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Wie ein Blinder die Schrift erfand

Mit Spaß und Leidenschaft sind die Lebacher Schüler dabei: Ein eigens für sie geschriebenes Musical dreht sich um die Erfindung der Blindenschrift. Foto: Thomas Seeber
Mit Spaß und Leidenschaft sind die Lebacher Schüler dabei: Ein eigens für sie geschriebenes Musical dreht sich um die Erfindung der Blindenschrift. Foto: Thomas Seeber FOTO: Thomas Seeber
Neunkirchen. Es ist die Geschichte von Louis Braille, dem französischen Erfinder Blindenschrift. Erzählt wird sie von Kindern der Förderschule Lebach. Diese haben ein eigens für sie geschriebenes Musical einstudiert. Jetzt kommen sie damit in die Neunkircher Gebläsehalle. Oliver Spettel

Die Freude und ein bisschen Stolz ist den sieben Kindern der Schule für Blinde und Sehbehinderte in Lebach anzumerken. Sind sie als Hauptdarsteller des Musicals "Louis Braille und die 6 Richtigen" doch ausgewählt worden, in der Stummschen Reithalle für ihr Stück zu werben. Valeria (10), Vincent (10), Sophia (10), Miriam (17), Jonas (11) Marcel (13) und Frederic (15) sind gekommen. Sie vertreten das 42-köpfige Ensemble aus Schülern im Alter zwischen 8 und 18 Jahren. Zusammen mit der Live-Band "The Soulfamily" um Drummer Elmar Federkeil wird die Truppe ihr Musical bei drei Aufführungen im Juli in der Neunkircher Gebläsehalle präsentieren.

Geschrieben wurde das Stück von Isabell Spindler, Carina Peitz und Matthias Nikola. Es erzählt die Geschichte des kleinen Louis Braille, der zu Beginn des 19. Jahrhunderts in der Sattlerwerkstatt seines Vaters arbeitet. "Der Kleine ist damals gerade mal drei Jahre alt" erzählt Spindler. Er will auch mit Werkzeug arbeiten und greift nach der Ahle, die zum Nähen des dicken Leders verwendet wird. "Dann passiert Dramatisches", erzählt Isabell Spindler, die auch Regie führt. Louis verletzt sich am Auge. Beide Augen entzünden sich und er erblindet. Der kleine Junge muss sich fortan ohne Sehkraft zurechtfinden. Sein größter Wunsch ist es zu lesen. Sein Weg führt ihn nach Paris, wo er in einer Blindenschule die berühmte Schrift mit den sechs Punkten erfindet. "Die 6 Richtigen im Titel sind diese 6 Punkte, die man für die Blindenschrift braucht", erklärt die zehnjährige Sophia.

Die Musik ist ein bunter Stilmix. Wie Matthias Nikola erzählt, kommen Elemente aus Rock, Pop, Balladen, aber auch Rap zum Einsatz. Dass es den Kindern Spaß macht, zeigen sie mit Eifer in ihren Kostümen. Die zwei Hörproben, begleitet von Nikola an der Gitarre, machen Lust auf mehr. Beim Stück geht es um Spaß. "Die Geschichte wird auch durchaus humoristisch erzählt", betont Spindler. Man wolle ganz bewusst zeigen, dass die Kinder trotz ihrer körperlichen Einschränkung Spaß haben können. "Wir sitzen nicht den ganzen Tag rum und sind traurig", sagt Spindler.

Das ist auch der pädagogische Ansatz des Stückes. Man wolle Berührungsängste abbauen für das Thema sensibilisieren. Mit den Aufführungen sollen auch ganz besonders Schulklassen angesprochen werden. Abendaufführungen gibt es keine, weil die Termine in den Schulalltag der Darsteller und Besucher integrierbar sein soll. Auch beim Eintrittspreis von drei Euro haben man an die Schulen gedacht, betont Spindler. Einen Spendenhut am Ausgang können man sich aber vorstellen.

Nach den Aufführungen im vergangenen Jahr ist viel hängen geblieben. "Nur die Kostüme passen nicht mehr alle", so Spindler. Trotzdem wird man noch drei intensive Probentage an der Landesmusikakademie in Ottweiler machen - mit Übernachtung versteht sich. Ein Termin, auf den sich die Kinder schon jetzt freuen. Gerade weil die Schüler aus der gesamten Region stammten, sei es oft schwierig, gemeinsame Freizeitangebote wahrzunehmen. Umso schöner sei es, dass es mit dem Musikprojekt geklappt hat, so die Verantwortlichen.

Die Vorfreude bei den Kindern ist riesengroß. "Ich freue mich, dass wir unsere Geschichte in Neunkirchen erzählen dürfen", sagt der 13-jährige Marcel. Und die Stadt freut sich auf die Kinder. "Ich finde es toll, welche Kraft ihr ausstrahlt. Ich freue mich riesig drauf", so der städtische Beigeordnete Sören Meng.

Aufführungen sind am Mittwoch, 22. Juli, 10.30 Uhr und am Donnerstag, 23. Juli, 10.30 Uhr und 16 Uhr. Tickets zum Preis von 3 Euro gibt es an allen bekannten Vorverkaufsstellen. Das Musical wird in Kooperation mit der Musicalstadt Neunkirchen präsentiert und vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert. Die Schirmherrschaft hat die saarländische Ministerin für Soziales, Monika Bachmann , übernommen.



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