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Wo Straßennamen im Landkreis Neunkirchen herkommen.

Sie wollten wissen, woher ihr Straßenname kommt : Weil einst im „Vogelsang“ die Vögel wohnten

Jede Straße braucht einen Namen. Das ist nicht immer einfach. Und oft erschließt sich nicht, woher der Name kommt. Die SZ recherchiert die Herkunft von Straßennamen im Landkreis.

Viele Leser haben sich bereits auf unseren Aufruf hin gemeldet und wünschen sich zu wissen, woher ein bestimmter Straßenname kommt. Das Herauszufinden ist nicht immer ganz so einfach. Gott sei Dank gibt es überall im Landkreis Menschen, die sich der Erforschung der Heimat verschrieben haben und gerne weiterhelfen. Vielfach kommt man bei der Recherche nach dem Ursprung eines Straßennamens schnell an den Punkt, bei dem es heißt: benannt nach dem Flurnamen. Doch was hat es damit auf sich? Woher kommt der Flurname eigentlich? Der Neunkircher Heimatforscher Armin Schlicker, Autor des „Straßenlexikon Neunkirchen“, das der Historische Verein Stadt Neunkirchen herausgegeben hat, weiß: „Die Flurnamen sind ein großes Problem.“ Oft, so erklärt er der SZ auf Anfrage, seien sie bereits bis zu 600 Jahre alt, die Herkunft nur noch sehr schwer nachzuvollziehen. Was er weiß: Früher, da sei der Vater mit dem Sohn oft das Grundstück abgelaufen, dabei habe sich dann auch der Name gebildet. Doch nur manche lägen wirklich auf der Hand. Oft sei ein Name nicht mehr wirklich nachvollziehbar. Klar ist für ihn auf jeden Fall: Den Ursprung herauszufinden ist ein schwieriges Unterfangen.

Robert Kirsch hat sich diesem Unterfangen gestellt. Für die Wemmetsweiler Heimatblätter hat Kirsch die alten Flurbezeichnungen des Ortes untersucht, sie aufgelistet und ihren Ursprung erforscht. Dabei konnte er sie in verschiedene Kategorien unterteilen: Größe, Gestalt, Lage; Eigenschaften des Bodens; Anbauart und Nutzen; Landgewinnung und Kultivierung; Grenzbezeichnungen; Feudalzeit; Pflanzen- und Tiernamen; Körperteile; Eigennamen; Gewässer; Waldbezeichnungen; Religion und Kirche; Handwerk und Gewerbe.  Und so dauert es dann auch nicht lange, bis der Leiter des Heimatmuseums Wemmetsweiler, Hans-Jürgen Glaab, der SZ die Leser-Anfrage beantworten konnte.

Wo kommt die Bezeichnung für die Straße „Zum Striedt“ in Wemmetsweiler her, wollte der Leser wissen. Der Name geht hier auch auf die Flurbezeichnung zurück, wie Glaab erläutert. Laut Robert Kirsch wird Striedt nochmals in „Unterst Striedt” und „Oberst Striedt” unterteilt.  Bewachsenes Sumpfland bezeichnete man im Mittelhochdeuschen als „struot“ oder „strut“. Der Begriff war und ist links und rechts des Rheins sehr gebräuchlich. Für das heute bebaute Gebiet östlich der Ill taucht er erstmals 1595 im Illinger Salbuch auf: „in der strut hinder den dhalbennen”. „Unterst Striedt” bezeichnet jenen Teil der ehemaligen Brückenstraße, der sich bis zur Ambrosiusstraße hinzieht, „Oberst Striedt” bezeichnet den Bereich zwischen Bahnhofstraße und Rathaus. Der Flurname und damit auch der Straßenname kommt hier also von der Bodenbeschaffenheit.

Auch die Straße „Auf Maien“ in Neunkirchen, deren Herkunft Eva Mersdorf gerne gewusst hätte, geht auf die Flurbezeichnung zurück. Für die Straße im Wohngebiet im Altseiterstal ist der genaue Ursprung allerdings nicht so ganz klar wie in Wemmetsweiler. Hier weiß man nur, so Armin Schlicker in seinem Buch, dass die Flurbezeichnung „Auf Maien“ oder „Auf der Maien an der Altseiters“ hieß und auf die alte Flurbezeichnung „Auf Meyen“ für das Gebiet des heutigen Schaumbergringes zurückgeht. Die Straße entstand 1990 im Zuge der Erweiterung des Wohngebietes  Altseiterstal.

Ähnlich sieht es aus mit der Straße „Auf Arlers“ in Wiebelskirchen. Für den Ursprung dieses Namens hat  sich auch ein Leser interessiert. Die Straße am nördlichen Ortsausgang von Wiebelskirchen hat ihren Namen von der Flurbezeichung „Auf/Hinter Arlers“. Angelegt wurde sie in den späten 1970er Jahren. Was die Straße einzigartig macht: Sie ist die einzige Straße in Deutschland, die so heißt, wie die SZ-Recherche ergab (Quelle: Straßen in Deutschland). Möglicherweise könnte ein Eigenname Ursprung sein und auf ehemalige Eigentümer hinweisen. So steht der Familiennname Ahlers oder Arlers für Adelhards Sohn (Quelle: forbears).

