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Kirchen-Immobilien
„Wie schön ist es, Gast zu sein“

Vertreter der Evangelischen Kirchengemeinde Neunkirchen und der koptischen Gemeinde vor der Neunkircher Pauluskirche. Am Montag feierten sie die offizielle Schlüsselübergabe. Mit feinen orientalischen Häppchen.
Vertreter der Evangelischen Kirchengemeinde Neunkirchen und der koptischen Gemeinde vor der Neunkircher Pauluskirche. Am Montag feierten sie die offizielle Schlüsselübergabe. Mit feinen orientalischen Häppchen. FOTO: Jörg Jacobi / Jörg jacobi
Neunkirchen. Die Evangelische Kirchengemeinde Neunkirchen hat Pauluskirche und Pauluszentrum an die koptische Gemeinde in Deutschland verkauft. Von Claudia Emmerich

„Wie schön ist es, Gast zu sein.“ Britt Goedeking kamen die Worte am Montagnachmittag aus dem Herzen. Die Pfarrerin, ihr Kollege Pfarrer Uwe Schmidt, Finanzkirchmeister Hans-Jürgen Ruppenthal und weitere Vertreter der Evangelischen Kirchengemeinde Neunkirchen saßen zum ersten Mal als Gäste am Tisch im Paulussaal. Die Gastgeber-Rolle kommt jetzt den neuen Eigentümern zu: Die Gemeinde der ägyptischen Kopten in Deutschland hat Pauluskirche und Pauluszentrum in der Schloßstraße am Oberen Markt gekauft (siehe „Info“). Angereist aus dem Kloster im hessischen Waldsolms-Kröffelbach (nahe Wetzlar) waren Bischof Michael und Priester Tawadros. Bischof Michael steht den Kopten in Süddeutschland vor (www.kopten.de). Bei selbstgemachten orientalischen Leckereien – süß und pikant – ließ sich in lockerer Runde plaudern. Auch über den anscheinend unkomplizierten Immobilien-Deal.


Hintergrund: 2015 hatte die Kirchengemeinde entschieden, drei ihrer sechs Predigtstätten aufzugeben. Entwidmet wurde am 18. Oktober die Friedenskirche Beerwaldweg, am 13. Dezember die Kleinkirche Kohlhof und am 12. Juni 2016 die Pauluskirche. Überleben sollen Christuskirche Neunkirchen-Innenstadt, Martin-Luther-Haus Furpach und Paul-Gerhardt-Haus Wellesweiler.

Um das Reformationsfest 2017 sei der Kontakt für einen Verkauf/Kauf Pauluskirche und Pauluszentrum entstanden, erzählt Pfarrer Schmidt. Kontaktmann: Ibrahim Nessim, Apotheker aus Furpach. Einige Gespräche, ein Ortstermin (mit Bischof Michael), ein schriftliches Angebot – beide Seiten fanden schnell zusammen. Kaufpreis: 180 000 Euro. Nach ägyptischem Verständnis, so Ruppenthal, war damit der Handel schon perfekt: „Ein Wort, ein Handschlag gilt.“ Aber der deutsche Verfahrensweg war einzuhalten: 20. Februar Notar-Termin, 5. Juni Genehmigung der Landeskirche. An diesem Sonntag, 1. Juli, nun will Bischof Michael wieder anreisen und die erste Messe in der Pauluskirche halten.



Bisher, berichten Daniel Mohareb und Farrag Hani, sei Bitburg die nächste Kirche für sie gewesen. Neunkirchen soll nun ein Angebot sein für ägyptischen Kopten im südwestdeutschen Raum, auch im nahen Frankreich. Wie viele Kopten kommen, lasse sich schwer abschätzen: „Es wird sich herumsprechen.“ Ihre Zahl in Deutschland ist wegen der politisch-gesellschaftliche Lage in Ägypten in den letzten Jahren gestiegen. Das wollte die Runde im Paulussaal jedoch öffentlich nicht zum Thema machen.

Baulich bleibt alles. Die Kirche soll sich nach und nach mit Bildern und Figuren füllen, so die neuen Besitzer. Vorstellbar seien auch Fortbildungen im Neunkircher Zentrum. Ein Ziel ist zudem, so Nessim: „Die Glocken im Turm sollen irgendwann wieder läuten.“

„Wir sind dankbar, dass eine christliche Gemeinde dieses Haus kauft“, sagt Pfarrerin Goedeking. Die Kirchengemeinde könne erfahren, dass hier Christen geschwisterlich, partnerschaftlich einziehen und ihren Glauben leben. „Das kann auch eine Bereicherung für die Stadt Neunkirchen sein“, sagt Ruppenthal. Die Messe werde in Koptisch-Arabisch und Deutsch gefeiert, sagt Nessim. „Die Türen hier sind offen“, heißt es in der Runde.

Noch einmal zu den Immobilien der Kirchengemeinde. Die Kleinkirche Kohlhof sei verkauft, werde privat genutzt werden, war am Montag zu hören. Man warte noch auf die Genehmigung der Landeskirche. Die Friedenskirche werde abgerissen, hieß es weiter. Gespräche zum Verkauf des Geländes liefen. Die Kirchengemeinde versuche, sich in der Vermarktung des Grundstücks zu positionieren.