Kreis Neunkirchen : Wenn es dem Fuchs ans Fell geht

Die Zahl der Füchse im Landkreis Neunkirchen steigt. Einige Tiere haben jedoch für Mensch und Haustier bedrohliche Krankheiten.

Füchse, die auf der Suche nach Futter durch Gärten streifen. Dieses Bild sehen Anwohner im Landkreis in den vergangenen Jahren immer häufiger. Im Garten einer Familie aus Wiebelskirchen hat sich sogar eine Fuchsfamilie mit drei Jungtieren eingenistet. Da Füchse Krankheiten übertragen können, hat die Familie ein mulmiges Gefühl. Ihre sechs Monate alten Katzen dürfen derzeit auch nicht in den Garten, um den Kontakt und eine mögliche Ansteckung zu vermeiden. Die besorgte Familie hat sich hilfesuchend an das Landratsamt in Ottweiler gewendet. "In den vergangenen Jahren ist der Fuchs bei uns stärker zum Thema geworden. Regelmäßig melden sich Bürger, die einen Fuchs im Garten gesehen oder ein krankes oder totes Tier gefunden haben", sagt Edgar Kuhn von der unteren Jagdbehörde im Kreis Neunkirchen auf Anfrage der SZ. "Die Zahl der Füchse steigt jährlich, da sie außer Mercedes und BMW keine natürlichen Feinde mehr haben", sagt Kuhn. Sie suchen sich neue Reviere und Futterquellen und landen so immer häufiger in Städten und Gärten. Beliebte Ziele seien Komposthaufen, Essensreste in gelben Säcken und Katzenfutter, das fürsorgliche Anwohner für Streuner auf den Balkon stellen.

Füchse sind klein, niedlich und die Versuchung ist groß, einen Fuchs, der anscheinend die Scheu vorm Menschen verloren hat, zu streicheln. Aber Kuhn warnt vor jeglichem Kontakt mit dem rostbraunen Waldbewohner: "Der Fuchs ist immer noch ein Wildtier und kein zahmes Haustier. Außerdem können sich Mensch und Tier mit lebensbedrohlichen Krankheiten anstecken." Dazu gehören die Räude und der Fuchsbandwurm. "Wenn sich Anwohner bei uns melden, lautet die erste Frage immer noch: Kann der Fuchs Tollwut haben?", sagt Kuhn. In den Köpfen der Menschen gehe weiterhin die Angst vor Tollwut um, obwohl es seit 2008 keinen Fall mehr gegeben habe. Das Zweite, was die besorgten Anrufer interessiert, ist die Fuchsräude, und an dritter Stelle folgt die Frage nach dem Fuchsbandwurm. "Wir gehen davon aus, dass ein Großteil der Füchse einen Bandwurm hat", sagt Kuhn. Eine sehr gefährliche Krankheit sei die Räude. Das ist eine Milbenerkrankung, die sowohl auf Mensch als auch auf andere Tiere übertragbar ist (siehe Info). Die Milben leben in der oberen Hautschicht, wo die Weibchen ihre Eier ablegen. Als Folge leidet das Tier unter einem starken Juckreiz, es bilden sich Infektionen und das Fell fällt aus, sagt Arnold Ludes, ehrenamtlicher Geschäftsführer der Tierärztekammer des Saarlandes. "Wenn die Krankheit nicht behandelt wird, kann sie für das Tier tödlich enden", erklärt Ludes. Auch Johannes Schorr, Geschäftsführer der Vereinigung der Jäger des Saarlandes bestätigt, dass jedes Jahr mehr Füchse daran erkranken: "Vor einigen Jahren war die Räude eher etwas Theoretisches. Wir haben kaum ein krankes Tier gesehen. Seit 2013 jedoch breitet sich die Krankheit bei Füchsen begonnen flächendeckend im Saarland aus." Mit Räude erkrankte Tier müssen nicht gemeldet werden, deshalb liegen beim Landratsamt oder bei der Tierärztekammer des Saarlandes keine Zahlen vor.

Haustierbesitzer müssen aufgrund der steigenden Zahlen jedoch nicht in Panik geraten, sagt Ludes: "Sie sollten ihre Hunde gegen Milben behandeln und so eine Ansteckung verhindern." Ihm seien keine Ansteckung bei Katzen mit Räude bekannt. Auf Anfrage der SZ bestätigten verschiedene Tierärzte im Kreis Neunkirchen, dass es bei ihnen in den letzten Monaten keinen Fall von Räude gegeben habe. Egar Kuhn rät jedem, das Wildtier Fuchs mit Respekt zu behandeln: "Anwohner sollten keine Füchse füttern oder versuchen, Jungtiere zu streicheln." Der Mensch müsse seinen Abstand zum Fuchs wahren, ihn vertreiben, wenn er im Garten gesehen wird und Besitzer sollten ihre Hunde auch im Wald anleinen, damit das Haustier nicht in Kontakt mit einem erkrankten Fuchs kommen kann. Eine Frau aus dem Kreis Neunkirchen hat sich eine kreative Methode zur Vertreibung der Füchse einfallen lassen, sagt Kuhn. Ein Bewegungsmelder im Garten schaltet automatisch den Wassersprinkler ein, der jeden tierischen Besuch sofort die Flucht ergreifen lässt. So hält die Frau unerwünschten Fuchsbesuch aus ihrem Garten fern.

Hinweise über einen kranken oder toten Fuchs an die Ortspolizeibehörde Tel. (06821) 20 22 08 oder an das Landratsamt in Ottweiler Tel. (06824) 90 60.

Zum Thema:

Die Räudemilben werden durch Kontakt mit einem erkrankten Fuchs auf Tier und Mensch übertragen. Bei Hunden zeigt sich die Räude zuerst im Kopf- und Halsbereich. Die Haut ist schuppig und gerötet. Die Haare fallen aus und das Tier hat einen starken Juckreiz. Bei diesen Anzeichen sollte der Hund zum Tierarzt gebracht werden. Es gibt keinen Impfstoff gegen die Krankheit. Hundebesitzer können ihre Tiere gegen Milben behandeln