Wer kauft das Klinikum?

Neunkirchen · So wie es aussieht, hat das Städtische Klinikum Neunkirchen in kommunaler Trägerschaft keine Zukunft. Um finanziellen Risiken aus dem Weg zu gehen, suchen die Rathaus-Verantwortlichen einen Investor. Ein professioneller Unternehmensberater klopft den Markt im Auftrag der Stadt Neunkirchen auf Interessenten hin ab.

 Das Städtische Klinikum Neunkirchen sucht einen Käufer oder einen zahlungskräftigen Kooperationspartner. Foto: Thomas Seeber

Das Städtische Klinikum Neunkirchen sucht einen Käufer oder einen zahlungskräftigen Kooperationspartner. Foto: Thomas Seeber

Foto: Thomas Seeber

Dem Städtischen Klinikum Neunkirchen wird sehr wahrscheinlich in den nächsten Monaten das Attribut "städtisch" verloren gehen. Der Grund: Die Stadt will ihre hundertprozentige Tochter Klinikum als finanzielles Risiko schnellstmöglich loswerden. Der Jahresetat des Krankenhauses an der Brunnenstraße ist - wie in der SZ berichtet - seit dem vergangenen Jahr nicht mehr gedeckt und wird es auch in den nächsten Jahren nicht sein. Das kann zwar durch Rücklagen - zumindest vorerst - ausgeglichen werden. Schwerer wiegt: Die Liquidität des Klinikums ist äußerst problematisch - das, was man bei einem Privatmann Girokonto nennt, ist um mehrere Millionen überzogen. Ein Zustand, der die "Mutter" Stadt in ein finanzielles Vabanquespiel zu treiben droht.

Um dies zu verhindern, will das Rathaus nun seine Tochter zur Adoption freigeben, sprich zum Verkauf anbieten oder zumindest einen zahlungskräftigen Kooperationspartner an Land ziehen. Dazu wurde kürzlich der renommierte Unternehmensberater PwC (PricewaterhouseCoopers ) eingeschaltet. PwC solle zum einen den rechtlichen Rahmen für eine Kooperation oder eine Übernahme der Klinik durch Dritte klären, so Oberbürgermeister Jürgen Fried , kraft Amtes zugleich Aufsichtsratschef des Klinikums. Ferner werde PwC die städtische Einrichtung auf dem Markt vorstellen und in Übereinstimmung mit der Stadt Kontakte zu möglichen Investoren knüpfen. Konkrete Verhandlungen oder gar ein Vertragsentwurf seien allerdings nicht Bestandteil des Auftrags an PwC. Fried bestätigte, dass es schon etliche Anfragen anderer Krankenhausträger im Rathaus gegeben habe. Konkrete Verhandlungen seien seitens der Stadt aber noch nicht geführt worden.

Das Städtische Klinikum beruft sich einerseits auf die bundespolitischen Rahmenbedingungen (Krankenhausfinanzierung) als Ursache für die ungute Entwicklung (SZ vom 30. Juli). Andererseits gab es auch intern belastende Kostenentwicklungen. So wurde der Anfang 2013 eröffnete Neubau mit 17,2 Millionen Euro um 4,4 Millionen Euro teurer als veranschlagt. "Das verlängert selbstverständlich die Amortisationsphase des Neubaus", räumt Klinikums-Geschäftsführer Klaus-Dieter Hielscher ein. Wobei nach seinen Worten die dort eingerichtete Komfortklinik für betuchte Selbstzahler eine "stabile positive Ertragslage bei wachsenden Umsatz" aufweise. Nach der Eröffnung im April des vergangenen Jahres seien 2013 auf der 15-Betten-Etage 118 Patienten gezählt worden, in diesem Jahr bis Ende September bereits mehr als 300. Das bedeute für 2014 bisher einen Überschuss von 160 000 Euro.

Ein anderer Punkt ist, dass ein mehr als 40 Jahre altes Haus - das Klinik-Gebäude wurde im Oktober 1973 eingeweiht - ständig beträchtliche Sanierungs- und Modernisierungskosten belasten. Seit das Haus 1993 in eine Klinik-GmbH umgewandelt worden sei, so die Geschäftsführung, seien knapp 58 Millionen Euro in Bau- und Renovierungsmaßnahmen sowie Ausstattung geflossen. Dabei gebe das Klinikum mehr Geld aus, als ihm durch Landeszuschüsse zuflössen. Nachdem die Investitionshilfen des Landes weiter gekürzt worden seien, sei es "nicht möglich, alle wünschenswerten Sanierungsmaßnahmen zeitnah vorzunehmen".

Ein Beispiel für eine solche Dauerbelastung sind die Rohrleitungen, so alt wie das Gebäude selbst. Das Leitungssystem werde bereits seit mehreren Jahren erneuert. Dies habe in Absprache mit dem Gesundheitsamt dazu geführt, dass dem Trinkwasser im Klinikbereich vorerst Chlor zugesetzt werde. Die Sanierung der Wasserleitungen werde voraussichtlich noch weitere drei Jahre andauern und etwa 450 000 Euro verschlingen.