Wenn Klopapierrollen Feuer speien

Schlösschen aus Karton, Schmuck aus Fahrradreifen, Feuerdrachen aus Toilettenpapier: Selbermachen war Trumpf auf dem Weltkindertag-Fest im Wagwiesental. Zahlreiche Besucher schauten vorbei.

. "Hallo, ich bin Neunkie": Normalerweise fristet der sprechende Marienkäfer sein Dasein als Guide im 2015 erschienenen "Stadtbuch für Kinder". Aber anlässlich des Weltkindertag-Festes im Wagwiesental hatte sich das gescheite Insekt nach draußen gewagt, um als Bastelvorlage Modell zu stehen. Am Gemeinschaftsstand der Veranstalter, des Familienbüros und der Kinderkommission, drehte sich am Sonntag alles um jenes Stadtbuch. Kindgerecht aufbereitet, erklärt es zum Beispiel, dass es mal ein Schloss hier gab.

"Da fahren die Kinder voll drauf ab", ist die Erfahrung von Doris Weber. Jeden Dienstag und Donnerstag malt, werkelt und näht sie mit Mädchen und Jungen in der Kinder-Kultur-Werkstatt (KIKU) im Mehrgenerationenhaus, interkulturell und integrativ. Weil sie gern einen "roten Faden" beim Bastel-angebot eines Festes hat, kreierte sie rund ums Kinder-Stadtbuch einen Flechtwerk-"Bliesbarsch", ein "Irrgarten-Straße-Labyrinth" und ein Schlösschen aus Karton, Papprollen und goldenen Folien. "Vielleicht ist doch jemand dabei, den das neugierig auf die Stadt und ihre Geschichte macht", hoffte Doris Weber.

Selbermachen lautete das Motto an diesem trüben, aber zum Glück trockenen Sonntagnachmittag: Da konnten die Kids etwas streng riechenden Schmuck aus alten Fahrradschläuchen basteln, Püppchen ausstopfen und mit allerlei Knöpfen und Perlen schmücken, Drehbilder spritzen, Klopapierrollen in Feuerdrachen verwandeln und einiges mehr.

Wer hungrig wurde, hatte die Qual der Wahl: Blechkuchen vom Kita Furpach-Team, Waffeln und Crepes beim ASB oder Deftiges vom Grillrost. Letzteres servierte die Neinkerjer Plätsch, die mit zwölf Mann vor Ort war und zwischenzeitlich ganz schön rotieren musste. "Zwischen 400 und 500 Würstchen könnten heute verkauft werden", schätzte Präsident Hermann Frick schnell mal zwischen dem Verkauf zweier Wertbons. Eine Art Wissenstest rund um die heimische Natur bot der Nabu traditionell an - inklusive Fühlkästen und frischen Kräutern zum Schnuppern. "Der Wissensstand ist teilweise erschreckend", meinte Stefan Sauer. "Es gab schon Kinder, die fragten, was ein Nistkasten ist."

Um da möglichst früh gegen zu halten, unterstützt der Nabu Kindergärten in Wellesweiler und Neunkirchen , die sich so Jahreskarten für den Zoo leisten können. Auch wenn das Interesse an "Alle-Sinne"-Angeboten nachlässt: "Wir geben nicht auf", kündigte Sauer an. "Definitiv."

Einiges an Defiziten sah auch Silke Hunziker, allerdings in Sachen Gleichgewicht und Körperbeherrschung. Assistierte sie doch "Seilkünstlern" aller Altersgruppen beim Balancieren über die zwischen Kastanien gespannten Slacklines - eines von vielen sportlichen Angeboten von Caros Inline Academy. "Wir haben die ganze Zeit Betrieb hier", freute sich Silke Hunzicker. Etwas anspruchsvoller war dagegen der Poi-Workshop der Saarlouiser Feuergruppe Les enfants du feu, mit dem das gelungene, gut besuchte Kinderfest so langsam ausklang.

Zum Thema:

Auf einen Blick: Die Partner des Kinderfestes: Arbeiter Samariter Jugend, Bürgerinitiative Neunkirchen Stadtmitte e.V., Familien Beratungs Zentrum der AWO, Familien- und Nachbarschaftszentrum, Kinderkommission der Kreisstadt Neunkirchen , KiTa Arche Noah, KiTa Furpach, NABU Ortsverein Neunkirchen , Neue Arbeit Saar gGmbH, Pfarrei St. Marien, Pro Familia, Sozialdienst katholischer Frauen, Verein der Förderer des Katholischen Kindergartens Wiebelskirchen e.V., Weißer Ring Ortsverein Neunkirchen , KG Neinkerjer Plätsch.