Friedensgebet: „Wir sind weit gekommen“

Friedensgebet : „Wir sind weit gekommen“

Interreligiöses Friedensgebet von Christen, Moslems und Bahai – erstmals in der Gebläsehalle.

„Wir leben in einer unfriedlichen Zeit“, zerrissen und voller Konflikte. Doch „es hat keinen Sinn, immer mehr Waffen zu fordern“. Im Gegenteil: Man müsse einen Gewaltverzicht anstreben, was grundsätzlich eine Dialogbereitschaft voraussetzt. Das stellte Pfarrer Bertram Weber dem Neunkircher Friedensgebet der Religionen vorweg – eine Veranstaltung, die seit 26 Jahren genau das tut: den Dialog über Sprach- und Kulturgrenzen hinweg ermöglichen und fördern.

Diesmal waren knapp 60 Besucher gekommen. Einer Doppelbuchung wegen hatte man kurzfristig von der Reithalle in die Gebläsehalle ausweichen müssen, was gerade für die älteren Gäste an diesem Schlechtwettertag beschwerlich war. Doch der Zusatzweg lohnte sich. Übertrug sich doch die Erhabenheit und Größe des Raumes ein Stück weit auf die Stimmung. Als erster las Pfarrer Uwe Schmidt den Psalm 121 vor: „Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen: Woher kommt mir Hilfe? Meine Hilfe kommt vom Herrn … “ Ausgewählt habe er dieses Gebet, „weil es uns mit den Menschen des jüdischen Glaubens verbindet“. Für Schmidt ist Frieden „etwas Allumfassendes, Ganz-Sein, Heil-Sein, Beschützt-Sein, es heißt für mich aber auch, in Frieden leben zu können“.

Danach stimmte Imam Hamza Atlak mit voller, melodischer Stimme auf Arabisch eine Sure des Korans an. „Oh die ihr glaubt! Lasset nicht ein Volk über das andere spotten.“ Am Ende fielen die anderen Mitglieder der Türkisch islamischen Gemeinde in den Gesang ein. Diese Stelle des Korans stehe für die Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau. Sie zeigt zudem, „dass alle, die an Gott glauben, Geschwister sind“ und dass „die Menschen in Liebe und Respekt gemeinsam leben können“, übersetzte Eyüp Kaya die Ansprache des Iman. Der warb dafür, sich „in die Lage des Anderen hineinzuversetzen“, um ihn zu verstehen – was Frieden stiftet.

Als letzte der drei vertretenen Glaubensrichtungen kamen die Bahai zu Wort. Susanne Maas gab ein Gebet Bahá‘u‘lláhs wieder, dem Religionsstifter des Bahaitums. Darin fordert Mirza Husain-ʿAli Nuri die Gläubigen auf, die Einheit zu bewahren, die alle in Gottes Himmel und auf Gottes Erde umfasst. „Da ist Hoffnung drin“, betonte Susanne Maas. „Wir sollten nicht zweifeln, dass Weltfrieden möglich sein kann. Das sollte man sich bewahren.“

Im Anschluss bestand die Möglichkeit, Fragen zu stellen. So wurde geklärt, dass es sich bei dem Gesang der Muslime um ein Loblied gehandelt habe, einen „Gruß an den Propheten“, „ähnlich dem Halleluja der Christen“, so Nihat Güler und Umut Kahya. Sie stellten noch einmal ganz deutlich heraus, dass im Islam sowohl die Bibel, als auch die Psalmen und die Thora, neben dem Koran, als Bücher Gottes verehrt werden. „An alle vier sollen wir glauben.“ Conni Aiff, die mit ihrem, Mann Tom aus Saarlouis zu Gast war, lud spontan dazu ein, mit ihr das „Allah-u-Abha“ anzustimmen, auf Deutsch: „Gott ist der Allherrliche“. Mit diesen Worten begrüßen sich die Bahai an besonderen Festtagen – für Conni Aiff eine weitere verbindende Geste zwischen den Religionen.

Brit Goedeking vom gastgebenden interreligiösen Arbeitskreises Neunkirchen freute sich darüber, dass sich über die Jahre „so viel Vertrauen“ aufgebaut hat, welches es ermöglicht, in solch einer Runde frei zu sprechen und zu singen – auch in einer Sprache, deren die anderen nicht mächtig sind. „Das wir so etwas zulassen können“, sei wunderbar und zu den Anfängen des Friedensgebetes noch nicht möglich gewesen. „Wir sind weit gekommen.“