Fachtagung: Wie Kinder Sterben und Tod am besten begreifen können

Fachtagung : Wie Kinder Sterben und Tod am besten begreifen können

Eine Fachkonferenz zur Kinderhospizarbeit in Neunkirchen mit der Theologin Frederike F. Spengler ging der Frage nach, wie den Jüngsten das Abschiednehmen erklärt wird.

„Es gibt Themen, da schnürt es einem fast die Luft ab.“ Womit Neunkirchens Landrat Sören Meng sicher nicht alleine steht. Als Vater eines neunjährigen Sohnes will und kann er sich kaum vorstellen, „was wäre, wenn mein Kind sehr krank wäre. Sogar so krank, dass es keine Chance auf Heilung gäbe. Eine unwirkliche Situation, die alles auf den Kopf stellt, die sprachlos macht.“

Aber das Kind braucht Antworten, natürlich auch, wenn ein ihm nahestehender Mensch stirbt. Umso wichtiger sei sie, diese zwölfte Fachkonferenz zur Kinderhospizarbeit, die Meng als Hausherr im Dienstgebäude 7 eröffnete.

Konkret ging es bei dieser Konferenz darum, wie man mit Kindern über Sterben, Tod und Trauer spricht. Dazu hatte der Kinder-Hospizdienst Saar als Veranstalter die promovierte Theologin Frederike F. Spengler aus Bad Berka bei Weimar eingeladen. Mit ihrem engagierten, lebensnahen Vortrag zog die Expertin die 100 Teilnehmer der Konferenz sofort in ihren Bann. „Alle waren aufmerksam bis zum Schluss, man hätte fast eine Stecknadel zu Boden fallen hören“, meinte Beate Leonhard-Kaul, Teamleiterin des Kinder-Hospizdienstes.

Prinzipiell haben Kinder „keine Berührungsängste den Tod betreffend“, dozierte Pfarrerin Spengler. „Weil sie nicht wissen, was Trauer bedeutet für ein ganzes Leben.“ Charakteristisch für Kinder sei es, dass sie „punktuell in die Trauer reingehen“, vergleichbar mit einem beherzten Sprung in eine Pfütze: Es spritzt wie verrückt und ist gleich wieder vorbei. Aber wie sag ich’s nun meinem Kind? Bitte unmissverständlich, also kein Ausweichen auf vermeintlich schonende Phrasen wie „Oma ist eingeschlafen“ oder „der Papa ist von uns gegangen“. Im schlechtesten Falle verweigert das Kind dann nämlich das eigene Schlafen aus Angst, auch nicht mehr zu erwachen. Oder es quält sich mit Selbstvorwürfen, weil der Papa ganz sicher nur fort ist, weil es frech zu ihm war.

Eine große Rolle, was und wie man es einem Kind erzählt, spielt das jeweilige Alter. Drei- bis Sechsjährige betrachten beispielsweise den Tod als vorübergehenden Zustand, während Ältere bis etwa zehn Jahre den Tod als Bestrafung ansehen. Sinn macht es auch nicht, zu viele Details auszubreiten und zu sehr in die Tiefe zu gehen: „Achten sie auf Fragen, das ist schon die halbe Miete“, empfahl die Expertin.

„Wir unterschätzen die Kinder ein Stück weit“, hatte Guido Fries vom Gesundheitsministerium zu Beginn der Veranstaltung in seinem Grußwort geäußert. „Sie können sehr gut damit umgehen.“ Was die Referentin bestätigte. „Ich votiere ganz stark dafür, dass Kinder Abschied nehmen können“, im Sterbezimmer beim Aussegnen, am Grab bei der Beisetzung. „Das hilft ihnen, diese Situation zu begreifen.“

„Sehr gute Erfahrungen“ hat die Expertin mit der Einbeziehung von Kinderbüchern gemacht, die für sie das „Mittel der Wahl“ bei der Beschäftigung mit dem Thema Sterben und Tod sind. Etwa 100 hat sie bereits daheim in Thüringen gesammelt und stellt sie immer mal wieder aus. Wie Beate Leonhard-Kaul informierte, plane man bereits, die Ausstellung „Ist Omi jetzt ein Engel?“ ins Saarland zu holen.

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