Ganz eindeutig hingegen ist der Ursprung der Straße „Im Vogelsang“ in Wellesweiler, den Werner Patton gerne gekannt hätte. Die erste Vermutung, dass die Straße etwas mit dem Gesang der Vögel zu tun haben könnte, stimmt nicht direkt. Denn, so hat es Heimatforscher Friedrich Bach im Wellesweiler Heimatbuch von 1952 geschrieben: Der Wortteil „sang“ kommt von sengen, brennen. Denn dort, wo 1975 die reine Wohnstraße am Rande des Industriegebietes Heidenhübel entstand, war einst ein Waldstück, das durch Abbrennen gerodet wurde. Die abgebrannten und üppig nachwachsenden Buschhölzer machten zahlreiche Vögel zu ihrer Heimat und so gaben die Vögel im abgesengten Gehölz der Straße ihren Namen.

Einen sehr ungewöhnlichen Ursprung hat wohl die Straße „In den Masuren“ in Hirzweiler. Wissen, woher der Name kommt, wollte gerne René Dils. Wie der Pressesprecher der Gemeinde Illingen, Thomas Keller, vom ehemaligen Hirzweiler Ortsvorsteher Helmut Grob in Erfahrung bringen konnte, hat der Name tatsächlich mit Polen zu tun. Im Zweiten Weltkrieg seien verhältnismäßig viele Hirzweiler Bürger im Bereich der Masuren gefallen. Als man nun einen Namen für das in den 70er Jahren erschlossene Gebiet gesucht habe, habe man sich für einen Namen zum Gedenken an die Gefallenen entschieden. Eine zweite Vermutung,  das Gebiet so zu nennen, weil es dort sehr sumpfig sei und man deshalb besondere Vorkehrungen treffen müsse, hält Keller hingegen für sehr fragwürdig.

Die Verbindungsstraße vom Altseiterstal zur Spieser Straße ist der „Rodenheimweg“ in Neunkirchen. Woher aber kommt der Name dieser Hauptzugangsstraße aus Richtung Stadtmitte ins Wohngebiet Altseiterstal, wollte Carmen Dietz wissen. Mitte der 1960 entstand die Straße, die auf die Flurbezeichnungen „Vorn auf Rodenheim“ und „Hinten auf Rodenheim“ zurückgeht. Und dazu gibt es eine Geschichte. Denn einer der Schulgärten, die es im 19. Jahrhundert in Neunkirchen gab und die Obstbäume für gemeindeeigenen und privaten Bedarf heranzogen, lag an der Spieser Straße im Flur „Hinten auf Rodenheim“. Das Gelände ging 1880, so schreibt Armin Schlicker in seinem Buch, als Pacht an das Landwirtschaftliche Kasino, dann an den Landwirtschaftlichen Verein. Es ging darum, Wildlinge zu züchten, deren Veredlung alle, die es interessierte, lernen sollten. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Garten aufgelöst, das Land an Bauwillige verkauft. Noch heute stehen hier einige Obstbäume von damals.

Eine echte Herausforderung stellte die Recherche nach dem Ursprung des Namens „Paul-Marien-Straße“ in Calmesweiler dar. Manuela Guthörl hatte dazu geschrieben, dass sie in der Schule vor vielen Jahren die Aufgabe bekommen hatte, herauszufinden, woher der Name kommt. Ein Heimatforscher hatte ihr damals, so schreibt sie der SZ, gesagt, er sei nach der gleichnamigen Straße in Saarbrücken benannt. Dass da sicherlich ein Zusammenhang besteht, das scheint auf jeden Fall offensichtlich. Es sei vorweg geschickt: Paul Marien ist nicht der Name eines Mannes. Er ist ein Konstrukt und kam so zustande: Der Unternehmer  Emil Haldy und seine Frau Charlotte Sophie, so sagen es mehrere Quellen, hatten sich um 1880 eine herrschaftliche Villa in Saarbrücken bauen lassen. Nach dem frühen Tod ihrer beiden jüngsten Kinder Paul und Maria gaben sie einen Teil ihres Vermögens in eine Stiftung. So wurde auch die als Wohnhaus geplante Villa der evangelischen Kirchengemeinde St. Johann als Alters- und Waisenhaus übergeben. Im Gedenken an die beiden Kinder heißt die Stiftung Paul-Marien-Stiftung, das Haus Paul-Marien-Haus. Heute ist das Haus Teil des evangelischen Krankenhauses und gehört zur Kreuznacher Diakonie. Es ist heute Sitz des Paul-Marien-Hospizes. Als Dankeschön an den Spender wurde vermutlich dann auch die Straße und eine Brücke in Saarbrücken nach den beiden Kindern benannt. Der Unternehmer Haldy war übrigens auch Inhaber der Kokerei in Heinitz und mit seinem Sohn Mitbegründer der Völklinger Hütte. Es könnte also gut möglich sein, dass man den Unternehmer mit dieser Straßenbezeichnung in Calmesweiler für eine Straße mit mehreren Firmensitzen ehren wollte, indem man ebenfalls die Namenskombination der beiden verstorbenen Kinder benutzte. Wobei letzteres reine Spekulation und Schlussfolgerung ist, für die im Verlaufe der Recherche kein Beleg gefunden werden konnte. Allerdings war die Familie Haldy im Kreis sehr wohl aktiv. Und nicht nur in der Kokerei Heinitz. In Merchweiler war ein Brennholzlager, dort, wo heute der Sportplatz ist, der nach der Industriellen-Familie benannt ist: Der Sportplatz Haldy.

Sie möchten auch gerne wissen, wie ein bestimmter Straßenname im Landkreis Neunkirchen entstanden ist? Dann mailen Sie uns an rednk@sz-sb.de oder rufen Sie an, TElefon (06821) 9046453. Wir recherchieren für Sie.