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Wie Schulen im Kreis Neunkirchen heute die Corona-Pandemie meistern

Schulen im Kreis Neunkirchen : „Größtes Problem ist nicht Mangel an Lernen“

Drei Schulleiter aus dem Kreis Neunkirchen berichten, wie Bildungshäuser die Pandemie im Alltag meistern.

Vor etwa einem Jahr kam das Corona-Virus nach Deutschland, seit zehn Monaten sind Corona und Covid-19-Erkrankung im Kreis Neunkirchen ein Teil des Alltags. Diese Zeit bedeutete für die Schulen im Kreis enorme Veränderungen, die zweiten Corona-Prüfungen stehen bereits vor der Tür. Wie sich in den Bildungshäusern der Umgang mit der Pandemie eingespielt hat, darüber berichten drei Schulleiter.

„Corona bestimmt unseren Alltag, Corona erscheint als der .neue Zeitgeist’, der in allen Bereichen des Lebens großen Einfluss hat“, erklärt Martin König. Der Schulleiter der Gemeinschaftsschule Eppelborn erlebt einen Sprung in der Digitalisierung: „Schülerinnen und Schüler, Eltern und auch Lehrerinnen und Lehrer haben in den vergangenen Wochen und Monaten im Crashkurs vieles gelernt. Langfristig werden wir diese Thematik in unser Konzept aufnehmen und Schülerinnen und Schüler so früh wie möglich mit digitalen Lernplattformen vertraut machen und auch wir Lehrerinnen und Lehrer werden uns in diesem Bereich systematisch fortbilden müssen.“

Der Illinger Schulleiter Christoph Schreiner. Foto: Andreas Engel

Die Lockdown-Maßnahmen hält der Eppelborner Schulleiter prinzipiell für sinnvoll. Er hätte sich aber manches dennoch anders gewünscht. Infektionsschutz, Gesundheitsschutz und der Schutz des Individuums stünden an allererster Stelle. König: „Ich möchte Gesundheitsschutz nicht gegen Bildungsrecht aufwiegen, allerdings erfordern diese besonderen Umstände eben besondere Maßnahmen und das ist in meinen Augen auch die erhebliche Kontaktreduktion in Schulen.“ Das habe auch Auswirkungen. Ihm sei deutlich bewusst, dass große Defizite entstehen im sozialen Umgang, der sozialen Kommunikation unter den jungen Menschen. Der Schulleiter: „Auch im digitalen Unterricht bleiben Kinder teilweise auf der Strecke, trotz aller Bemühungen der Beteiligten. Es geht eben nichts über den sozialen Kontakt, die soziale Interaktion und Kommunikation im Unterricht vor Ort.“ Der digitale Unterricht sei für alle Betroffenen noch immer eine Herausforderung. Meist fehlten die digitalen und medialen Infrastrukturen zuhause, aber auch in den Schulen. König: „Es gibt sehr wohl Vorzeigebeispiele an Schulen, die sehr gut in diesem Bereich ausgestattet sind. Insgesamt behaupte ich, dass es in diesem Bereich noch ganz viel Luft nach oben gibt.“

Der Eppelborner Schulleiter Martin König. Foto: König

Die technischen Voraussetzungen seien mittlerweile besser, lautet die Einschätzung von Christoph Schreiner, Leiter des Illtal-Gymnasiums in Illingen. Das „Online-Lernen“ indes bleibe für die Schüler eine schwierige Situation. „Es ist sicher so, dass die Bedingungen daheim nicht überall gleich sind“, stimmt er mit seinem Eppelborner Kollegen überein. Aber viele Elternhäuser hätten in Bezug auf Internet-Verbindungen und Endgeräte nachgerüstet, erläutert er aus seiner Perspektive. 80 Tablets habe das Gymnasium vom Kreis bekommen und an die weitergegeben, die sie benötigen. Für die jüngeren Jahrgänge bestehe die Möglichkeit der Notbetreuung an der Schule. Unter Aufsicht könnten die Schülerinnen und Schüler dann ihre Aufgaben am Computer in der Schule machen. Schule in Zeiten von Corona laufe „im Großen und Ganzen“ am Illtal-Gymnasium, aber er könne nicht sagen, dass dies die beste Lösung sei. Schreiner: „Die normale Präsenz an der Schule ist das beste für die Kinder. Aber das muss unter den aktuellen Bedingungen die Politik entscheiden.“

