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Wenn er in den Mantel schlüpft . . .

Wenn er in den Mantel schlüpft . . .

"St. Martin" Neunkirchen "Randolf Bach" Pferd Umzug

Neunkirchen. Die Laternen leuchten, die Kinder singen mit glänzenden Augen "St. Martin..." während St. Martin mit seinem schweren Mantel auf dem Pferd vorneweg reitet und den Zug anführt. Heute ist St. Martin. Zu diesem Anlass gibt es heute und gab es in den vergangenen Tagen diverse Martinsumzüge zu Ehren des Mannes, der zu einer der bekanntesten Heiligen der katholischen Kirche gehört. Und das nicht ohne Grund. Martin war als Soldat der Reiterei der Kaiserlichen Garde in Amiens stationiert. Die Gardisten trugen über dem Panzer einen weißen Überwurf aus zwei Teilen. An einem Tag im Winter begegnete Martin einem armen, unbekleideten Mann. Außer seinen Waffen und seinem Militärmantel trug Martin nichts bei sich. In einer barmherzigen Tat teilte er seinen Mantel mit dem Schwert und gab eine Hälfte dem Armen. Der Heilige ist natürlich längst tot. Doch hierzulande schlüpfen jedes Jahr unzählige Freiwillige in diese Rolle, um den Martinszug in den Städten und Gemeinden anzuführen. Grund genug, "einen St. Martin" in die Redaktion einzuladen. Der 37-jährige Randolf Bach führt seit zehn Jahren mit seinem Pferd als St. Martin Umzüge in Neunkirchen, Wellesweiler und Furpach an. Die Jahre davor war es sein Vater Werner Bach (62), der in die Rolle des Heiligen schlüpfte. "Ich übernehme diesen Part gern, es ist schön, den Kindern damit eine Freude bereiten zu können", sagt Randolf Bach im Gespräch mit unserer Zeitung. Doch viel Kontakt hat der 37-Jährige mit den Kindern bei den Umzügen nicht. Vielmehr muss er darauf achten, dass das Pferd inmitten solcher Menschenmassen ruhig bleibt, und dass er mit dem Pferd, sowie alle Kinder, sicher am Zielort, am Martinsfeuer, ankommt. "Das kann schon manchmal chaotisch sein, oftmals nehmen Autofahrer keine Rücksicht auf den Zug. Glücklicherweise geht die Polizei aber mit und regelt den Verkehr." Bisher hat Randolf Bach es immer geschafft, das Pferd an sicher zum Ziel zu führen. Schließlich ist er ein versierter Reiter. Seit er sechs Jahre alt ist, reitet er. Stilecht, mit einem roten Mantel und goldenem Helm präsentiert sich St. Martin Randolf Bach am Martinstag den Kindern. Den Mantel hat eine Freundin der Mutter angefertigt, erzählt Bach, der nach dem Martinszug den Kindern auch immer eifrig Fragen beantwortet. "Meistens handelt es sich um Fragen rund ums Pferd und weniger um St. Martin. Über den Heiligen werden die Kinder in der Schule informiert", so Bach weiter. Und während Randolf Bach sich mit den Kindern unterhält, sorgt Vater Werner dafür, dass am Martinsfeuer alles glatt läuft. Und sicher werden Werner und Randolf Bach auch im kommenden Jahr wieder dazu beitragen, dass die Kinder hinter einem St. Martin hergehen, mit der Laterne in der Hand Liedchen singen und am Martinsfeuer eine Brezel essen können.

Auf einen BlickDas Martinslied: Sankt Martin, Sankt Martin,Sankt Martin ritt durch Schnee und Wind, sein Ross, das trug ihn fort geschwind. Sankt Martin ritt mit leichtem Mut, sein Mantel deckt' ihn warm und gut. Im Schnee saß, im Schnee saß, im Schnee, da saß ein armer Mann, hatt' Kleider nicht, hatt' Lumpen an. O helft mir doch in meiner Not,sonst ist der bitt're Frost mein Tod!Sankt Martin, Sankt Martin, Sankt Martin zog die Zügel an,sein Roß stand still beim armen Mann. Sankt Martin mit dem Schwerte teilt' den warmen Mantel unverweilt. Sankt Martin, Sankt Martin,Sankt Martin, gab den halben still,der Bettler rasch ihm danken will. Sankt Martin, aber ritt in Eil' hinweg mit seinem Mantelteil.