachsen, bis 2020 Produktion, Pflanzenarten, Fläche und auch Mitarbeiterzahl ausbauen.


Zum Thema:

Hintergrund"Gesicherte Herkunft" ist ein Qualitätskriterium bei der Ausschreibung von Samenmischungen für Gras- und Kräutersaaten. Ab 2020 sieht das Bundesnaturschutzgesetz vor, dass Saatgut für die freie Landschaft - etwa Begrünen von Straßenrändern oder Uferböschungen, für ökologische Ausgleichsmaßnahmen bei Bauprojekten - aus zertifizierter regionaler Herkunft stammen muss. Bis zum Jahr 2020 gilt eine Soll-Bestimmung. cle