Der Neunkircher Schulleiter Clemens Wilhelm. Foto: Katja Sponholz

Da er selbst eine Tochter daheim habe, wisse er um die Belastung der Familien, um die Schwierigkeit, die Motivation hochzuhalten. Und auch die Lehrer hätten mehr zu tun durch die Umstellung von analog auf digital, durch das Einsammeln und Sichten von Arbeitsergebnissen.

Um die Motivation hochzuhalten, machen Klassen der Neunkircher Ganztagsgemeinschaftsschule GGSNK einen digitalen Morgenkreis. Oder Schüler melden sich morgens bei ihrer Lehrerin oder ihrem Lehrer an, wenn sie in den Tag starten. „Wenn das nicht klappt, ruft auch mal der Schulleiter bei der Familie an“, sagt Clemens Wilhelm. Der Chef der größten Neunkircher Schule (von den Berufsschulen abgesehen) sieht ganz unterschiedliche Entwicklungen in der Pandemie: „Wir haben viele, die aufblühen, die uns überraschen.“ Aber natürlich gebe es auch das Wegducken. Analog zum körperlichen Schulschwänzen früherer Tage also auch ein digitales. Das Thema Selbstorganisation brauche Anleitung. An der GGSNK habe man festgestellt, dass es genügend Struktur bedürfe, um die Schüler mitzunehmen. Die Anzahl der Meetings, die Videokonferenzen zwischen Lehrenden und Lernenden, sei gewachsen.

Etabliert habe sich eine digitale Pinwand, die den jungen Leute altersgerecht zeige, was sie zu tun haben. Manches macht dem Schulleiter Mut: „Ich habe neulich einen Screenshot von einer Klasse bekommen aus dem Sportunterricht. Sie waren alle in Sportklamotten, während sie im Kinderzimmer oder sonstwo ihre Übungen gemacht haben.“

Wer auf seine schriftlichen Abschlussprüfungen zusteuert, befindet sich wieder im Präsenzunterricht. Es sind die zweiten Corona-Prüfungen bei Abitur, Mittlerem Bildungsabschluss und Hauptschulabschluss. Das Abitur, führt Martin König aus, wird als zentrale Abschlussprüfung gestaltet, die anderen Abschlüsse finden in diesem Jahr erneut als schulinterne Abschlussprüfungen statt. Aufgrund der besonderen Umstände sei er der Bildungsministerin Streichert-Clivot dankbar dafür. Auch Clemens Wilhelm sagt: „Es geht jetzt auch darum, den Kindern gegenüber gerecht zu sein.“ Faire Prüfungen zu machen, die die Corona-Situation berücksichtigten, aber zugleich keine Abstriche an der Qualität bedeuteten. Fürs Abitur, sagt Christoph Schreiner, stünden zwei Wochen mehr Zeit zur Vorbereitung zur Verfügung. Start ist am 23. April. Wie im vergangenen Jahr dürften sie am Illtal-Gymnasium wohl in der Turnhalle abgelegt werden.

Und wenn Corona einmal kein Thema mehr sein sollte? Das ließe alle aufatmen. „Ich persönlich freue mich auf eine solche Zeit. Wenn ich mir auch sehr sicher bin, dass diese besondere Zeit unsere Zukunft nachhaltig prägen wird. Der soziale Umgang miteinander, die Schul- und Bildungslandschaften und auch das einzelne Individuum wird langfristige Umstrukturierungen verzeichnen“, sagt König. Lernen solle dann wieder auf sozialer Ebene angesiedelt werden und Aufwertung erfahren im Sinne von „Ich darf lernen, statt ich muss lernen“.