Wiederhören mit beliebten Ohrwürmern

Wiederhören mit beliebten Ohrwürmern

Eine moderne Version des Offenen Singens hat Detlev Schönauer im Erdmann's gestaltet. Mit Liederbüchern ausgestattet, ließ sich das Publikum nicht lange bitten und stimmte bei „Country Roads“ und „Que sera“ mit ein.

Singen geht überall, am Besten daheim unter der Dusche. Rein theoretisch jedenfalls. Wenn man die Texte immer gleich so wüsste. Und dann fehlt natürlich auch noch die instrumentale Begleitung für die Einsätze und Pausen und schwierigen Passagen - so gesehen, hat es durchaus Sinn gemacht, am Donnerstagabend trotz Sahara-Hitze das Erdmann's aufzusuchen und Geld dafür hinzulegen, um mit Gleichgesinnten der Sangeslust frönen zu können.

Als charmanter Chorleiter und Conférencier erwies sich Detlev Schönauer , der das Karaoke-Event nach Münchner Vorbild (wir berichteten) ins Leben gerufen hat.

Die Premiere war ein im wahrsten Sinne des Wortes voller Erfolg. Mit 45 Besuchern, davon ungefähr zwei Drittel Frauen, war das schlauchförmige Lokal mit der kuscheligen Wohnzimmeratmosphäre quasi ausverkauft. Trotz Enge herrschte von Anfang an die heitere Stimmung einer Landheimfahrt, bei der auf den Bussitzen gefrotzelt, gegessen und getrunken, getuschelt, gesungen und lauthals gelacht wird. Textsicher musste keiner sein dank der kleinen "Liederbücher" und, doppelt hält besser, den per Beamer auf die Leinwand "geworfenen" Versen.

Und dann ging es auch schon los. Von "Take ME Home, Country roads" über "Aux Champs-Élysées" und "Que sera" bis hin zu "Guantanamera" und "Aber bitte mit Sahne" gab es ein Wiederhören und -singen mit etlichen Ohrwürmern, begleitet von Bistrowirt Jacques auf der Gitarre oder am Klavier. Die Voraussetzung: Der Song muss schon ein paar Jahrzehnte auf dem Buckel haben oder - wie im Fall der mit Begeisterung begrüßten Volkslieder à la "Der Mond ist aufgegangen" - ein paar Jahrhunderte.

Zwischen den Titeln ließ sich der Kabarettist Schönauer über Handymanie ("früher wurde vor dem Essen gebetet, heute fotografiert"), Essgewohnheiten ("Vegetarier sind die, die unserem Essen das Essen wegessen") und der Entstehungsgeschichte des einen oder anderen Liedes aus. Aber nicht zu lange, dann galt es, "wie in der Kirche", schon wieder die nächste Nummer aus dem Liederbuch anzusagen. Wobei trotz zügigen Tempos nicht alle 60 Lieder zu schaffen waren.

Gut gefallen hat der Abend unter anderem Claudia Martin aus Neunkirchen . Wobei es noch schöner gewesen wäre, "wenn die Leute nicht so viel rein gequatscht hätten". Natürlich singt die Buchhalterin zu Hause, gern auch mit ihrem Sohn, aber hier in dem Rahmen - zwischen Kitsch und Kunst, unter den Blicken der fröhlichen Rolling Stones und des entsetzten Dalís (gemalt von Sylvia König) - sei es noch einmal etwas Besonderes. Die Liederauswahl sei genau richtig: "Damit bin ich aufgewachsen." Tischnachbarin Gertrud Jochum war aus Wemmetsweiler her gepilgert und hat es nicht bereut. Würde es noch mal "Let's sing" heißen, wäre sie wieder dabei.