“Wir werden nicht ausziehen”

Die Probleme im Corona-Haus in der Neunkircher Innenstadt sind seit Jahren bekannt. Jetzt will die Stadt durchgreifen und droht mit der Sperrung von 13 Wohnungen. Die Mieter kündigen Widerstand an.

Es war ein schlichtes Blatt Papier, das die Stadt Neunkirchen im Corona-Haus in der Innenstadt verteilt hat. "Aufgrund von Brandschutzmängeln im Gebäude Bahnhofstraße 51 bitten wir den Mieter dieser Wohnung um Vorsprache im Rathaus", stand da. Nun sind die Probleme mit dem Brandschutz im größten Haus in der Innenstadt nicht neu. Immer wieder gab es in der Vergangenheit falschen Alarm, an manchen Tagen musste die Feuerwehr gleich vier Mal ausrücken, ohne dass tatsächlich Gefahr bestand. Doch die knappe Einladung der Stadt hat Sprengkraft.

Die Untere Bauaufsicht will nämlich womöglich 13 Wohnungen im Haus sperren. Drei Wohnungen stehen ohnehin leer, in zehn Fällen käme diese Entscheidung allerdings einer Kündigung gleich. Der Grund für den Entschluss der Stadt: in dem neunstöckigen Haus gibt es nur einen Fluchtweg über das Treppenhaus. Die meisten Mieter könnten zwar im Notfall von der Feuerwehr durch die Fenster gerettet werden. Doch weil die 13 Wohnungen , die jetzt geschlossen werden sollen, zur Blies hin liegen, sind die Fenster für die Feuerwehr nicht zu erreichen. Die geplanten Bauarbeiten an der Bliespromenade dürften die Situation wohl auch noch weiter verschärfen. "Wir müssen hier nun endlich handeln. Wenn es brennt, dann sitzen die Menschen dort regelrecht in der Falle. Dieser Zustand ist nicht mehr haltbar", lässt Bürgermeister Jörg Aumann mitteilen.

Seit Längerem gebe es eine Mängelbeseitigungs-Anordnung der Feuerwehr mit 42 Punkten. Die seien allerdings nur "zu einem Bruchteil behoben" worden, wie die Stadt mitteilt. Zudem seien Anordnungen der Bauaufsicht , einen zweiten Rettungsweg zu schaffen, Rauch- und Wärmeabzugsanlagen in den Treppenhäusern zu installieren und die bestehende Treppe zu sanieren, "seit Monaten nicht erfüllt" worden.

Eigentümer des Hauses ist nach SZ-Informationen immer noch Peter Ruffing aus Neunkirchen . Er war gestern für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Allerdings gab es in den vergangenen Jahren mindestens zwei Versuche, das Gebäude zu verkaufen, zuletzt an einen brasilianischen Investor. Doch beide Anläufe scheiterten. Derzeit steht das Haus im Internet zum Verkauf - für 5,25 Millionen Euro.

Für die Stadt scheint die Sperrung die einzige Handhabe zu sein. Zwangsgelder würden nicht helfen, weil die "beteiligten Banken Mietpfändungen der Stadtkasse verhindern". Auch Mieter berichten, sie würden die Miete auf unterschiedliche Konten einzahlen. Deshalb hört die Stadt jetzt die Bewohner an und will eine Nutzungsuntersagung für die 13 Wohnungen an den Eigentümer aussprechen. Für die Mieter würde das bedeuten, dass sie binnen zwei bis drei Monaten ausziehen müssen.

Damit trifft die Stadt aber auf teils erbitterten Widerstand. "Wir werden auf keinen Fall ausziehen", kündigt eine langjährige Mieterin, die nicht genannt werden will, an. Sie hätte viel in ihre Wohnung investiert und die Lage sei ideal. Zudem sei ein Umzug auch durch den seit Wochen defekten Aufzug aus den oberen Etagen kaum möglich. Die Stadt kündigt in ihrer Mitteilung zwar an, den Mietern bei der Wohnungssuche "beratend" zu helfen, doch angemessener Wohnraum in zentraler Lage ist knapp.